Mit Tempo 55 in der 30er-Zone

Rowdy rast Rentner tot

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Foto links: Keine Bewährung: Andrea R. vor dem Justizgebäude. Foto rechts: Beide wurden bei dem Unglück getötet: Martin Reichelt mit seiner Boxer-Hündin Eve

München - Der Rentner hatte keine Chance: Martin Reichelt starb, weil ein 23-Jähriger mit Tempo 55 durch die 30er-Zone gerast ist. Nun musste sich der Todesfahrer vor Gericht verantworten.

Martin Reichelt hat keine Chance gehabt. Der 80-Jährige wollte am 16. Februar mit seiner Boxer-Hündin Eve die Sauerbruchstraße (Großhadern) im Tempo-30-Bereich überqueren. Doch an diesem Abend raste ein Fiat 500 Abarth (über 130 PS) von Fürstenried kommend um die Kurve. Fahrer Andrea R. (23) blinkte noch mit der Lichthupe, bremste aber zu spät oder gar nicht. Mit mindestens 55 km/h erfasste der rasende Kleinwagen Herr und Hund – so sagt es ein Gutachter. Der Rentner und das Tier starben. Eine Amtsrichterin verurteilte den Todesfahrer am Dienstag zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten.

Schwer atmend hörte sich der 23-jährige Angeklagte das Gutachten des Gerichtsmediziners Prof. Wolfgang Keil an. Der Schädel des Opfers, das über das Auto geschleudert wurde, war zertrümmert. Rippen, Wirbelsäule, Becken, das rechte Bein: unzählige Brüche! Reichelt erlag im Klinikum seinen Verletzungen.

Seine Boxerhündin lief noch jaulend herum, ehe das Tier auf dem Grünstreifen starb.

Der Unfall-Sachverständige Peter Stolle errechnete die Aufprall-Geschwindigkeit: mindestens 55 km/h, noch wahrscheinlicher 63 km/h! Bei diesem Tempo hätte der Fiat-Fahrer mindestens drei Sekunden Zeit gehabt, um abzubremsen. Bei Tempo 30 hätte der Fußgänger problemlos die Straße überqueren können.

„Ich habe niemanden gesehen“, beteuerte der Angeklagte. Versuche seiner Anwältin, das Gutachten infrage zu stellen, scheitere an der Aussage der Zeugin Viktoria M. (33), die das Geschehen im Rückspiegel beobachtet hatte. Staatsanwalt Andreas Zeug forderte für den siebenfach vorbestraften Angeklagten ein Jahr und zehn Monate Haft ohne Bewährung: „Er fuhr mit der Lichthupe auf sein Opfer zu, anstatt zu bremsen. Das habe ich noch nie erlebt!“ Die Richterin ging nur zwei Monate darunter.

„Ich habe Herrn Reichelt gekannt“, erzählte der Angeklagte traurig. „Ich haben nämlich auch einen Boxer. Er versteht was von Hunden.“ Monika B. (58), die Tochter des Getöteten, bestätigt der tz: „Hundesport war sein Leben.“ Seit der frühere Bergbau-Ingenieur im Ruhestand war, habe er einen Hund gehabt: „Das hat ihn fit gehalten. Auch mit 80 war er noch sportlich.“

Eberhard Unfried

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