Ultra-charmanter Klatsch: Die tz-Kritik

Hairspray: Das ist die perfekte Wella

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Top-toupiert: Man beachte die Frisuren der Damen…

München - Dieses Musical sprüht vor guter Laune! Noch bis 22. Juli wabert dicker Haarspray-Nebel über Fröttmaning, denn erstmals ist im Deutschen Theater die Broadway-Erfolgsshow "Hairspray" zu sehen. Die tz-Kritik.

Die quietschbunt hochtoupierte Sixties-Sause ist so vergnüglich inszeniert und gespielt, dass als Fazit nur bleibt: Das ist die perfekte Wella!

Die Geschichte, die Trash-Regisseur John Waters 1988 fürs Kino erfand, ist schnell erzählt: Das geräumige Pummelchen Tracy Turnblad (hinreißend tapsig: Conny Braun) hat keine Lust auf die bieder-brave Connie-Francis-Welt des Jahres 1962. Sie will ins Fernsehen, zum Steinzeit-DSDS, und sie will mit Schwarzen tanzen. Huch! Zwischendurch landet sie im Gefängnis, quasi in Drei-Wetter-Haft – doch am Ende setzt sich der propere Dreißigkäsehoch durch. Tracy wird Miss Teenage Hairspray, Sprüherin des Jahres, gesponsert vom Superhaarspray Ultraklatsch. Botschaft, überaus charmant erzählt: Diskriminierung, egal wegen Gewicht oder Hautfarbe, ist blöd, bleibt blöd, egal ob 1962 oder 2012.

Die Truppe von Regisseur Andreas Gergen macht fürs Deutsche Theater ein großes Saurauslassen aus der Vorlage. Musicalstar Uwe Kröger spielt Tracys zunehmend aufblühende Mama mit viel Wucht und Gefühl fürs Tragikomische. Fernsehzicke Velma von Tussle (der Name sagt alles), im Film noch von Blondie-Göttin Deborah Harry verkörpert, wird von Betty Vermeulen bitterböser denn je auf die Bühne gebracht. Deborah Woodson gospelt, dass sich nebenan in der Allianz Arena die Rasenhalme biegen. Und Tanja Schumann, bei Samstag Nacht einst veritabler RTL-Star, ist sich nicht zu schade für einige skurrile Nebenrollen.

Liebevoll geschriebene deutsche Texte, launige und live gespielte „Hottentotten-Musik“, wie Zicke von Tussle gifteln würde – was will man mehr? Am Ende lange Ovationen, Ultraklatsch für eine tolle Show. Selbst wer kein eingefleischter Musicalfan ist, kommt hier zum Fazit: I Love Lock’n’Roll!

Jörg Heinrich

Sie haben die Haare föhn!

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