Falschmeldung nach Stau

Hacker am Werk? Navi-Irrtum um Verfolgungsjagd

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Die Lerchenauer Straße. Hier hatte es gekracht – aber ohne Verfolgungsjagd

München - Eine merkwürdige Navi-Meldung schreckt tz-Chefredakteur Rudolf Bögel am Mittwochmorgen auf: „Achtung, Gefahr durch Verfolgungsjagd!" Er erwartet das schlimmste, doch es passiert: nichts!

tz-Chefredakteur ­Rudolf Bögel.

Staumeldungen im Navi sind jeden Morgen die ständigen Begleiter von tz-Chefredakteur Rudolf Bögel (52) auf der Fahrt aus dem Münchner Westen in die Innenstadt. Die regen ihn schon lange nicht mehr auf. Am Mittwoch in der Früh fuhr ihm aber der Schreck in die Glieder: Zusätzlich zur Staumeldung für die Lerchenauer Straße meldet das Navi um 7.26 Uhr: „Achtung, Gefahr durch Verfolgungsjagd!“ Rudolf Bögel ist alarmiert – er erwartet, jeden Moment einem Amokfahrer samt Blaulicht-Eskorte zu begegnen. Doch es passiert: nichts …
Fakt ist: Im Kreisel zwischen der Lerchenauer Straße und der Abfahrt zum Mittleren Ring waren um 7 Uhr ein Auto und ein Lkw zusammengestoßen. Es bildete sich ein Stau – und der wurde über den Verkehrsinformationskanal TMC (siehe Kasten) im Radio und damit auch über alle angeschlossenen Navigationsgeräte vermeldet, die diesen Dienst nutzen. Eine Verfolgungsjagd fand definitiv nicht statt.

Besonders Audi von Fehlermeldungen betroffen

Die alarmierende Navi-Anzeige.

Fehlermeldungen über TMC wurden in den vergangenen Jahren immer wieder gemeldet. Auffallend oft waren Audis betroffen, nach Recherchen des Sprechers der Audi-Produktkommunikation, Josef Schloßmacher, aber auch andere Fabrikate. So meldete TMC dem Fahrer eines Audi A8 im November 2014 auf der Autobahn bei Holzkirchen einen „Terroranschlag in 13 Kilometern“. Auf der A2 bei Hannover erschrak der Fahrer eines Audi A6 im August 2011 über die gleiche Terrorwarnung, die sich nachträglich als Warnung vor „Personen auf der Fahrbahn“ entpuppte.
Schloßmacher vermutet, dass hier Hacker am Werke waren: „Der TMC-Kanal ist offen und nicht sonderlich geschützt. Hacker erreichen immer nur einzelne Fahrzeuge im Nahbereich von wenigen hundert Metern. Darum sind es auch immer nur Einzelfälle, die sich nicht mehr nachvollziehen lassen.“ Auch beim Bayerischen Rundfunk kennt man dieses Phänomen. Dort vermuteten die Mitarbeiter bislang, dass TMC zuweilen den falschen Code empfing oder die Meldung vom Gerät falsch verschlagwortet wurde.

tz-Stichwort TMC

TMC steht für „Traffic Message Channel“, auf Deutsch „Verkehrsnachrichten-Kanal“. Die Informationen für diesen Dienst stammen von Polizei, Feuerwehr und den Automobilclubs. Sie werden im Großraum München von der Autobahndirektion Südbayern überwacht und nach Prioritäten geordnet an die Radiosender weitergeleitet. Die vierstelligen Ereignis-Codes für alle möglichen Gefahren sind europaweit gleich und beinhalten auch Kuriositäten wie z.B. „Sandsturm“, „Sichtbehinderung durch Insektenschwärme“, „Cricketspiel“ und eben „Achtung, Gefahr durch Verfolgungsjagd“.

Dorita Plange

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