Wegen Uneinigkeit über Mietpreis

Ärztenotstand am Westkreuz: Hausarzt schließt Praxis

Einen Hausarzt wird Ralf Pade im Paul-Ottmann-Zentrum am Westkreuz künftig vergeblich suchen.
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Einen Hausarzt wird Ralf Pade im Paul-Ottmann-Zentrum am Westkreuz künftig vergeblich suchen.

Hausarzt verlegt Praxis vom Paul-Ottmann-Zentrum am Westkreuz nach Laim und verschärft den Mangel an Medizinern im Münchner Westen. Bezirksausschuss schlägt Alarm

Westkreuz Am Westkreuz droht ein Ärztenotstand. Hausarzt Dr. Tobias Weber hat dort vor kurzem seine Praxis geschlossen und ist nach Laim gezogen. Für die Westkreuzer ist das eine Katastrophe: „Es gibt offenbar keine Alternativen, da die anderen Hausärzte im Bereich Neuaubing keine weiteren Patienten mehr annehmen“, sagt Anwohner Ralf Pade. Daher muss er künftig eine halbe Stunde mit dem Bus fahren, anstatt einfach ein paar Meter weit zu laufen. „Besonders die älteren Mitbürger können den weiten Weg nicht auf sich nehmen“, meint er.

Hausarzt verlässt Westkreuz nicht ganz freiwillig

Dr. Weber verlässt den Standort nach eigener Aussage nicht ganz freiwillig: „Es war nie mein Wille vom Westkreuz wegzugehen. Die Versorgung meiner Patienten war und ist mir wichtig“, sagt er auf Hallo-Nachfrage.

2015 hatte er die Praxis im Paul-Ottmann-Zentrum übernommen. Als der Gebäudekomplex abgerissen und neu gebaut werden sollte, stellte Bauherr SBI den dort ansässigen Ärzten, der Stadtsparkasse, einer Apotheke sowie einigen Läden für die Bauphase ein Nachbarhaus zur Verfügung. Auch Weber zog dort ein.

Bauherr verweist auf Angebot an alle Ärzte, ins Paul-Ottmann-Zentrum am Westkreuz zurückzukehren

Mit der SBI habe er vereinbart, nach Fertigstellung des Neubaus wieder ins Paul-Ottmann-Zentrum zu ziehen. Dafür sei ein Vertrag aufgesetzt worden, der den genauen Standort seiner Praxis und die Miete enthalten habe. „Mehrfach habe ich die Unterzeichnung angemahnt, bis ich erfahren habe, dass die für mich vorgesehenen Räumlichkeiten im Neubau anderweitig vergeben worden sind“, kritisiert Hausarzt Weber. Ihm seien andere Räume angeboten worden – allerdings zu einer deutlich höheren Miete. Das war für Weber keine Option.

Bauherr SBI teilt nur mit: „Vor dem Abbruch wurde allen Bestandsärzten angeboten, in das neue Haus mitzukommen. Es gab auch mit Dr. Weber Mietvertragsverhandlungen und wir sind uns nicht einig geworden.“ Statt der Hausarztpraxis wird am Westkreuz nun ein orthopädisches Zentrum entstehen.

Der örtliche Bezirksausschuss sieht diese Entwicklung mit Sorge. Der Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied habe schon vorher viel zu wenige Hausärzte gehabt. Das Problem ist, dass die Kassenärztliche Vereinigung die Stadt München als Ganze betrachtet und die ärztliche Versorgung dort insgesamt gut ist. Allerdings praktizieren überdurchschnittlich viele Ärzte im Zentrum. „Die Stadtränder sind unterversorgt und liegen brach“, ärgert sich Claudia Stadler (SPD). Auf ihre Initiative forderte der BA – nicht zum ersten Mal – das zu ändern.

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