Türkischer Geheimdienst spioniert offenbar SPD-Abgeordnete Müntefering aus

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Furchtbarer Verdacht gegen Hebamme

Mordversuche in Klinik? So kam man ihr auf die Spur

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Die Hebamme sitzt jetzt in U-Haft.

München - Fassungslosigkeit nicht nur in Großhadern: Eine Hebamme sitzt wegen des Verdachts auf vierfachen Mordversuch in U-Haft. Wie entdeckte man ihre Taten?

Sie sollte neues Leben schenken – tatsächlich wollte die Hebamme vom Klinikum Großhadern vier werdenden Müttern den Tod bringen. Das ist der grausame Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen Karolin F. (33, Name geändert). Sie soll den Frauen bewusst zu viel blutverdünnende Mittel per Infusion verabreicht haben! Zum Glück haben alle überlebt.

Die teuflischen Taten passierten zwischen April und Juni. Die Opfer: Frauen mit Risiko-Schwangerschaften und Kaiserschnitt-Geburten. Nach tz-Informationen wird das Mittel Heparin erst nach der Kaiserschnittgeburt gespritzt, um eine Thrombose zu verhindern. Karolin F. aber mischte es offenbar heimlich direkt in die Infusionsflaschen – noch dazu in hoher Dosis. Die Folge: Die Blutungen wurden so noch schlimmer! „Es bestand akute Lebensgefahr“, bestätigt die Klinik.

Die Ärzte konnten das Leben der Mütter im letzten Moment retten: Zwei Frauen brauchten Bluttransfusionen, zwei mussten erneut operiert werden, eine von ihnen sogar eine Nacht mit einem Tuch im Bauch verbringen, damit die Blutungen gestoppt werden konnten.

„Es gehört nach allem, was wir wissen zum medizinischen Standardwissen, dass ein derartiges Mittel bei Kaiserschnitt absolut nicht indiziert ist“, sagt Peter Preuß, Sprecher der Staatsanwaltschaft München I. Für ihn steht fest: Das war Heimtücke. Die Hebamme habe „bewusst die Arg- und Wehrlosigkeit der Opfer“ ausgenutzt. Auf die Spur kam man Karolin F., weil sie die Einzige war, die bei allen vier kritischen Geburten im Kreißsaal dabei war. Am 10. Juli erstatte die Klinik Anzeige, am 18. Juli wurde die Hebamme in der Klinik verhaftet.

Die 33-Jährige arbeitete zuvor in Kiel und in der Nähe von Frankfurt am Main, ehe sie 2012 in Großhadern festangestellt wurde. Laut der Leitenden Hebamme Heike Wolff galt Karolin F. als fachlich sehr qualifiziert. Selbst nach ihrem Ausfall wegen einer „orthopädischen Krankheit“ zwischen August 2013 und März dieses Jahres sei sie sehr motiviert und engagiert gewesen.

Völlig rätselhaft ist bislang das Motiv für diese teuflischen Taten. Die Ermittler wollen jetzt auch F.’s frühere Arbeitgeber kontaktieren – denn gerüchteweise soll es auch da Vorfälle gegeben haben, meinte der Direktor der Frauenklinik, Klaus Friese. Oder trieb sie etwa die Verzweiflung über die eigene Kinderlosigkeit an?

Karolin F. selbst will sich nicht äußern. Als sie verhaftet wurde, habe sie „sehr gelassen“ reagiert, erklärte Mordkommissionschef Markus Kraus. In der U-Haft behauptete sie zuerst, dass das alles nicht stimme. Und nach Absprache mit ihrer Anwältin schweigt sie jetzt eisern.

JAM, MW

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