Sie mussten schon zweimal aus dem Haus

Wir haben Angst vor der nächsten Bombe

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Zur Flucht bereit, solange gegenüber gebaggert wird: Klaudia S. mit Tochter Linda

München - Zweimal innerhalb weniger Tage hatte die asthmakranke Schülerin Linda wegen eines Bombenfunds eilig das Haus verlassen müssen. Ihre Mutter Klaudia S. (34) war jedes Mal in der Arbeit. Sie sind in panischer Angst.

Wenn es klingelt, zuckt die elfjährige Linda zusammen. Steht wieder die Polizei vor der Tür? Muss sie wieder eilig die Wohnung verlassen, weil auf der Landsberger Straße gegenüber eine Bombe gefunden worden ist? Zweimal innerhalb weniger Tage hatte die asthmakranke Schülerin eilig das Haus verlassen müssen. Ihre Mutter Klaudia S. (34) war jedes Mal in der Arbeit. Sie sagt: „Wir sind in panischer Angst, dass es wieder passiert, solange da drüben gebaggert wird.“

Der Blick aus dem Fenster

Auf dem 8560 Quadratmeter großen Grundstück in Laim baut VW ein neues MAHAG-Autohaus. Bei den Ausschachtungsarbeiten wurden zwei Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt: am 21. Juni und am vergangenen Donnerstag. Während der Entschärfung der Blindgänger mussten die Bahnstrecke und die Landsberger Straße gesperrt werden. Die in den Gewofag-Wohnungen gegenüber lebenden Mieter mussten raus.

Bombenfund in Laim: Stammstrecke dicht

Bombenfund in Laim: Stammstrecke dicht

Verkäuferin Klaudia S. und ihre Tochter Linda haben inzwischen das Nötigste zusammengepackt für den Fall, dass die nächste Bombe ausgegraben wird. Vor allem Lindas Medikamente, die sind bei einem Anfall ganz wichtig. Der Elfjährigen sitzt der Schreck vom ersten Bombenalarm noch in den Gliedern. „Die Polizei hat gesagt: ,Ihr müsst sofort raus!’ Ich bin furchtbar erschrocken.“ Ihre Mutter fügt an: „Sie war so schockiert, dass sie nicht zur Schule gehen konnte.“ Trotz des zweiten Schrecks ging Linda diesen Freitag zum Unterricht: „Ich hatte eine wichtige Prüfung.“

Susanne J. musste zweimal mit Celina (1) und Angelina (4) eilig das Haus verlassen

Wütend ist Nachbarin Susanne J. auf die Informationspolitik der Polizei: „Zweimal habe ich jetzt mit meinen Kindern innerhalb von fünf Minuten das Haus verlassen müssen.“ Der Blindgänger vom vergangenen Donnerstag war bereits zur Mittagszeit entdeckt worden, wurde aber erst gegen 21.15 Uhr entschärft. „Als die Polizei die Landsberger Straße wieder freigegeben hat, dachte ich, alles ist vorüber“, schildert die 35-Jährige. Um 17.15 Uhr habe die Polizei bei ihr geklingelt. „Wir mussten in fünf Minuten die Wohnung verlassen. Ich musste die Waschmaschine abschalten, das Nötigste für meine Kinder zusammenpacken.“ Dann hieß es warten, warten, warten. „Erst gegen 21.30 Uhr durften wir wieder ins Haus.“ Die Mutter: „Die Polizei hat doch vorher gewusst, dass entschärft wird. Sie hätte uns wesentlich früher informieren können.“

Auch Klaudia S. ist aufgebracht: „Der Alltag kann so nicht bewältigt werden.“ Die Frauen wollen Unterschriften sammeln: „Wir fordern, dass die Gegend nach Blindgängern durchsucht wird, damit wir wieder ruhig schlafen können.“

Eberhard Unfried

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