Gruppenvergewaltigung in der Blumenau

Nachbarin: Zu mir flüchteten die beiden Sex-Opfer

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In diesem Mehrfamilienhaus in der Blumenauer Straße geschah die schreckliche Tat

München - Die Gruppenvergewaltigung in der Blumenau, der zwei junge Mädchen zum Opfer fielen, sorgt noch immer für Entsetzen und Empörung. Eine Nachbarin schildert die dramatischen Geschehnisse in der Tatnacht.

Eine einfache Holztür – zwei Zentimeter dick, mit Namensschild, Briefschlitz und Spion. Auf der Fußmatte lächeln Elefanten. Doch dahinter weinten junge Mädchen – und mussten ertragen, was sie wohl ihr Leben lang nicht mehr vergessen können.

Die unfassbare Schandtat von Blumenau: Hier, im obersten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses, verwaltigen in der Nacht zum Freitag acht Jugendliche die beiden Mädels (15 und 16 Jahre alt) nach einer Party am Stachus – und demütigten sie auf das Schäbigste (wir berichteten).

Nachbarin: Die Mädchen waren ganz hysterisch

Im Innenhof der Blumenauerstraße steht vier Tage nach der Tat die Frau, die die missbrauchten Mädels auffand. Nennen wir sie Renate H., ihren richtigen Namen möchte sie nicht nennen – aus Angst. In der tz erzählt sie von der grauenhaften Nacht.

„Gegen 3.45 Uhr in der Früh hat es bei uns sturmgeklingelt. Mein Mann und ich sind aus dem Schlaf geschreckt. Über die Gegensprechanlage hat er unten hysterische Stimmen von jungen Mädchen gehört und hat gleich nachgesehen.“ Im Treppenhaus stehen auch andere Nachbarn, die wach geworden sind. Auch hier haben die beiden Mädchen in schierer Verzweiflung wahllos geläutet.

"Sie sahen so schlimm aus, dass ich Angst hatte"

Hinter dieser Tür geschah das schreckliche Verbrechen.

„Beide standen unten vor dem Eingang und haben am ganzen Leib gezittert. Sie haben heftig geweint, waren völlig aufgelöst und hatten ganz verquollene Augen. Sie sahen so schlimm aus, dass ich es selbst mit der Angst gekriegt habe. Ich fragte, was los ist. Sie brachten aber keinen Ton raus. Dann sagte die ältere nur ein Wort: ,Vergewaltigt!‘ Da sind mir die Knie weich geworden – eine sah ja fast noch wie ein Kind aus.“

Renates Mann ruft die Polizei, sie selbst bleibt bei den Mädels. „Sie standen unter Schock. Zum Glück kam der Streifenwagen schon nach zehn Minuten.“

"Der seelische Schaden ist wohl nicht mehr zu reparieren"

Warum sind die Mädchen nur mit diesen Kerlen mitgegangen? Diese Frage lässt Renate H. in den Tagen danach nicht mehr los. Sie ist selbst Mutter und hat drei kleine Enkel. „Am meisten schockiert mich, dass sogar ein anderes Mädchen bei dieser Sauerei mitgemacht haben soll. Der seelische Schaden ist nach so einer schlimmen Tat wohl nicht mehr zu reparieren“, sagt sie mit bebender Stimme.

Aus der Blumenau will sie weg. „Es wird immer schlimmer hier. Über normale Überfälle regt sich ja hier kaum noch einer auf.“ Von den acht Beschuldigten Jugendlichen (15 bis 19 Jahre alt), sitzen fünf in U-Haft. „Ich hoffe, sie kriegen lange Strafen."

A. Thieme

Die Anwohner sind schockiert

Bin wirklich sprachlos

Ich habe selbst Kinder und bin sprachlos und tief bewegt. Jede Gewalt hat Einfluss auf unser Zusammenleben. Wir haben in der Blumenau viele soziale Einrichtungen, die mit Jugendlichen zusammenarbeiten. Schade, dass unser Viertel so schlecht dasteht – so ein Verbrechen kann überall passieren.

Stefanie Junggunst, (42), Nachbarschaftstreff Blumenau

Diese Tat ist widerlich

Ich hab’s aus der Zeitung erfahren und bin erschüttert, dass so etwas hier in der Nachbarschaft passiert. Diese Tat ist widerlich, hoffentlich kriegen die Burschen eine hohe Strafe. Die waren vorher feiern – vielleicht waren Alkohol oder Drogen im Spiel. Die Mädels waren naiv, ­einfach mit Fremden mitzufahren.

Herbert Schäffler (65), Rentner aus Blumenau

Passt nicht zum Viertel

Ich kenne durch meine Arbeit die Jugendlichen hier. Einige sind arbeitslos, ohne Perspektive. Aber die sind in Ordnung, ich hätte mir so eine Tat nicht vorstellen können, das passt nicht zum Viertel. Ich bin schockiert. Die Gegend war früher besser. Heute ist sie unsicher, viele Wohnungen stehen leer.

Arif Canlier (34), Kioskbesitzer

 

"Täter sind eiskalt und berechnend"

Die Massenvergewaltigung von der Blumenau ist für Außenstehende unerklärlich. Die tz hat mit dem Kriminalpsychologen Christian Lüdke (Buch: Wenn die Seele brennt) gesprochen.

Kriminalpsychologe Christian Lüdke

Die Täter: Sie sind eiskalt und berechnend – solch eine Tat macht man nicht im Affekt. Studien zeigen, dass fast alle jugendlichen Sexualstraftäter zutiefst gestörte Beziehungen in der Familie haben. Sie sind im Inneren zutiefst ängstlich. In der Gewaltausübung erlangen sie Kontrolle und wandeln ihr Ohnmachts- in ein Allmachtsgefühl um. Sie sind die klassischen Versager mit Problemen in Familie, Schule oder Beruf. Gewaltausbrüche sind für sie eine Übersprungshandlung, in der sie ihren Frust darüber auslassen. Besonders die Intensivtäter sind sich dabei aber sehr gut der Folgen bewusst.

Die Gruppe: In der Pubertät zählt vor allem bei bindungsgestörten Kindern nur die Gruppe, sie wird zur Ersatzfamilie. In dieser Zeit ist jeder leicht verführbar. Da kann erwiesenermaßen auch ein einzelner gewaltbereiter Täter völlig normale Jugendliche zu Taten verleiten. Die Ano­nymität der Gruppe schützt, die gemeinsame Tat entlastet. Durch das gegenseitige Anfeuern verfällen die Täter in eine Art Rausch.

Die Rolle des Täter-Mädchens: Es kann sein, dass das anwesende Mädchen unter Druck gesetzt oder bedroht wurde. Aber es gibt auch Fälle, bei denen Mädchen ihre Aggressionen bewusst ausleben. Meist geht die Gewalt dann gegen Mädchen, da es einfacher ist, sich mit den Jungs zu verbünden, als gegen sie aufzubegehren.

Pornofilme: Pornos vermitteln ein Bild, wonach Frauen jederzeit verfügbare Maschinen sind. Trotzdem macht der Pornokonsum alleine nicht gewalttätig. Aber wenn der Jugendliche bindungsgestört ist und im Alltag versagt, kann der Pornokonsum sexuelle Gewalt begünstigen.

Das Opfer: Der typische Kontrollverlust, die Ohnmacht und die Hilflosigkeit, die ein Vergewaltigungs-Opfer erlebt, sind noch gravierender, wenn viele beim Verbrechen zusehen und keiner hilft.

nba

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