Drama in Großhadern

Spielschulden! Da erstickte er seine Mutter

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In U-Haft: der Chemiker Imre F. (43).

München - Es klingt unglaublich, aber es passierte trotzdem: Um der Mutter die Schmach des totalen finanziellen Ruins zu ersparen, setzte der spielsüchtige Chemiker Imre F. (43) am Freitag einen furchterregenden Mordplan um.

Am Ende war die Spielsucht immer stärker gewesen. Stärker als sein Wille, endlich mit diesem Irrsinn aufzuhören. Stärker als die Angst vor dem Verlust seiner glanzvollen Karriere und dem sozialen Absturz. Stärker sogar als die Liebe zu seiner Mutter, dem wichtigsten Menschen in seinem Leben.

Und so nahm am Freitag um 14.30 Uhr im ersten Stock eines eleganten Mehrfamilienhauses in der Tannenwaldstraße in Großhadern eine Tragödie ihren Lauf, die auch die erfahrenen Ermittler der Mordkommission betroffen macht. Um der Mutter die Schmach des totalen finanziellen Ruins zu ersparen, setzte der spielsüchtige Chemiker Imre F. (43) am Freitag einen furchterregenden Mordplan um.

"Ich habe an Selbstmord gedacht. Doch dann hätte meine Mutter leiden müssen"

Als Iren C. (76) ihm in der Küche ahnungslos den Rücken zudrehte, legte der kräftige Sohn ihr von hinten die Hände um den Hals – und drückte fest zu. Es folgte eine minutenlanger Todeskampf, bei dem Imre F. der um ihr Leben kämpfenden Mutter einen Gürtel um den Hals schlang und ihr zuletzt eine Plastiktüte über den Kopf zog, bis sie leblos zu Boden sank. Er nahm ihr noch die Ringe von den Fingern und verließ mit ihrer Schmuckschatulle und dem letzten Geld fluchtartig das Haus. Bei der Mordkommission machte der hochbegabte Patentgutachter noch am gleichen Abend reinen Tisch, gestand unter Tränen: „Ich wusste nicht, dass es so schwer ist, einen Menschen zu töten.“

Richard Thiess, Vizechef der Mordkommission.

Nach Darstellung von Kriminaldirektor Frank Hellwig war Imre F. bereits seit Jahren spielsüchtig: „Er hatte zuletzt keinen Überblick mehr über seine Verluste.“ Viele Zehntausende, vielleicht sogar Hunderttausende Euro müssen es gewesen sein, die der überdurchschnittlich gut verdienende Gutachter in einer Patentanwaltskanzlei (siehe unten) in Online-Casinos beim Black Jack und Roulette verzockte. Er hatte bereits sämtliche Kreditkarten bis zum Anschlag belastet, einen Raten-Kredit aufgenommen und Schulden bei Bekannten und Angehörigen gemacht. All das hielt er von seiner Mutter fern, die ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hatte und sich nicht aufregen durfte. In den 70er-Jahren waren Mutter und Sohn aus Budapest nach München gekommen und Zeit ihres Lebens immer zusammengeblieben. Iren C. war von ihrem Sohn finanziell abhängig. Zuletzt drohte auch der Wohnungsverlust, weil Imre F. pleite war. Mit dem letzten Vorschuss vom Chef plante er am Donnerstag den finalen Casino-Deal – und verzockte wieder alles! „Ich habe an Selbstmord gedacht. Doch dann hätte meine Mutter leiden müssen“, sagte er. Nach dem Mord fuhr Imre F. zu seinem Chef, einem Patentanwalt: „Ich kündige. Ich habe etwas Schreckliches getan“, sagte er. Der Anwalt rief die Polizei. Jetzt sitzt Imre F. in U-Haft – wegen Mordes.

Imre F. bettelte um Vorschüsse

Bei seinen Kollegen galt der als Patent-Gutachter arbeitende Diplom-Chemiker Imre F., der vier Sprachen spricht und Auslandserfahrung hat, als kompetenter, wenngleich ein wenig eigenbrötlerischer und einsam wirkender Mann. 2009 hatte er in der Kanzlei angefangen, verdiente sehr gut. Dass er spielsüchtig und finanziell in Not war, war seinem Chef nicht entgangen.

Mehrfach hatte Imre F. in den letzten sechs Monaten um Vorschüsse gebeten, zuletzt im März bereits zwei Mal. „Ich habe eine Pechsträhne und Steuerschulden. Ich bin total verzweifelt“, hatte er bekannt. Er bekam seine Vorschüsse. Jedoch soll sich sein Chef bereits erkundigt haben, wie man sich bei den Online-Casinos sperren lassen kann. Da hatte Imre F. seine letzte Chance schon wieder verzockt.

Leiche in Großhadern gefunden

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Dorita Plange

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