Großhadern stellt neues Klinik-Projekt vor

Blitz-Hilfe gegen den Schlaganfall

Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde, um schnellstmöglich die Versorgung des Patienten zu gewährleisten. Daher hat sich das Klinikum Großhadern etwas Besonderes einfallen lassen.

Er beginnt meist mit Schwindelgefühl und starken Kopfschmerzen. Dann setzt die Taubheit ein. Schlaganfall! Mediziner wissen: Nun zählt jede Sekunde, um den Menschen vor Behinderungen oder gar dem Tod zu bewahren. Um genau diese blitzschnelle Versorgung zu gewährleisten, hat sich das Klinikum Großhadern (zusammen mit weiteren 16 bayerischen Kliniken) etwas Besonderes einfallen lassen. Das Nevas – das Neurovaskuläre Versorgungsnetzwerk. Heißt: Per Videoanlage und Datenaustausch sitzen Schlaganfall-Experten sozusagen mit am Bett der Patienten.

„Dies ist ein Meilenstein und ich bin stolz, dass wir dieses Projekt hinbekommen haben“, sagte gestern Prof. Dr. Marianne Dieterich, die mit ihrem Team für das Netzwerk verantwortlich ist. Immerhin erleiden alleine in Bayern rund 50 000 Menschen jedes Jahr einen Schlaganfall. Studien zeigen: Bis 2050 wird sich diese Zahl mehr als verdoppeln. Tatsache ist: Wird ein Betroffener innerhalb der ersten 90 Minuten nach Beginn der Beschwerden richtig behandelt, kann jeder vierte Patient ohne Folgeschäden geheilt werden.

Hier wird Nevas eingesetzt.

Nevas funktioniert so: Wird ein Schlaganfall-Patient zum Beispiel im Klinikum Landsberg oder Fürstenfeldbruck eingeliefert, schaltet sich per Video sofort ein Facharzt aus Großhadern ins Behandlungszimmer zu. Er hilft den Ärzten nun, die richtigen Schritte bei den Sofortmaßnahmen einzuleiten. Welche Medikamente soll der Betroffene bekommen? Muss gar ein Eingriff am Gehirn vorgenommen werden? Ist dies der Fall, kann der Patient auch sofort nach Großhadern geflogen werden. „Mit dieser Kooperation können wir vielen Betroffenen sehr schnell helfen“, so Prof. Dr. Marianne Dieterich.

Drei Hauptzentren mit Fachexperten für die Kliniken gibt es übrigens in Südwestbayern (siehe Karte unten). Finanziert wird das ganze Projekt durch den Freistaat und die Krankenkassen. Dennoch dürfte sich der Aufwand lohnen: Derzeit zahlen die Kassen jedes Jahr neun Milliarden (!) Euro für die Versorgung von Schlaganfall-Opfern. Mit jedem Geretteten sinkt auch diese Zahl...

Armin Geier

Rubriklistenbild: © dpa

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