"Sie hatten ein herzliches Verhältnis"

Sohn tötet eigene Mutter: Das sagen die Zeugen

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Bestatter bringen Iren C.s Leiche zum Wagen.

München - Nachdem er den grausamen Mord an seiner eigenen Mutter gestand, geben weitere Zeugen Einblicke in das Verhältnis Imre F.s zu der Toten – und wie er sich nach der Tat verhielt.

Sein Geständnis war der Beweis für die grausame Tat: Mit bloßen Händen hatte Chemiker Imre F. seine Mutter Iren C. bis zur Besinnungslosigkeit gewürgt und sie dann mit einer Plastiktüte erstickt. Im Mordprozess, der seit Montag läuft, räumte er alles ein.

Briefträgerin Susanne F. (alle Namen geändert) schaute täglich in Großhadern bei Iren C. vorbei. „Wir hatten viel Kontakt und mochten uns sehr“, sagt sie aus. „Sie war sehr einsam hatte mir auch über Probleme mit ihrem Sohn berichtet. Sie sagte, er sei schwierig. Über finanzielle Engpässe erzählte sie aber nichts.“ Am Tag nach der Tat will die Briefträgerin der Seniorin ein Päckchen zustellen – und weiß nicht, dass Iren C. längst tot ist. „Ich sah ihren Sohn vor dem Haus. Er hatte einen vollgepackten Rucksack auf und war sehr still. Ich dachte noch: So geht man doch nicht einkaufen. Zum ersten Mal überhaupt hatte ich gar nicht nach seiner Mutter gefragt.“

Eine Nachbarin hatte ebenfalls ein gutes Verhältnis zu dem Mordopfer. „Sie war sehr stolz auf ihren Sohn und erwähnte, wie viel er immer arbeitet“, erzählt sie am Mittwoch vor Gericht. „Ich denke, die Wohnung war zu klein für die beiden.“ Iren C. schlief auf einem Ausziehsofa. Sohn Imre auf einer Matratze, die er tagsüber aufstellte, damit mehr Platz in der Wohnung ist. „Er war ausgesprochen freundlich, aber auch schüchtern und lebte zurückgezogen.“

Nach der grausigen Tat verharrte Imre F. in gebückter Haltung und weinte viel, sagten Polizisten bereits am Dienstag aus. Angeblich hatte er Angst vor dem Gerichtsvollzieher. „Das wollte ich meiner Mutter ersparen“, gestand er einem Beamten, der beschrieb, wie der Täter regelrecht in sich zusammenfiel.

Denn zu seiner Mutter hatte er eigentlich ein herzliches Verhältnis. „Imre war alles für sie“, sagte auch ein Neffe der getöteten Seniorin aus. Spielschulden brannten dem vermögenden Chemiker aber auf der Seele – seine Sucht bekam er nie in den Griff. „Er hatte eine Rücklastschrift über 105.000 Euro und wollte einen Kredit“, berichtet eine Bankangestellte dem Richter. Aber Spielschulden refinanzieren? „Das machen wir nicht.“

Kurz darauf brachte Imre F. seine Mutter um. Für die Tat droht ihm lebenslange Haft.

Andreas Thieme

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