Landgericht verurteilt Imre F. (41)

Mord an Adoptivmutter: Er muss lebenslang in Haft

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Imre F. (44) nahm sein Urteil am Freitag regungslos entgegen.

München - Schuldig – des Mordes! Es ist Punkt 12.01 Uhr, als das bisherige Leben von Imre F. (44) endet. Am Freitag verurteilte das Landgericht den Chemiker, weil er seine Adoptivmutter in Großhadern heimtückisch getötet hatte.

Spielschulden trieben ihn in eine Lebenskrise. Dennoch gilt er laut Richter Michael Höhne als „voll schuldfähig“. Er muss lebenslang ins Gefängnis.

Mit ausdruckslosem Gesicht nimmt Imre F. die Worte des Richters auf. Keine Geste zeigt seine Gefühle, er wirkt innerlich entrückt und bewegt sich nicht einen Zentimeter auf der Anklagebank. In seiner Urteilsbegründung schildert der Richter den heimtückischen Mord als „befremdlich exakt“. Imre F. sei mit „chirurgischer Präzision“ vorgegangen. Wortlos und ohne Vorwarnung hatte der frühere Kampfsportler Iren C. (76) am 13. März 2014 von hinten den Arm um den Hals gelegt und würgte sie bis zur Ohnmacht. Sechs Mal wickelte er ihr einen Ledergürtel um den Hals und versuchte auch, sie mit einem Rundholz zu töten. Das gelang aber letztlich erst mit einer Plastiktüte, mit der er die Seniorin erstickte. 15 Minuten lang dauerte das Tötungsgeschehen. Danach zog Imre F. seiner toten Mutter noch zwei Ringe vom rechten Ringfinger und klaute ihr 120 Euro Bargeld. Mit einem Küchentuch wischte er das Blut vom Boden auf, ließ die Jalousien herunter, hob 5500 Euro Bargeld ab und verabschiedete sich per E-Mail von Geschäftspartnern mit den Worten: „Ich werde bald verhaftet und muss für lange Zeit ins Gefängnis.“

Laut Richter Höhne sah Imre F. seine Lage als aussichtslos. In zehn Jahren hatte er 346 000 Euro verspielt, durch Steuerbescheide waren aktuell 55 000 Euro fällig, die er auch die Vorschüsse von seinem Chef nicht begleichen konnte. Es drohte die Zwangsvollstreckung durch das Finanzamt. Das habe er seiner Mutter aus Angst und Scham aber nicht zumuten wollen. Sie war die einzige Konstante in seinem Leben, dennoch brachte Imre F. sie um. Dass es sich bei dem Mord um einen erweiterten Suizid gehandelt hätte, wertete der Richter als „reine Schutzbehauptung, um das Unerklärliche erklärbar zu machen“.

Höhne sah Imre F. als Menschen mit extremen Gegensätzen an, dessen Leben durch die dominante Mutter stark eingeschränkt war. Als er Iren C. ermordete, nahm er ihr das Leben – und sich die Freiheit. Um 12.41 Uhr klickten bei Imre F. die Handschellen. Nach 40 Minuten Urteilsbegründung stand fest: Der Muttermörder geht für immer hinter Gitter.

Andreas Thieme

Leiche in Großhadern gefunden

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