Guttenberg: Hier lächelt seine Frau die Krise weg

München - Stephanie zu Guttenberg hat am Montag in einem Festakt im Landtag die Schirmherrschaft des Landesverbands Bayern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft übernommen.

Dr. Nicolaus König, immerhin stellvertretender Vorsitzender der Organisation, weiß, dass er keine Chance hat und bricht seine Ausführungen zu Multipler Sklerose (MS) ab, als sie den Konferenzraum verspätet betritt.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm rückt nach hinten, ihre Vorgängerin, die Ex-Staatsministerin Monika Hohlmeier, springt auf. Bühne frei für Baronin zu Guttenberg! Blitzlichtgewitter, Stimmengewirr, Kameramänner streiten mit Fotografen ums beste Bild. Dazwischen zwei besorgte Bodyguards. Dann endlich – dieses umwerfende Lächeln … Der sinnliche Mund ist mit zartrosa Lipgloss betont, die Zähne blitzen weiß hervor – und innerhalb weniger Sekunden sind ihr alle erlegen. Am Montag hat Stephanie zu Guttenberg in einem Festakt im Landtag die Schirmherrschaft des Landesverbands Bayern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft übernommen. Und dabei einfach die Krise ihres Mannes weggelächelt. Der Schießunfall in Afghanistan, die Meuterei auf der Gorch Fock, die geöffnete Feldpost von Soldaten – die Ministergattin bekämpft die Kritik an ihrem Gatten mit ihren Waffen.

Auf die Frage eines Journalisten, ob sie den Druck, der derzeit auf ihrem Mann laste, auch spüre, antwortet sie mit zusammengekniffenem Mund und blitzenden Augen: „Das gehört hier heute nicht hin.“ Und basta. Mit zunehmender Professionalität ist die Ministergattin immer mehr darauf bedacht, nicht nur als hübsche Frau im Hintergrund zu gelten. Sie thront mit knappem grauen Stretchkleid, spitzen Stöckelschuhen und offenem blonden Haar neben Stamm und Hohlmeier, die beide lange Hosen und flache Schuhen tragen. Stamm und Hohlmeier lachen viel und laut. Bei der Baronin bleibt’s bei einem Lächeln. Hübsch und seriös. „Nein, das Gerücht, dass ich schwanger bin, stimmt nicht“, sagt sie der tz. Vorerst hat sie Wichtigeres zu tun. Was ihr Mann kann, kann sie schon lange, sie will kämpfen. „Ich will neue Tore öffnen, dafür werde ich mich mit vollem Herzen einsetzen“, ist ein Satz in ihrer Antrittsrede. Mit ernster Miene betont sie später: „Ich stehe auch im Sturm.“ Ein Nicken soll ihre Aussage bekräftigen.

Fast wie eine Politikerin beendet die Präsidentin der Kinderschutz-Organisation Innocence in Danger ihren Vortrag: „Das Ehrenamt ist für mich eine Pflicht, als Mensch, als Mutter, als Christin und als ein Teil unserer Gesellschaft. Stephanie zu Guttenberg steht hundert Prozent hinter ihnen oder ihnen zur Seite – da, wo Sie mich haben wollen.“ Und sie tritt ab. Tosender Applaus im Festsaal.

Fast 30 Jahre hatte Monika Hohlmeier diesen Posten inne, die Strauß-Tochter und erfahrene Politikerin. Die 34-jährige zu Guttenberg spricht von „großen Fußstapfen“. Und was macht die einst selbst sehr populäre Hohlmeier? Sie winkt ab und wendet sich an die unerfahrene Nachfolgerin. „Mit deinem Herzen, deinem Verstand, deiner Energie und dem Elan, bist du perfekt in meinen Fußstapfen.“ Da lächelt auch die Baronin wieder.

Wer genau hinsieht, bemerkt an ihrem unterm Tisch hervorblitzenden Knie, dass auch sie nicht perfekt ist. Denn da zieht sich eine kleine Laufmasche bis zum Knöchel hinunter. Beruhigend.

Nina Bautz

Truppenbesuch: Zu Guttenberg mit Ehefrau Stephanie in Afghanistan

Truppenbesuch: Zu Guttenberg mit Ehefrau Stephanie in Afghanistan

Die DMSG

Stephanie zu Guttenberg übernimmt die Schirmherrschaft des bayerischen Landesverbands der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft von Monika Hohlmeier, der wegen ihrer Aufgaben im Europaparlament die Zeit fehlt. MS ist eine chronische, entzündliche Erkrankung des Nervensystems und wird meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr diagnostiziert. In Deutschland leben etwa 130 000 Kranke, in Bayern etwa 15 000. Der Landesverband betreut seit 1960 Betroffene, 2010 waren es regelmäßig 8454 Patienten.

Auch diese berühmten Politikergattinnen engagier(t)en sich ehrenamtlich

Karin Stoiber: Die Frau des ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber engagiert sich für etwa 40 soziale Einrichtungen – wichtig sind ihr Kinder und alte Menschen.

Edith von Welser-Ude: Die Arbeit von Unicef liegt der Gattin des Oberbürgermeisters Christian Ude besonders am Herzen, jedes Jahr hilft sie bei der Weihnachts-Versteigerung.

Christiane Herzog: Die Ehefrau des Bundespräsidenten Roman Herzog gründete ihre eigene Stiftung für Mukoviszidose-Kranke. Außerdem engagierte sie sich bei Unicef.

Irene Epple-Waigel: Theo Waigels Frau gehört zum Beirat der Tabaluga-Kinderstiftung, ist Schirmherrin der Stiftung „Kindergesundheit“ und „Geschenk mit Herz“.

Karin Seehofer: Die derzeitige First Lady Bayerns ist unter anderem Schirmherrin für den Irmengard-Hof (Gstad): einem Heim für schwerkranke Kinder und ihre Angehörige.

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