"Einvernehmliches Verhältnis"

Schnacksel-Vorwurf: Jetzt spricht der Gutachter

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Dr. Thomas S. (59, r.) vor Gericht.

München - Hat er eine Staatsanwältin zum Sadomaso-Sex gezwungen? Im Prozessauftakt wegen sexuellen Missbrauchs behauptet der forensische Gutachter Dr. Thomas S., die beiden hätten eine Beziehung geführt.

Der 59-Jährige wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe Stefanie S. medikamentenabhängig gemacht – und als Gegenleistung Sex verlangt. „Es ging nicht nur um Sex, wir haben eine Beziehung geführt. Wir liefen Hand in Hand durch den Englischen Garten und gingen in die Oper“, lässt S. in einer Erklärung von seinem Anwalt verlesen.

Laut Anklage kannten sich beide von ihrer Arbeit am Gericht. Im Februar 2010 war Stefanie S. psychisch angeschlagen, musste stationär behandelt werden und bekam Medikamente. Ende Mai 2010 meldete sie sich laut Anklage in der Praxis des Gutachters und übergab auch ihre Patientenakte. „Am 26. Juni forderte sie mich auf, zu ihr zu kommen. Am 28. Juni begann unser intimes Verhältnis in meiner Wohnung.“ Angeblich einvernehmlich und gefühlvoll.

Ja, er habe ihr Rezepte ausgestellt, „aber erst, als wir ein Paar waren. Sie hat sich nicht dafür prostituiert, es hat auch kein Arrangement gegeben.“ Neuroleptika habe er verschrieben, das Beruhigungsmittel Tavor aber nicht. „Es stimmt nicht, dass ich Stefanie über Wochen süchtig gemacht habe.“

S. sieht sich selbst als Opfer: „Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass eine Staatsanwältin mich zu einer Strafhandlung verleitet.“ Dass sie auch andere Bezugsquellen für Medikamente hatte, habe er nicht gewusst. „Ich habe auch nie gedacht, dass es bei uns um ein ärztliches Verhältnis ging. Aber es war schwer, aus der Retterrolle herauszukommen.“ Als Stefanie S. gestern aussagte, wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Heute fällt das Urteil. Wird der Gutachter verurteilt, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

thi

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