„Wir mussten lange warten“

Münchnerin Lotte bekommt endlich ihre Impfung: Doch „Schlangestehen“ muss man selbst mit 105

Oma Lotte hat ihre erste Impfdosis erhalten – Tochter Kristina begleitete sie.
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Oma Lotte hat ihre erste Impfdosis erhalten – Tochter Kristina begleitete sie.

Zu ihrem 105. Geburtstag hatte „Oma Lotte“ einen Wunsch: Endlich gegen Corona geimpft zu werden. Die Senioren lebt bei ihren Kindern. Impf-Termin bisher Fehlanzeige. Nun gibt es eine echte Überraschung.

München - Es war zweifelsohne eine aufregende Woche für Charlotte Voigt. Am 14. Februar feierte „Oma Lotte“, wie sie von ihrer Familie liebevoll genannt wird, ihren 105. Geburtstag. Nur sechs Tage später erfüllt sich ein sehnlicher Wunsch: Endlich gegen Corona* geimpft zu werden!

Denn das war gar nicht so leicht. Mehrfach hatte Tochter Kristina versucht, für ihre Mutter einen Termin zu bekommen – ohne Erfolg. Das hatte sie auch der tz anlässlich ihres Geburtstages erzählt. Und plötzlich kommt Schwung in die Impf-Geschichte von Oma Lotte!

München: Mitarbeiter des Impfzentrums Riem wendet sich an die Redaktion

Ein Mitarbeiter des Impfzentrums Riem liest den Artikel und beschließt, der Seniorin zu helfen. Über unsere Redaktion bekommt er den Kontakt zu Tochter Kristina – und dann steht am vergangenen Mittwoch Oma Lottes Impf-Termin fest. „Das war wirklich ganz toll“, schwärmt Tochter Kristina. „Dass das so schnell geklappt hat, klasse! Am Samstag ist es dann so weit und Oma Lotte machte sich zusammen mit Tochter Kristina und deren Mann von Hadern aus auf den Weg zum Impfzentrum in Riem. „Eine halbe Weltreise“, sagt die 105-jährige im Nachhinein.

Angst vor der Impfung hatte Oma Lotte aber nicht. „Bekannte von ihr haben die Impfung bereits bekommen und hatten keinerlei Nebenwirkungen“, erzählt Tochter Kristina. „Das hat sie in jedem Fall beruhigt.“ Und so geht es am Samstag guten Mutes ins Impfzentrum. Nach der letzten Hürde „Schlangestehen“ („Wir mussten lange warten“) gibt es den ersehnten Pieks. Mit dem Impfstoff von Biontech im Arm geht es wieder zurück nach Hadern, wo die 105-Jährige mit Tochter Kristina und ihrem Mann in einem Mehrfamilienhaus lebt.

„Eine halbe Weltreise“ - Der Weg zum Impfzentrum Riem

Nebenwirkungen hat Oma Lotte bisher keine. Nur der Arm tut ein wenig weh, erzählte sie unserer Redaktion Sonntag am Telefon. „Aber sonst geht es mir gut.“ Die Fahrt zum Impfzentrum war schon fast wie ein kleiner Ausflug, meint Tochter Kristina. „Mama kommt derzeit ja leider kaum raus.“ Auch die zahlreichen Besuche, die Oma Lotte vor Corona bekommen hat, fallen weg. „Am Samstag ist meine Enkeltochter 26 Jahre alt geworden und wir konnten sie nicht sehen“, sagt Kristina Baer. „Das ist schon traurig, aber das werden wir nachholen.“

Wenn alles gut geht, steht in diesem Jahr auch noch eine große Feier in der Familie an: Oma Lottes Urenkelin Sarah will im September heiraten. Und da darf das Familienoberhaupt natürlich nicht fehlen. Am 13. März steht der zweite Impf-Termin an. „Wenn sie die auch bekommen hat, dann kann die ganze Familie aufatmen“, sagt Kristina Baer. Und dann wird auch gemeinsam angestoßen. Für Oma Lotte gibt es Eierlikör. „Den liebt sie besonders.“ *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

München: So bekommen Sie einen Impf-Termin in Riem

Wer in Riem geimpft werden will (aktuell kommen nur Über-80-Jährige dran), muss sich im Internet unter ­impfzentren.bayern registrieren. Wenn genug Impfstoff da ist, schaltet das Impfzentrum Termine frei – die Reihenfolge wird entsprechend der Prioritäten-Listen bestimmt.

Das Portal versendet dann Aufforderungen zur Terminvereinbarung. Wer über 80 ist und kein Internet hat, kann sich telefonisch unter 089/90 429 2222 (8 bis 18 Uhr) registrieren lassen. Die Aufforderung zur Terminvereinbarung kommt per Brief – erst dann kann man über das Impf-Telefon den Termin ausmachen.

Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen wieder an. Auch München liegt wieder nahe an kritischer Marke*. Auf unserer Ressort-Seite finden Sie noch weitere Geschichten aus München.

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