In der spricht tz das Einbruchs-Opfer (68)

Angeklagter trotz DNA am Tatort freigesprochen!

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Links: Josip P. (30) ist ein vorbestrafter Dieb: Seine Spuren fand die Polizei am Tatort. Dennoch wurde er freigesprochen. Rechts: Geschäftsfrau Maria L. (68) aus Großhadern ist sich sicher: „Der Dieb kannte sich in unserem Haus aus.“

München - Maria L. atmete auf, als die Staatsanwaltschaft endlich den Mann anklagte, der mutmaßlich in ihr Haus eingebrochen war. Doch der Prozess nahm eine kuriose Wendung.

Ein paar Tage Urlaub in Österreich – und dann zurück in den stressigen Alltag als Firmenchefin: Das war der Plan von Maria L. (68) aus Großhadern. Als sie Anfang Juni 2012 in ihr Haus in der Kurparkstraße kam, traute sie aber ihren Augen kaum: „Beide Tresore waren leer. Ich wurde bestohlen“, sagt sie. Brillantringe, edle Ketten, aber auch Sparbücher und Bankunterlagen – alles weg. Dazu fehlten 25.000 Euro Bargeld. „Es ist ein grausiges Gefühl, dass ein Einbrecher in meinem Haus war.“ Der Geschäftsfrau entstanden mehr als 200.000 Euro Schaden.

Mehr als zwei Jahre lang lebte sie in Ungewissheit. Dann hatte die Polizei Verdächtige im Visier – allerdings ohne Ergebnis. Immer wieder kreisten die Gedanken von Maria L. um die eine Frage: Wer kann nur der Täter sein? „Er muss sich bei uns ausgekannt haben“, sagt sie. Denn im Haus entstand sonst kein Schaden. „Die Tresore wurden gezielt geknackt.“ Sie liegen über zwei Etagen im Haus versteckt: in verwinkelten Gängen, in Schränken und hinter Bildern. Die Schlüssel an geheimen Orten versteckt. „Fremde können unser System auch mit viel Mühe eigentlich nicht durchschauen“, sagt Maria L. Ihr Verdacht: Der Ex-Mann ihrer Tochter – er trennte sich im Streit, verließ auch die gemeinsame Firma. „Wir waren uns sicher: Er hat einen Dieb beauftragt.“

Maria L. atmete auf, als die Staatsanwaltschaft endlich einen mutmaßlichen Täter anklagte: Josip P. (30), ein bereits vorbestrafter Dieb, der Gaststätten und Vereinsheime leergeräumt hatte. Ihm wurde am Donnerstag am Landgericht der Prozess gemacht. Der Angeklagte aber bestritt die Tat. Maria L. hätte er nie zuvor gesehen und sei nicht in ihrem Haus gewesen.

Kriminalbeamte hatten aber DNA-Spuren von Josip P. in der Nähe eines Tresors gefunden – und zwar noch hinter einem Gemälde. Damit schien er überführt! Der Prozess nahm aber eine kuriose Wendung: Richter Thomas Hense verurteilte P. am Ende nicht – aus Mangel aus Beweisen! Denn ein Sachverständiger hatte erklärt, dass es sich um sogenannte sekundäre DNA handeln könnte. Also Spuren, die zufällig an den Tatort kommen – etwa dadurch, dass man sie auswärts mit seiner Kleidung aufnimmt. Freispruch für Josip P.! „Wir konnten uns nicht von der Schuld überzeugen. Im Zweifel für den Angeklagten“, begründete Hense.

Maria L. ist entsetzt. Der Dieb, der in ihr Haus eingebrochen ist, läuft immer noch frei herum. Noch viel schlimmer ist für sie aber: „Er kennt alle Verstecke in unserem Haus.“

Andreas Thieme

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