Palliativzentrum wird ausgebaut

Ein neues Zuhause für schwerkranke Kinder

So soll das Kinderpalliativzentrum an der Uniklinik Groß­hadern einmal aussehen.

München - Ein lang ersehntes Zuhause für schwerkranke Kinder wird jetzt gebaut: Am Montag erfolgte der symbolische Spatenstich fürs Kinderpalliativzentrum am Uniklinikum Großhadern.

Tapfere Nora! Es war ihr 179. Tag auf der Intensivstation – entkräftet vom Kampf gegen den Krebs. Sie bekam kaum Luft, das Sprechen fiel ihr schwer. „Werde ich nie mehr die Sonne sehen?“, fragte das elfjährige Mädchen seine Ärztin. Kurz vor ihrem Tod hat sich Noras Wunsch doch noch erfüllt: Sie durfte nach Hause. Dort starb sie in den Armen ihrer Mama.

Spatenstich für ein Herzensprojekt: die Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle (li.), Melanie Huml (4. v. li.), Schirmherrin Karin Seehofer (2. v. li.), der Vorsitzende des Fördervereins Thomas Barth und Prof. Dr. Monika Führer.

Als Professor Dr. Monika Führer am Montag von dem Gespräch mit ihrer kleinen Patientin erzählte, stockte den Zuhörern der Atem. „Was Nora gebraucht hätte, wäre ein Zuhause auf Zeit gewesen“, sagte die Leiterin der Kinderpalliativmedizin im Dr. von Haunerschen Kinderspital. Und genau dieses lang ersehnte Zuhause wird jetzt gebaut: Am Montag erfolgte der symbolische Spatenstich fürs Kinderpalliativzentrum am Uniklinikum Großhadern.

Der Neubau soll für bis zu acht unheilbar kranke Kinder und ihre Familien zu einem Ort der Geborgenheit werden. Die kleinen Patienten werden in geräumigen Zimmern beherbergt – groß genug, damit ihre Eltern rund um die Uhr bei ihnen bleiben können. Gleichzeitig gibt es alle Möglichkeiten einer Intensivstation. Bis Ende 2015 soll das neue Zentrum fertig sein.

Bemerkenswert: Ein eigens gegründeter Förderverein sammelte binnen kurzer Zeit 5,5 Millionen Euro an Spenden ein, kann nun den Löwenanteil des gut neun Millionen Euro teuren Bauvorhabens finanzieren. So entsteht in München das erste Kinderpalliativzentrum an einer Uniklinik und das erst zweite in Deutschland überhaupt. Wie sehr die Einrichtung gebraucht wird, belegen traurige Zahlen: „In Bayern leiden 2700 Kinder an einer unheilbaren Erkrankung – und 600 sterben jedes Jahr“, erläuterten die Staatsminister Melanie Huml (Gesundheit) und Dr. Ludwig Spaenle (Wissenschaft).

„Wenn man wie ich drei gesunde Kinder hat, ist das keine Selbstverständlichkeit“, betonte die engagierte Schirmherrin Karin Seehofer – und bat um Unterstützung weiterer Spender.

In ihrem Zuhause auf Zeit können die schwerkranken Patienten übrigens samt ihrer Betten problemlos auf die Balkone gefahren werden. „Damit die Kinder die Sonne sehen können“, erklärte Prof. Führer. Und vielleicht schaut dann auch Nora vom Himmel aus zu.

Andreas Beez

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