Frauenleiche aus der Grube

Acht Schritte zur Klärung des Todesrätsels

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In der Senkgrube lag die Tote unter dem Eis.

München - Die Polizei steht im Fall der der Toten aus der Kompostieranlage weiter vor einem Rätsel. Doch die Kriminologen sind noch nicht am Ende mit ihrem Latein - diese Schritte bleiben ihnen noch:

Niemand scheint sie zu vermissen. Die Hinweise fließen äußerst spärlich. Und bis jetzt ist noch nicht klar, ob die unbekannte Tote aus der Kompostieranlage einem Suizid, einem Unfall oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Auf der Suche nach der Identität der nur 1,60 Meter großen, höchstens 25 Jahre alten und zierlichen Frau mit den lange, dunkelblonden Haaren haben Polizei und Rechtsmedizin eine ganze Reihe von Möglichkeiten, dem Rätsel doch noch auf die Spur zu kommen – selbst wenn es Wochen, Monate und in manchen Fällen sogar Jahre dauern kann. Ein Einblick in die kriminalistische Palette der modernen Todes-Ermittlung:

  • Vermisstenfälle junger Frauen werden zur Zeit bayern- und bundesweit verglichen. Die Suche kann über Europol auch ins Ausland ausgeweitet werden.
  • Die Rechtsmedizin erstellt ein DNA-Muster der Toten, das in die zentrale Datenbank des Bundeskriminalamts eingegeben wird. Bei der Obduktion wurde festgestellt, dass die Frau ertrunken ist – ob in der Senkgrube oder woanders (z.B. in einem Schwimmbad, etc.) werden die Rechtsmediziner herausfinden. Ferner wird der Mageninhalt analysiert, sowie Verwesungsgrad und mutmaßlicher Todeszeitpunkt zumindest eingegrenzt. Das chemisch-toxikologische Gutachten über eventuelle Rückstände von Drogen, Alkohol oder Medikamenten und Erkrankungen ist in etwa zwei Wochen fertig.
  • Bei nur sieben Hinweisen macht die Bildung einer Sonderkommission derzeit keinen Sinn.
  • Die Tote trug Markenkleidung (Mustang-Jeans, Mey-Unterwäsche, Tchibo-Bustier, Paul-Green-Stiefeletten, Khaki-Hemd von Ludwig Beck). Möglicherweise wird die Mordkommission Vergleichskleidung besorgen für die Öffentlichkeitsfahndung.
  • Das Gelände um die Kompostieranlage wurde abgesucht. Routinemäßig wird im Fundamt angefragt, ob in den vergangenen Wochen zum Fall passende Gegenstände (Handtasche, Papiere, Schmuck etc.) abgegeben wurden. Die Sicherung der Videoaufzeichnung im Linienbus 56, der nahe der Kompostieranlage hält, macht in diesem Fall keinen Sinn. Die Filmdateien werden nach 48 Stunden gelöscht.
  • Alle Mitarbeiter der Kompostieranlage werden befragt, evtl. auch die Anwohner der nahen Siedlung.
  • Wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann eine Isotopenanalyse der Knochen und Zähne Aufschluss über die geographische Herkunft der Toten und ihre Ernährungsgewohnheiten und den Aufenthaltsort der vergangenen Wochen geben.
  • Im Institut für Humangenetik und Anthropologie der Universität Freiburg können erfahrene Biologen die entstellten Gesichter von Toten rekonstruieren.

Dorita Plange

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