Münchner Kunstfund

Kunstfund: Jurist erhebt schwere Vorwürfe

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München - Haben die bayerischen Behörden im Fall des spektakulären Münchner Kunstfundes bewusst auf Zeit gespielt? Ein auf NS-Raubkunst spezialisierter Jurist erhebt schwere Vorwürfe - Kultusminister Spaenle gibt sich zuversichtlich. 

Der auf die Rückgabe von NS-Raubkunst spezialisierte Anwalt Matthias Druba hat Kritik am Umgang der deutschen Behörden mit dem Münchner Bilderfund geübt. Die Veröffentlichung einiger Kunstwerke im Internet sei immerhin ein erster Schritt, um Ansprüche ehemaliger Besitzer zu ermöglichen, sagte Druba der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

„Dass die Behörden mehr als anderthalb Jahre nach Entdeckung der Bilder damit an die Öffentlichkeit gehen, ist unverständlich“, sagte der Jurist, der unter anderem die Rückgabe der Plakatsammlung Sachs aus dem Deutschen Historischen Museum in Berlin an den Erben erstritten hat. „Offenbar haben die bayerischen Justizbehörden versucht, auf Zeit zu spielen.“

Er werde den Eindruck nicht los, dass Bayern die Beschlagnahmung der rund 1400 Bilder des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt solange unter Verschluss haben halten wollen, bis dieser stirbt. „Man hoffte offenbar, das sich keiner meldet, die Bilder damit dem Staat zufallen und sich alles von selbst erledigt“. Er könne sich nicht vorstellen, dass Bayerns Justizministerium von dem Fall und seiner Brisanz nichts gewusst habe. Glücklicherweise sei der Bilderfund aber an die Öffentlichkeit gekommen.

Bedenklich sei auch die Entscheidung, nur eine Expertin für die von den Nazis als „Entarte Kunst“ verfemten Werke der Moderne in der Gurlitt-Sammlung recherchieren zu lassen. Denn im Fall der aus deutschen Museen stammenden „Entarteten Kunst“ seien die Rechtsansprüche relativ klar. Dagegen sei die Provenienzforschung für jene Werke, die Juden in der NS-Zeit geraubt wurden, wesentlich dringlicher. Viele mögliche Erben seien sehr betagt, sagte Druba.

Nicht nachzuvollziehen sei, warum Gurlitts Sammlung im Zuge eines Steuerverfahrens beschlagnahmt wurde. Alle Straftaten - etwa Unterschlagung und Betrug - im Zusammenhang mit NS-Raubkunst, die heute im Besitz von Privatpersonen ist, seien verjährt. „Das geht die Staatsanwaltschaft nichts an“, sagte Druba. Cornelius Gurlitt habe mit dem Verkauf eines Gemäldes von Max Beckmann, dessen Erlös er sich mit den Erben teilte, Bereitschaft gezeigt, auf Ansprüche von Dritten einzugehen. „Es wäre vielleicht ratsam, auf den guten Willen von Herrn Gurlitt zu setzen“, sagte Druba.

Nach massiver Kritik im In- und Ausland hatte die Bundesregierung am Montagabend die Veröffentlichung einer ersten Liste von 25 verdächtigen Bildern aus dem bereits Anfang 2012 sichergestellten Konvolut von mehr als 1400 Werken veranlasst. Außerdem wurde eine Expertengruppe zur rascheren Aufklärung der Herkunft der Kunstwerke gebildet.

dpa

Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus Münchner Fund

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