Anwohner sind sauer

Der verschwundene Spielplatz: Neuer Ärger an Skandal-Baustelle

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Kann das funktionieren? Anwohner- und Kindergartenkinder sollen sich hier künftig einen Spielplatz teilen.

Seit Monaten gerät die Baustelle zur Nachverdichtung und Aufstockung der Wohnhäuser am Stiftsbogen 152 – 166 immer wieder in die Schlagzeilen. Jetzt gibt es neuen Ärger. Es geht um einen verschwundenen Spielplatz.

Zwei tödliche Arbeitsunfälle, verzweifelte Bewohner wegen übermäßigem Lärm und Dreck, zuletzt ungesicherte Teile, die vom Dach gefallen sind. Jetzt eine neue Überraschung: Plötzlich ist der bestehende Spielplatz weggeräumt worden und die Anwohner wussten – mal wieder – zunächst von nichts.

Seit Monaten schildern die Leidtragenden der Skandal-Baustelle in den Sitzungen des Bezirksausschusses Hadern (BA) die für sie unerträglichen Zustände. Nun scheint die nächste Schlacht verloren. Obwohl sich die „Mietergemeinschaft Stiftsbogen“ von Beginn an für eine Umplanung des Kinderspielplatzes der neuen Kindertagesstätte, die quasi an die bestehende Wohnanlage angebaut wurde, eingesetzt hatte, wurden jetzt vom Bauherrn einfach Fakten geschaffen. Der bestehende Spielplatz wurdde weggeräumt, das Areal für den neuen Spielplatz ist eingezäunt, Bäume wurden gefällt. „Wir fühlen uns so verdammt hilflos“, sagt Birgit König von der Mietergemeinschaft. Und es ist nicht die Tatsache, dass die 75 Kindergarten- und 36 Krippenkinder der Kita „Wichtel Akademie“ einen Spielplatz bekommen werden. Was die Anwohner am Stiftsbogen so wütend macht, ist das „Wie“. So wirbt die künftige Kindertagesstätte mit „zwei großen Gärten mit knapp 900 qm Platz zum Spielen und Toben“. „Wir können aber immer noch nicht erkennen, wo die Anwohnerkinder spielen sollen“, fasst Birgit König die Sorgen der Mieter auf der letzten BA-Sitzung zusammen.

Behörde behauptet, alles sei regulär  

Ein Eindruck, der sich auch mit den Beobachtungen von Irmgard Hofmann (SPD) deckt: „Es gibt keinen Spielplatz für Anwohner.“ Und wenn man bei der Behörde nachfragt, würde gesagt, es sei alles regulär. Noch dazu liegt ein Abluftschacht der Tiefgarage offenbar genau im Bereich des künftigen Kindergartenspielplatzes und einer daneben. Eine Information, die ungläubiges Kopfschütteln hervorrief.

Nachdem der BA-Vorsitzende Johann Stadler (CSU) wegen persönlicher Betroffenheit (seine Ehefrau ist Mitgesellschafterin des Bauherrn, der F.M.S. Immobilienbeteiligungsgesellschaft mbH & Co. Grundbesitz KG) die Sitzungsleitung an seine Stellvertreter Anke Wittmann (parteifrei) und Franz Alscher (CSU) abgegeben hatte, versuchten diese, Klarheit in die Angelegenheit zu bringen – allerdings vergeblich. Alscher erklärte, er habe hinsichtlich des Spielplatzes mehrfach schriftlich angefragt. Wittmann vermutete, dass Anwohner- und Kindergartenkinder künftig gemeinsam auf einem Areal spielen sollten.

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Und so ist es offensichtlich auch geplant, wie unsere Zeitung nach Recherchen herausgefunden hat. Der „vorgesehene Spielplatz wird im Nordosten des Baugrundstückes mit etwa 630 Quadratmetern nachgewiesen“, erläutert Ingo Trömer, Pressesprecher vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung. „Er darf dann von allen dort wohnenden Kindern sowie den Kindern der Kindertageseinrichtung benutzt werden.“

Wie genau die Regeln für solch eine gemeinsame Nutzung aussehen, das können sich derzeit allerdings weder die Anwohner noch die Mehrheit der Stadtteilpolitiker vorstellen. Und die Zeit drängt. Schon im Mai will die „Wichtel Akademie“ am Stiftsbogen ihren Betrieb aufnehmen.

MARGOT DENY

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