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Ex-Kollegin spricht in der tz

Verhaftete Hebamme: Die dunklen Seiten ihrer Seele

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Links: Karolin F. (33) sitzt seit einer Woche in U-Haft. Rechts: Das Klinikum Großhadern.

München - Das Klinikum Großhadern und die Kripo rätseln weiter über das Motiv der Hebamme, die vier Müttern das blutverdünnende Mittel Heparin in die Infusionen gemischt haben soll. In der tz spricht nun eine ehemalige Kollegin der Verdächtigen.

Mordversuch bei vier Geburten, Verhaftung im Kreißsaal, blankes Entsetzen in Großhadern! Während Hebamme Karolin F. (33, Namen geändert) in ihrer Zelle eisern schweigt, rätseln Ärzte und Ermittler über das Motiv.

Auch eine Ex-Kollegin, die mit F. vor rund acht Jahren in Kiel zusammengearbeitet hat, kann sich die Ausraster nicht erklären: „Sie hat nicht die Power, um Böses zu tun. Karolin ist eine zurückhaltende Person. Aber ihren Job hat sie damals immer sehr gewissenhaft gemacht“, sagt Annette K. (31) zur tz.

Vorsatz? Das kann sich eine Ex-Kollegin nur schwer vorstellen

Die Staatsanwaltschaft wirft der Hebamme vor, vier Müttern mit Risikoschwangerschaften und Kaiserschnittgeburten das blutverdünnende Mittel Heparin in die Infusionen gemischt zu haben. Die Blutungen wurden so noch schlimmer – bei allen vier Frauen bestand akute Lebensgefahr.

„Dass sie mutwillig anderen irgendetwas antut, kann ich mir schwer vorstellen. Wenn dann nur aus Unachtsamkeit oder Unsicherheit“, meint Annette K. Im Kollegenkreis sei Karolin F. zwar beliebt, aber nicht sonderlich integriert gewesen.

"Seit dieser Zeit muss in ihr etwas passiert sein"

Warum sie im Jahr 2006 plötzlich die Uniklinik in Kiel verlassen hatte, ist bis heute unklar. Gerüchteweise soll es bereits da zu Vorfällen gekommen sein. Als sie von ihren Chefs im Klinikum Großhadern darauf angesprochen wurde, konnte sie die Zweifel angeblich aber ausräumen.

Auf der Entbindungsstation sind vier Mütter fast verblutet.

Nach mehreren Jahren im Wetteraukreis (Hessen) bekam Karolin F. im Jahr 2012 eine Festanstellung in München. „Seit dieser Zeit muss in ihr etwas passiert sein“, mutmaßt die Ex-Kollegin. War es ihre eigene Kinderlosigkeit, die sie in die Verzweiflung trieb? Möglicherweise hat auch die Auszeit zwischen August 2013 und März dieses Jahres damit zu tun. Offiziell konnte sie wegen Problemen mit der Bandscheibe nicht in die Arbeit gehen.

Karolin F. schweigt zu all den Vorwürfen. Dennoch ordnet die Staatsanwaltschaft wohl in den nächsten Tagen an, sie psychiatrisch begutachten zu lassen. Peter Preuß, Sprecher der Behörde: „Die Ermittlungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen.“

Sebastian Arbinger

Prof. Friese: "Das ist für mich ein Schlag"

Helfen ist sein Beruf. Umso schockierter ist Prof. Klaus Friese, Direktor der Frauenkliniken Maistraße und Großhadern, über den schrecklichen Verdacht gegen Karolin F. – das Interview:

Herr Prof. Friese, wie geht es den Müttern?

Prof. Dr. Klaus Friese, Chef der LMU-Frauenklinik.

Friese: Wieder gut – zumindest organisch. Wir haben alle vier Frauen sofort zu mir nach Großhadern einbestellt. Wir haben ihnen sagen können: Ihre Kinder waren nie gefährdet, weil dieses Medikament nicht auf das Kind übergeht. Die Eltern waren verständnisvoll. Es war eine eigenartige Situation: Die haben sich bedankt, dass es ihnen so gut geht.

Haben sie auch alles verarbeitet?

Friese: Das Organische ist das eine, das andere ist, was ein Mensch mit sich herumträgt. Hinterher überlegt man sich: Was hätte alles passieren können? Was wäre, wenn das nicht in einem Hightech-Krankenhaus wie Großhadern passiert wäre?

Kennen Sie die verdächtige Hebamme? Gibt es einen Hinweis auf ein mögliches Motiv?

Friese: Ich habe sie im Kreißsaal gesehen. Aber ich kannte sie nicht näher. Ich verstehe das nicht. Es bedrückt mich auch sehr, weil Hebammen etwas Besonderes für Frauen sind. Deswegen ist das für mich ein Schlag.

Wie ist die Stimmung in der Station?

Friese: Das zerstört etwas. Wir sind nur im Team stark. Deswegen ist die Enttäuschung groß – und die Enttäuschung ist noch viel größer bei den Hebammen. Die hatten natürlich eine Supervision und haben gemeinsam darüber gesprochen. Sie sind in ihrem Selbstverständnis tief getroffen.

Haben sich bei Ihnen mehr Mütter gemeldet?

Friese: Bis zum Mittag haben 10 bis 12 nachgefragt. Wir konnten sie beruhigen, weil die Hebamme bei ihnen nicht im Einsatz war.

Hätte die Klinik die Geburten anders organisieren können, um das Risiko zu minimieren?

Friese: Das können Sie nicht anders organisieren. Wir schließen Betäubungsmittel weg. Aber wir können wir nicht jedes Medikament unter Verschluss bringen. Was wir gemacht haben ist, dass künftig der Anästhesist selbst die Medikamente zubereiten muss. Aber es bleibt ein Team. Das Problem ist: Solche Menschen gibt es leider immer wieder – zum Glück nicht so häufig. Aber in einer Situation wie bei uns, ist das etwas, das einen entsetzt.

Interview: D. Costanzo

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