Stadtteil-Serie

Viertelbewohner erzählen: So verwandelt sich Hadern

Wie sich München wandelt, welche Traditionen Bestand haben und welche Großprojekte anstehen - das erzählen uns Viertelbewohner in unserer großen Stadtteil-Serie.

München - München ist ein großes Dorf. Wirklich, stimmt das noch? Wo’s in der Millionenstadt familiär und beschaulich zugeht und wo Althergebrachtes schon verloren gegangen ist, wissen die Menschen in den Vierteln am besten. Oft sind es die kleinen lokalen Initiativen, die darum kämpfen, dass München lebens- und liebenswert bleibt. Hier wird eine Grünfläche gerettet, dort ein Kulturprojekt realisiert – auch wenn die Stadtteilbewohner manchmal machtlos sind: Mammut-Projekte wie der Bau ganzer Quartiere verändern das Zusammenleben in der Stadt – zunehmende Verkehrsbelastung und steigende Mieten sind die Schattenseiten des München-Booms. Wie sich unsere Heimatstadt wandelt, wohin die Reise in den einzelnen Vierteln geht, wo Altes noch Wert und Bestand hat und wo Neues entsteht, das lesen Sie in dieser Woche in unserem großen Stadtteilcheck.

Hadern: 9,22 km², circa 50600 Einwohner

Neue Praxis ambulant

Jede Menge Grün sieht Karl-Walter Jauch, wenn er aus den Fenstern seines Büros im Klinikum Großhadern schaut. Seit 36 Jahren arbeitet er hier, sein Haus ist auch nur eine Viertelstunde Fußweg entfernt. Damals, im Jahr 1981, so erzählt er, war das Viertel zumindest optisch ein anderes: „Hier standen früher noch viele einfachere Nachkriegshäuser. Die wurden aber nach und nach abgerissen. Vor allem in den letzten Jahren wurden viele Mehrparteienhäuser mit Tiefgaragen gebaut. Die Menschen brauchen Wohnraum.“ Nicht verändert hat sich allerdings der Charakter des Viertels, von dem der ärztliche Direktor des Klinikums schwärmt. „Großhadern hat sich seinen alten Ortskern erhalten: die urigen Wirtschaften, den Platz mit Kirche und Schule und die vielen Vereine.“ Bemerkenswert findet Jauch aber vor allem eins: „Die Familien bleiben hier. Die Kinder werden zwar erwachsen, aber für sie ist Großhadern immer noch Heimat.“

Professor Karl-Walter Jauch arbeitet seit 36 Jahren im Klinikum und lebt auch in Großhadern.

Als besonders wichtig für die Entwicklung Großhaderns sieht Jauch die Anbindung an das U-Bahnnetz 1993. Und auch am Klinikum selber hat die Zeit innen und außen ihre Spuren hinterlassen: „Wir versorgen zwar immer noch ähnlich viele Patienten wie vor zehn Jahren, doch wir behandeln sie ganz anders. Wir machen inzwischen viel ambulant, was uns Raum für komplexe stationäre Behandlungen verschafft.“ Bestes Beispiel dafür: das 2014 eröffnete ambulante OP-Zentrum. Professor Jauch sieht die Zukunft optimistisch. Sowohl für Großhadern als auch für das Klinikum. Am Campus entstehen demnächst neue Klinikgebäude, der markante „Toaster“ soll später abgerissen werden. Der Plan sieht vor, die Gebäude sukzessive neu zu bauen, in Betrieb zu nehmen und dann die alten abzubrechen.

Der gesamte Prozess soll mindestens 20 Jahre dauern. 2022 soll die neue Universitätsklinik für Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin am Campus Großhadern fertiggestellt sein. Im Architektenwettbewerb wurden aus 23 Einreichungen die besten Entwürfe ausgewählt. Spatenstich ist 2018.

Rund 44000 OPs im Jahr

Das Klinikum Großhadern und das Klinikum Innenstadt fusionierten 1999 zum Klinikum der Universität München – der Campus Großhadern und der innerstädtische sind seitdem zwei Standorte des Universitätsklinikums der LMU. Seit 2006 ist das Klinikum der Universität München eine Anstalt des öffentlichen Rechts und insofern administrativ nicht mehr Teil der LMU.

Notarztwagen vor dem Klinikum Ende der 1970er.

Im Zusammenhang mit der Fusionierung wurden sukzessive Doppelstrukturen abgebaut und Standort übergreifende Prozesse etabliert. Patienten wie auch Mitarbeiter sind somit mitunter an den beiden Campus vertreten. 

Das Uni-Klinikum in Zahlen:

  • Bauzeit des Klinikums Großhadern: 1967 bis 1977
  • Erster stationärer Patient: 1974
  • Bettenanzahl: 2050 (Großhadern: 1216)
  • Anzahl der Patienten, die jährlich behandelt werden: rund 500 000
  • Mitarbeiter-Anzahl: rund 10 000
  • OPs 2016: 44 000
  • Geburtenzahlen 2016: 3740
  • Anzahl Zwillings- und Drillingsgeburten 2016: 182 und fünf

Dreifaches Babyglück

Für ihre drei Mädchen war Steffi Werkmeister (32) und Holger Mühle (45) kein Weg zu weit. Mindestens einmal die Woche hatte sich das Paar vor der Geburt der Drillinge von seinem Heimatort Dießen am Ammersee auf den Weg nach Großhadern in die Klinik gemacht. „Als wir erfahren haben, dass wir Drillinge erwarten, hat meine Frauenärztin empfohlen, dass ich in Großhadern entbinden soll. Klar war es vom Fahren her ein Umweg, aber uns war wichtig, in den besten Händen zu sein“, sagt Werkmeister.

Stolze Eltern: Steffi Werkmeister und Holger Mühle.

Die Ärzte holten Lara-Sophie, Sarah-Marie und Emily Jolie am Freitag, 13. Januar, durch Kaiserschnitt in der 28. Schwangerschaftswoche auf die Welt – zwölf Wochen zu früh! Sechs Wochen verbrachten die Frühchen mit ihrer Mama anschließend noch auf der Neonatologie-Station in Großhadern. Heute sind die Mädchen putzmunter und wohlauf. Ihre Eltern haben alle Hände voll zu tun und sind überglücklich. „Seit der Geburt ist für mich Freitag, der 13.ein echter Glückstag“, sagt Werkmeister.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Hadern – mein Viertel“.

Daniela Schmitt

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