Kran mit Ladung rammt Dach

Erneut schwerer Unfall auf der Horror-Baustelle am Stiftsbogen

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Nach dem Kranunfall sicherten Feuerwehr und Polizei das Umfeld am Stiftsbogen.

Zwei Unfalltote, vom Dach stürzende Teile, ganz zu schweigen von Lärm und Dreck: Die Baustelle am Stiftsbogen 152 - 166 ging bereits mehrfach durch die Medien. Und die Katastrophenserie reißt nicht ab.

München - Am Samstag vor einer Woche krachte die Ladung eines Baukrans in das Dach der neu errichteten Aufstockung des Gebäudes. Nicht nur, dass das Dach vor dem Einzug der ersten Bewohner bereits sanierungsbedürftig ist – durch den Aufprall stürzten auch Metallteile des Gerüsts und ein Holzklotz ab.

Den in den unteren Stockwerken lebenden Bewohnern saß der Schreck noch in den Knochen, als sie auf der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses den neuerlichen Vorfall schilderten. Und auch die Haderner BA-Mitglieder waren fassungslos. „Was muss denn noch alles passieren?“, fasste Renate Unterberg (Grünen) die Gefühlslage zusammen. Birgit Hainz (CSU) rief nach Konsequenzen seitens der Lokalbaukommission (LBK). „War denn jemand von der LBK da?“, fragte sie die Anwohner. Diese zuckten mit den Schultern.

„Wir fordern aufs Schärfste, dass etwas passiert“

Informiert wurde in jedem Fall die Polizei, was die zuständige Inspektion 41 gegenüber unserer Zeitung bestätigte. Vor Ort habe man die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen mit der zuständigen Baufirma geklärt. Die von der Polizei alarmierte Feuerwehr sicherte die Unfallstelle ab und sperrte die Straße, da nicht sicher war, ob sich weitere Teile lösen würden. Vorsorglich wurden Krankenwagen zur Unfallstelle geschickt, da zunächst nicht sicher war, ob es nicht auch Verletzte gab. Aber alle Anwohner wie Bauarbeiter hatten Schutzengel gehabt. Obwohl zur Unglückszeit gegen 9 Uhr viele Leute unterwegs waren, kam niemand zu Schaden. Dennoch gibt es keinen Anlass, den Vorfall kleinzureden, so die Meinung im BA. „Wir fordern aufs Schärfste, dass etwas passiert“, echauffierte sich Lydia Ulke-Foag (FDP).

Mehr zum Thema: Großbaustelle direkt vor der Nase: Anwohner in Angst

Die Lokalbaukommission war am Unglückstag nicht vor Ort. Als Bauaufsichtsbehörde, im Wesentlichen zuständig bei baurechtlichen Verstößen (zum Beispiel gegen Baugenehmigungen), greift sie auch ein, um drohenden Schaden zu verhindern. Allerdings habe die LBK die Baustelle im Blick. Laut Pressesprecher Ingo Trömer habe man in vorliegendem Fall „bereits mehrfach telefonisch und schriftlich Mängelbeseitigung gefordert“, etwa „weil Baumschutzbereiche nicht frei waren oder eine Böschung zu steil war und ein möglicher Einsturz der Baugrube befürchtet worden war“.

„Wir wollen ganz einfach eine reibungslose Baustelle“

Bei der Mehrheit der BA-Mitglieder ist die Geduld jedenfalls zu Ende. Es wurden sogar Rufe nach einem Baustopp laut, sollte sich an der Gefahrenlage auf der Baustelle nichts ändern. Anwohnersprecherin Birgit König ist da bescheidener: „Wir wollen ganz einfach eine reibungslose Baustelle.“

Im Juli hatte die Baustelle zuletzt Staub aufgewirbelt. BA-Chef Johann Stadler (CSU) hatte an Abstimmungen des Gremiums teilgenommen, obwohl er befangen war. Denn: Stadlers Frau Marianne ist zu einem Viertel Teilhaberin der F.M.S. Immobilienbeteiligungsgesellschaft mbH & Co. Grundbesitz KG – der Bauherrin – und sein Bruder Christian der verantwortliche Architekt der Baustelle am Stiftsbogen. Dieses Mal gab er während der Diskussion die Sitzungsleitung ab. Das Unternehmen reagierte auf Anfrage unserer Zeitung für eine Stellungnahme nicht.

Margot Deny

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