Seit über einem Jahr geschlossen

Halle dicht: Schwimmunterricht fällt aus

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Seit über einem Jahr ist die schwimmhalle geschlossen.

München - Die Schwimmhalle der Toni-Pfülf-Grund- und Mittelschule bleibt seit über einem Jahr geschlossen. Deshalb fällt der Schwimmunterricht gleich für mehrere Grundschulen und Kindergärten im Münchner Norden ins Wasser. Den Eltern reicht es.

Daniela Fürst ist sauer. Ihr Sohn geht in die vierte Klasse der Grundschule an der Feldmochinger Straße und sollte in diesem Schuljahr eigentlich Schwimmunterricht bekommen, so sieht es zumindest der Lehrplan des Bayerischen Kultusministeriums vor. „Anstatt Schwimmen zu lernen, stehen die Kinder aber bei Wind und Wetter auf der Straße und machen irgendwelches Alternativzeugs“ wie Rodeln oder Waldläufe, sagt sie.

Das Problem: Es steht keine Schwimmhalle zur Verfügung. Noch bis zum Schuljahr 2010/2011 wurde der Schwimmunterricht in der Schwimmhalle der Toni-Pfülf- Grund- und Mittelschule abgehalten. Mittlerweile ist das Dach aber einsturzgefährdet, deshalb bleiben die Türen seit über einem Jahr geschlossen. Adäquate Ausweichmöglichkeiten in der Umgebung: Fehlanzeige. Betroffen sind nicht nur Daniela Fürsts Sohn, seine Klassenkameraden und die Parallelklassen - allein schon 81 Schüler -, sondern auch die Schüler der Grundschule an der Lerchenauer Straße, der Montessori-Schule Lerchenau und die Schüler der Toni-Pfülf-Grund- und Mittelschule selbst.

„Eigentlich haben wir in diesem Jahr mit einer sanierten Halle gerechnet“, sagt Clemens Hauk, Rektor der Toni-Pfülf-Mittelschule und zuständig für Fragen, die sich um die Halle drehen. Doch zu Schuljahresbeginn gab es neue Nachrichten. Eine zeitnahe Sanierung werde es nicht geben, teilte die Stadt mit.

Der Elternbeirat der Grundschule an der Feldmochinger Straße, jener Schule, auf die auch Daniela Fürsts Kinder gehen, hat deshalb einen offenen Brief an Oberbürgermeister Christian Ude verfasst. Der Tenor freundlich, aber bestimmt: „Mit Bedauern haben wir erfahren, dass die Sanierung der Schulschwimmhalle zunächst auf Eis gelegt wurde, da hierfür kein Geld vorhanden sei“. Und weiter: „Wieso werden für die Schulen keine Gelder bewilligt?“ Wie eine Sprecherin des Bildungsreferats mitteilte, liege hier aber ein potenzieller „Fehler in der Kommunikation“ vor. Das Geld sei vorhanden, doch eine zeitnahe Teilsanierung, die rund 400 000 Euro kosten würde, sei „nicht zukunftsfähig“. Man habe sich deshalb für eine „solidere“ Vollsanierung entschieden und stecke aktuell in der Planungsphase. Kosten: rund 2 Millionen Euro. Baubeginn: allerfrühestens 2014.

Dass man sich noch mindestens zwei Jahre gedulden müsste, dafür hat Ulrike Böttiger, Vorsitzende des Elternbeirats der Grundschule an der Feldmochinger Straße, absolut kein Verständnis. Auch, weil der fehlende Unterricht „nur das i-Tüpfelchen“ sei. Manche Klassen würden aus Platzgründen in Containern unterrichtet, und seit Jahren warte man auf eine längst versprochene Erneuerung der ebenfalls sanierungsbedürftigen Turnhalle. „Irgendwann reicht es“, sagt sie.

Dass ihre Schwimmhalle nicht zeitnah saniert wird, darüber ist auch die Rektorin der Toni-Pfülf-Grundschule, Elisabeth Harnaus, nicht glücklich. Bei ihr sind es 93 Schüler, die keinen Schwimmunterricht bekommen. Dass die Eltern verärgert sind, das kann sie verstehen - auch, weil „bei uns noch hinzu kommt, dass wir im Drei-Seengebiet liegen, da muss man eigentlich schon Sorge tragen, dass die Kinder mit Wasser und Schwimmen vertraut sind“, sagt sie.

Worin das gipfeln kann, das weiß die dreifache Mutter Daniela Fürst: „Bei uns ist der fehlende Schwimmunterricht weniger dramatisch, weil meine Kinder sowieso schon Schwimmer sind“, sagt sie. Doch in der Nachbarschaft gebe es auch viele Kinder mit Migrationshintergrund, deren Eltern zum Teil gar nicht schwimmen könnten und auch kein Geld für einen Kurs übrig haben. „Da verlassen die Kinder die Grundschule dann als Nichtschwimmer“ - Lehrplan hin oder her.

Benjamin Krischke

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