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S-Bahn-Südring: „Das ist Tricksen und Täuschen“

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München - Das Gutachten zum S-Bahn-Südring steht weiter unter Beschuss. Nach der ersten Kritik bei der Präsentation der Studie, die dem Bau eines zweiten S-Bahn-Tunnels den Vorzug vor dem oberirdischen Südring gibt, untermauerte der Landtagsabgeordnete Martin Runge (Grüne) seine Vorwürfe.

Die Kostenansätze der Gutachter seien völlig falsch und die Planungen absolut überzogen. „Das ist ein plumpes Tricksen und Täuschen.“

Mitte November hatte Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) das Vergleichsgutachten zum zweiten S-Bahn-Tunnel und Südring vorgelegt. Mit dem Ergebnis, dass nur der Tunnel wegen seines besseren Nutzen-Kosten-Verhältnisses gefördert werden dürfe. Inklusive der Maßnahmen auf den Außenästen soll die Röhre rund 1,52 Milliarden Euro kosten. Mit 1,33 Milliarden war der Südring nur wenig billiger.

Mittlerweile liegt dem Grünen-Politiker Runge auch die gesamte Studie vor, nicht mehr nur eine Zusammenfassung. Ein Indiz, dass die Ansätze des Gutachtens verfehlt seien, sieht Runge in den veranschlagten Kosten für Ausgleichsflächen, die beim Ausbau des Südrings andernorts erworben werden müssten. Für die 34 Hektar hätten die Gutachter 17 Millionen Euro kalkuliert. Macht pro Quadratmeter 50 Euro. Warum, fragt Runge, habe dann die Stadt München zuletzt für ihre Ausgleichsflächen nur zwischen drei und sechs Euro bezahlt?

Wie berichtet, hatten schon Verkehrsplaner bezweifelt, dass die Kosten für den Südring seriös ermittelt sind. Denn ein Gleiskilometer wurde hier auf rund 29 Millionen Euro veranschlagt. Auf der Ausbaustrecke nach Ingolstadt waren es nur knapp vier Millionen. Runge glaubt zu wissen, warum: „Der Südring-Ausbau wurde so teuer und so luxuriös wie nur irgendwie möglich geplant.“ So sollen trotz der 34 Abstellgleise am Südbahnhof laut Gutachten dort neue Gleise verlegt werden. Auch keines der Fernbahngleise am Ostbahnhof sei entbehrlich, moniert Runge. Dabei parkten hier tagsüber Schlafwagenzüge. Nicht zuletzt werde beim Ausbau des Südrings mit Behelfsbrücken, temporären Tunnelbauwerken und Baustraßen nur so geklotzt, „um ja hohe Kosten zu generieren“.

Der Grüne befürchtet darüber hinaus, dass sich mit dem zweiten Tunnel die Bedienung einer Reihe von S-Bahn-Stationen auf den Außenästen verschlechtern wird. Denn statt wie beim Zehn-Minuten-Takt sechsmal würden diese nur noch viermal im 15-Minuten-Takt angefahren – sofern die Express-S-Bahn nicht an der Station hält. „Der Tunnel“, schlussfolgert Runge, „wäre ein größerer Schildbürgerstreich als der Transrapid.“

Das Verkehrsministerium verwies indes darauf, dass an den „wichtigen“ Stationen auch zukünftig sechs S-Bahnen pro Stunde fahren würden. Linien, die heute nur im 20-Minuten-Takt verkehrten, würden dann alle 15 Minuten bedient. Runges Vorwürfe über eine überteuerte Baulogistik beim Südring nannte das Ministerium „spekulativ“. Die veranschlagten Kosten für Ausgleichsflächen seien realistisch, da der Grund stadtnah erworben werden solle.

Matthias Kristlbauer

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