Wegen Kanal? Feuchte Keller im Norden

Wir haben immer Hochwasser!

+
Von wegen Flut: Beim Feldmochinger Alois Franke drückt immer wieder das Grundwasser durch. Ist der neue Abwasser-Kanal der Stadt schuld?

München - Was ist da nur in den Kellern von Feldmoching los? Seit die Münchner Stadtentwässerung (MSE) 1998 dort einen großen Sammel-Kanal gebaut hat, steht in mindestens 30 Häusern immer wieder das Grundwasser im Keller.

Ein großes Ärgernis für die Anwohner, die ständig das Wasser aus den Kellern pumpen müssen und die oft unter Schimmel in ihren Mauern leiden. Von Schadensersatz will die Stadt aber bislang nichts wissen.

Die Feldmochinger haben eigentlich von Natur aus nahe am Wasser gebaut: Die Münchner Schotterebene fällt sachte von Süden nach Norden ab, bis das Grundwasser am Dachauer Moos ganz nahe an der Oberfläche steht. Dennoch berichten Anwohner wie Gisela Obersojer: „Vor dem Bau des Kanals waren unsere Keller trocken.“ Der im Inneren fünf Meter hohe Kanal leitet das gesamte Abwasser aus dem Münchner Westen und Norden in die Kläranlage Marienhof zwischen Garching und Neufahrn. Die Leitung verläuft quer zum Grundwasserstrom im Untergrund. Der Feldmochinger Alois Franke ist sich sicher: „Man hat beim Bau versäumt, den auf den Rohren liegenden Ballastbeton zu entfernen und durch Kies zu ersetzen.“

Hochwasser in Bayern: Katastrophenalarm und Dauereinsätze

Hochwasser in Bayern: Katastrophenalarm und Dauereinsätze

Die Folgen bekamen die Anwohner schon 1999 beim Pfingsthochwasser und nochmals bei der Flut im August 2010 zu spüren, als in den Kellern auf einmal wieder das Wasser stand. Auch die jüngste Hochwasserwelle sorgte dafür, dass viele Keller wieder geflutet wurden. Dabei hat die Stadt versucht, mit dem Aufbohren der Düker das Abfließen des Grundwassers zu beschleunigen, auch der Aufbaubeton soll noch auf 120 Metern entfernt werden.

Die Folgen der regelmäßigen Fluten: aufgequollene Wände, Schimmel, bröckelnder Putz. Einer der Betroffenen ist Erwin Gierszewski, der mit Heizstrahlern und Luftentfeuchtern versuchte, die Wasserschäden im Keller seines 1978 gebauten Hauses zu beseitigen. Ohne Erfolg. Die Böden sind hin.

Nachbar Alois Franke versuchte, seinen Keller von innen mit Dämmschlamm gegen das Grundwasser zu schützen, und die Wände mit Haftputz dicht zu bekommen. Franke: „Die Schallschutzverschalung im Musikprobekeller meine Sohnes war auch kaputt.“ Allein das Material für die Kellersanierung kostete ihn 10 000 Euro. Die Schadensersatzforderungen der betroffenen Feldmochinger an die Stadt bewegen sich zwischen 5000 und mehr als 20.000 Euro. Die Rede ist von insgesamt an die 400.000 Euro.

Doch die Allianz, bei der die Stadt versichert ist, will nicht zahlen. Sie sieht keinen „Kausalzusammenhang zwischen dem Kanalbauwerk und dem Schaden“. Die Feldmochinger hätten ihre Häuser zu nahe am Grundwasser unter Missachtung der Höchstgrundwasserwerte von 1940 gebaut. Dabei haben die Gutachten der Stadt ergeben, dass der Kanal das Grundwasser um 20 bis 30 Zentimeter aufstaut.

CSU-Stadträtin Mechthilde Wittmann versucht seit Jahren, die Stadt zur Zahlung von Schadenersatz zu bewegen. Doch auch ihr jüngster Anlauf wurde von der rot-grünen Rathausmehrheit abgeschmettert. Die Stadt will abwarten, was ein neues Gutachten ergibt, das die Allianz in Auftrag gegeben hat.

Johannes Welte

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Feuerwehreinsatz auf der Linie der S1
S-Bahn: Feuerwehreinsatz auf der Linie der S1
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare