Behörden lehnen Anfrage ab

Kampf um Behindertenparkplatz

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Dietmar Gaiser, der Behindertenbeauftragte Oswald Utz und Claudia Senge

München - Claudia Senge wendet sich an den tz-Bürgeranwalt, nachdem kein Behindertenparkplatz vor ihrem Haus genehmigt wird. Diesem geligt ein Teilerfolg.

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Viele von uns haben den Film Ziemlich beste Freunde gesehen. Dort geht es, vereinfacht gesagt, um das Verhältnis eines Nichtbehinderten zu einem Behinderten. Solche Filme hinterlassen bei uns ein Bild von behinderten Menschen, das nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat. Auf unserer heutigen Seite lesen Sie, wie sich das Team des Bürgeranwaltes an den Behindertenbeauftragten der Stadt München wandte. Er kennt die Probleme der behinderten Menschen. Oswald Utz sitzt selbst im Rollstuhl. Und das durch ihn gezeichnete Bild ist sehr viel differenzierter als das im Film. In München leben weit mehr als 100 000 behinderte Menschen. Und München gilt als die behindertenfreundlichste Stadt Deutschlands. So weit, so gut. Wer aber den Armutsbericht der Bundesregierung liest, erfährt, dass über ein Drittel der behinderten alleinstehenden Menschen zwischen 25 und 45 Jahren ein Haushaltsnettoeinkommen von nur 700 Euro haben. Davon lebt man nicht gerade üppig. Das Amt des Behindertenbeauftragten ist ein Ehrenamt. Er ist Ansprechpartner für alle Behinderten in München. Wer ihn kontaktieren will, ruft am besten in seinem Büro unter Telefon 089/23 32 44 52 an oder er schaut auf seine Internetseite www.behindertenbeauftragter-m.de/. Sicher kann ein ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter keine Wunder bewirken, aber er kann zwischen Verwaltung und Behinderten vermitteln. Und er vermittelt zwischen Behinderten und Nichtbehinderten. Das ist leider öfter nötig, als man glaubt.

Ihr Dietmar Gaiser

Kampf um Parkplatz

Unser sechsjähriger Sohn Ludwig ist behindert. Ich bringe ihn also mehrmals in der Woche zu Therapien. Er leidet sowohl an körperlichen als auch an geistigen Behinderungen. Um ihn zur Therapie zu bringen, brauche ich natürlich das Auto. Und nun fängt das Drama an. Wir haben alles versucht, aber man genehmigt uns vor dem Haus keinen Behindertenparkplatz. Angeblich ist die Straße zu eng. In der Realität aber stehen die Autos zur Hälfte auf dem Bürgersteig und zur anderen Hälfte auf der Fahrbahn. Das wird nicht nur stillschweigend geduldet, es wird sogar gewünscht, sonst käme nämlich die Müllabfuhr nicht durch. Wenn es an einem der Häuser in unserer Straße eine Baumaßnahme gibt, werden auch wochenlange Ausnahmegenehmigungen für Baucontainer bewilligt. Aber für einen eingezeichneten Behindertenparkplatz reicht der Platz nicht! Unsere Nachbarn wissen alle Bescheid und lassen den Platz vor unserem Haus frei, aber es gibt viele S-Bahn-Pendler, die hier ihr Autos direkt vor unserem Haus abstellen, so dass ich meinen inzwischen nicht mehr leichten Sohn zum Auto tragen muss. Der Bürgeranwalt ist unsere letzte Hoffnung. Bitte, helfen Sie uns!

Claudia Senge (40), Büroangestellte aus München

Nach diesem verzweifelten Hilferuf überlegte das Team des Bürgeranwaltes gemeinsam, was wir unternehmen können. Die städtischen Behörden hatten bereits abgelehnt. Also schalteten wir Oswald Utz ein. Er ist der Behindertenbeauftragte der Stadt München und kümmert sich um die Belange von Behinderten. Utz erklärte sich spontan bereit, die Situation vor Ort zu begutachten. Als wir mit dem Behindertenbeauftragten vor dem Haus von Frau Senge standen, schüttelte Oswald Utz nur den Kopf. Der Behindertenbeauftragte konnte nicht einsehen, warum jemand, der wie die Familie Senge, die alle Voraussetzungen für einen eigenen Behindertenparkplatz erfüllt, keinen bekommt. Als wir mit Utz vor Ort waren, stand vor praktisch jedem Haus ein Auto, immer halb auf dem Gehweg und halb auf der Fahrbahn. Trotzdem blieb genug Platz, um die Fahrbahn zu benutzen. Nun wird die Familie Senge einen neue Chance bekommen. Der Behindertenbeauftragte nimmt sich der Sache an und wird die Mühlen der Verwaltung erneut in Gang setzen. Ob er damit Erfolg hat, ist eine andere Frage, aber Frau Senge ist glücklich: „Wir bedanken uns ganz herzlich beim Bürgeranwalt, dass er den Behindertenbeauftragten eingeschaltet hat. Damit können wir jetzt neue Hoffnung schöpfen.“

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