Bilder-Horter gibt Interview

Gurlitt: "Die müssen zu mir zurück"

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Cornelius Gurlitt vermisst seine Bilder

München - Bildersammler Cornelius Gurlitt hat sich im "Spiegel" geäußert - und seine Äußerungen lassen tief blicken, wie der 79-Jährige tickt.

Den Arzt zahlt Cornelius Gurlitt (79) in bar. Krankenversichert ist er nicht, aber er hat dennoch eine hervorragende Versicherung – oder besser: hatte. Denn wenn das Geld knapp wurde, konnte er wieder eines seiner Bilder verkaufen, die er von seinem Vater Hildebrand, jenem legendären Kunstsammler im Dritten Reich, geerbt hat. Und so ist es kein Wunder, dass der Rentner, der eigentlich nur seine Ruhe will, immer mit einer Menge Bargeld durch die Gegend lief (und vielleicht auch läuft). Beispiel: Als er jetzt in Würzburg bei seinem Arzt war (Gurlitt ist schwer herzkrank), zahlte er für eine Strecke von nicht mal vier Euro Taxifahrt 20 Euro. Der Rest war Trinkgeld. Das und vieles mehr steht jetzt im Spiegel, dem Gurlitt ein Interview gegeben hat.

"Ich bin kein Mörder, warum jagen die mich?"

"Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt"

Lesen Sie die beiden Spiegel-Zitate rechts, und Sie können sich vorstellen, wie dieser Mensch tickt: Er versteht die Welt nicht, wie sie ist – und wohl auch schon immer war. Er wirkt wie ein Kind, das mit Geld spielt, ohne Bezug zur Realität. Am liebsten würde er mit seinen 1406 Kunstwerken mutterseelenallein sein. Eine Beziehung zu einem Menschen hatte er nie, sagt er dem Magazin. Niemals war er verliebt. Aber: „Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt in meinem Leben.“

Allein die wörtlichen Zitate, die man im Spiegel lesen kann, zeichnen ein ziemlich genaues Bild des Cornelius Gurlitt: ein Einzelgänger mit einem dominanten Vater. Ein schüchterner, ja zutiefst scheuer Mensch, der sein Leben zumindest so weit nie in den Griff bekommen hat, dass er das tut, was so gut wie jeder versucht: auf eigenen Füßen zu stehen, sich seine Nische in der Welt zu schaffen. Sich ein soziales Umfeld aufzubauen und eine eigene (finanzielle) Existenz. Cornelius Gurlitt lebt in einer Welt, an die wohl niemand herankommen wird.

Im Spiegel sagt er: „Jetzt sind die Bilder irgendwo in einem Keller, und ich bin allein. Warum haben sie die Bilder nicht dagelassen und nur immer die abgeholt, die sie prüfen wollen? Dann wäre es jetzt nicht so leer.“ Das klingt so traurig und bizarr, dass dieser Mensch einem einfach nur leidtut.

Eines darf man Gurlitt nicht absprechen – dass er die Bilder zum Lebensunterhalt „missbraucht“ hat. Man darf ihm glauben, dass sie sein Schatz sind. Dass er sie liebt. „Die Menschen“, sagt er im Spiegel, „sehen zwischen diesen Papieren mit Farbe nur Geldscheine – unglücklicherweise.“ Und damit trifft er diese sinnentleerte Welt, die Kunst nicht (mehr?) genießt, sondern als Wertanlage sieht. Die David Garrett als Klassikstar feiert und von Event zu Event hechelt, ohne den wahren Wert eines Mozart, Kleist oder Dürer kennenlernen zu können. Weil sie gar nicht weiß, welch kostbarste Welt sich hinter der „Hochkultur“ verbirgt.

Übrigens bekommt die Staatsanwaltschaft Augsburg – explizit der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz – auch von Gurlitt ihr Fett weg: „In Augsburg sitzt der Staatsanwalt, dem ich alle Unterlagen geschickt habe. Ich verstehe nicht, warum der sich noch nicht bei mir gemeldet hat“, sagt er dem Magazin.

Wenn er tot sei, so Gurlitt zum Schluss, könne man mit den Bildern machen, was man wolle. Bis dahin gibt er sie nicht her. Nicht freiwillig.

M.B.

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