„Es ist zwar Stoff gestrichen worden, aber zu wenig.“

Abschlussprüfungen in Corona-Zeiten: Das Ausnahme-Abi ‒ Kritik von Schülern und Lehrern

Am 12. Mai beginnen die Abiturprüfungen.
+
Am 12. Mai beginnen die Abiturprüfungen.

Der Bezirksschülersprecher aus München fordert Minister-Rücktritt: wie anders die Abi-Prüfungen in Bayern heuer in der Corona-Pandemie laufen...

  • Am 12. Mai starten die Abiturprüfungen
  • Schülersprecher sieht wegen fehlender Kontinuität des Unterrichts seinen Jahrgang benachteiligt
  • Der Münchner Lehrerverband kritisiert, dass die Pandemie die soziale Schieflage noch verstärkt habe.

Faire und vergleichbare Bedingungen verspricht das bayerische Kultusministerium allen Schülern, die ab kommender Woche Abitur schreiben. Doch noch bevor am Mittwoch, 12. Mai, die erste Note in Mathematik steht, gibt es laute Kritik an der kommenden Prüfungssituation.

Alexander Löher (18), Abiturient und Schüler der Q12 der Neuhof Schulen in Sendling, sagt, was viele Mitschüler denken: „Wir Schüler fühlen uns vom Kultusministerium nicht ausreichend informiert und unterstützt. Kurz: total im Stich gelassen.“

Der Bezirksschülersprecher: „Drei von vier Halbjahren waren wir in der Pandemie – zu viel an Inhalt, was nicht vermittelt werden konnte. Nicht immer hat das digitale Lernen funktioniert, es wurde und wird aber vorausgesetzt, dass alles bei allen gleich gut funktioniert. Dazu fehlt unserem Abschluss-Jahrgang die Kontinuität des Unterrichts.“ Sein Fazit: „Ich glaube, die Chancen auf gute Noten und einen Studienplatz stehen schlechter, weil ich im Pandemie-Jahrgang bin.“

Bezirksschülersprecher Alexander Löher kritisiert Kultusminister Michael Piazolo.

Abitur in Corona-Zeiten: „Es ist zwar Stoff gestrichen worden, aber zu wenig.“

Dabei hat das Ministerium für Unterricht und Kultus heuer einiges zur schulische Reifeprüfung verändert. Es „erlaubt auch die Zulassung zur Abi-Prüfung, wenn nicht alle Leistungen im Ausbildungsabschnitt erbracht wurden“, so ein Sprecher.

Zudem wurden „frühzeitig prüfungsrelevante und nicht-prüfungsrelevante Inhalte“ ausgewiesen und es gibt 30 Minuten Zeitzuschlag – bei Prüfungszeiten über drei Stunden. Löher nützt das kaum: „Die Lernstoff-Lücken durch Lockdown und Homeschooling sind so groß, dass ich nicht glaube, dass man sie als Schüler selbst schließen kann. Es ist zwar Stoff gestrichen worden, aber zu wenig.“

Auch der Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverband (MLLV) rechnet mit Schwierigkeiten beim Abitur 2021. „Die Lehrkräfte haben ihr möglichstes getan. Doch diese Bereitschaft musste auch an ihre Grenzen stoßen. So wurden uns am 23. April abends in einem kultusministeriellen Schreiben Änderungen im Ablauf der Prüfungen angeordnet“, sagt Roland Kirschner vom MLLV. Dazu kritisiert er, dass „die Pandemie die soziale Schieflage, in der unser Schulsystem steckt, noch verschärft.“

Abseits vom Lernstoff kommt ab Mittwoch eine weitere, organisatorische Hürde hinzu: Da niemand zum Covid-Test verpflichtet ist, muss jede Schule gewappnet sein. „Schüler, die sich nicht testen lassen wollen, sind nicht von der Prüfung ausgeschlossen, sie nehmen in gesonderten Räumen an der Prüfung teil.“ Löhers Resumee zu seinem Schulabschluss: „Jetzt das Abi schreiben zu müssen, fühlt sich unfair an. Herr Piazolo sollte seinen Posten überdenken.“

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare