Ruck ma zamm!

Neuer Plan: München soll dichter bebaut werden

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Die ehemalige Schwabinger 7.

München - Es gibt kaum noch Platz für neue Wohnungen. obwohl die Nachfrage ständig steigt. Jetzt gibt es einen neuen Plan. München soll dichter bebaut werden.

Die Frage stellt sich immer wieder: Wenn der Magnet München so viele Menschen anzieht, wo sollen die denn alle wohnen? Allein die Zahlen machen Angst: 213 000 Zuzügler erwartet die Stadt bis 2030, allein die bräuchten 122 000 neue Wohnungen. Und für wie viele hat München noch Platz? Laut Flächennutzungsplan für rund 54 000 Apartments auf der grünen Wiese etwa in Freiham. Die Lücke beträgt also 68 000 Wohnungen – und die können nur mitten in München entstehen!

Für die Stadt lautet darum die Devise: Ruck ma zamm! Planerisch gesprochen: Das Planungsreferat betreibt ein Projekt namens „Langfristige Siedlungsentwicklung“ mit dem Ziel, durch Nachverdichtung mehr Wohnungen im Bestand zu schaffen. Am Mittwoch gab es im Rathaus einen Zwischenbericht. Stadtbaurätin Elisabeth Merk: „Nahezu die ganze Stadt wird zum Planungsgebiet.“

Klingt in der Theorie schon kompliziert und ist es in der Praxis auch. Fast überall stoßen die Planer auf Widerstand von Nachbarn und Demonstranten mit ihren Interessen. Beim Neubau an der Schwabinger 7 fürchtete die Szene um die Subkultur. Beim Bolzplatz im Glockenbachviertel sollte einer der wenigen Plätze für Kinder im Zentrum mit günstigen Wohnungen überbaut werden. An der Fraunhoferstraße kämpfen Umweltschützer für sechs Kastanien. Und über allem ragt der Vorwurf: Es gibt ja doch nur Luxus!

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Für Zündstoff könnte auch das Gutachten zur Siedlungsentwicklung sorgen, das Stadtverwaltung und Parteien umgehend kleinredeten. Die Planer errechnen allein für Gartenstädte ein Potenzial von bis zu 190 000 weiteren Wohnungen! Nachverdichtung an Wohnblöcken könnte 90 000 Apartments bringen. In der Altstadt seien 100 000 mehr möglich. „Das können wir uns in der Realität nicht vorstellen“, sagte SPD-Planungssprecherin Claudia Tausend.

Stadtbaurätin Merk selbst rechnet auch mit viel weniger: Nachverdichtung soll es vorranging nur an Wohnblöcken geben – und zwar bis maximal 9000 Wohnungen. Dazu kommt der Umbau von Gewerbe zu Wohnen mit 8000 Apartments. Und im neuen Viertel im Nordosten könnten bis zu 7000 Wohnungen mehr entstehen. Da bleibt aber immer noch ein Lücke von 44 000 Wohnungen.

David Costanzo

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