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Fast 120000 Analphabeten in München ‒ Wo es Hilfe gibt und Infos zum Welt-Vorlesetag am Freitag

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Ein Lernender übt mit seiner ehrenamtlicheren Helferin beim Verein „Lesen und Schreiben“.
Am Freitag ist Welt-Vorlesetag. Auch in München sind viele Aktionen geplant. (Symbolbild) © Christoph Soeder, dpa

Etwa sechs Millionen Menschen können in Deutschland nicht richtig lesen und schreiben. Der Welt-Vorlesetag macht auch in München mit Aktionen darauf aufmerksam.

Um Kindern ein besseres Gefühl fürs Lesen zu geben, findet am Freitag, 18. November, der Welt-Vorlesetag statt – auch in München. Dazu veranstalten 75 Einrichtungen in der Stadt Aktionen, teilweise sogar mit prominenter Verstärkung (siehe Kasten).

Welche Folgen es hat, wenn die Lesekompetenz nicht ausreichend geschult wird, weiß Adrian Eppel vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung.

Adrian Eppel vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung.
Adrian Eppel vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung © privat

„Wird das Lesen im Elternhaus nicht gefördert, ist die Klassengröße zu groß, sodass Einzelhilfe schwierig ist, oder gibt es persönliche Aspekte wie Gehörprobleme oder eine nicht diagnostizierte Legasthenie, kann dies im Erwachsenenalter zu funktionalem Analphabetismus führen.“

Über sechs Millionen Menschen haben in Deutschland Schwierigkeiten beim Lesen

Einer Studie der Universität Hamburg zufolge leiden in Deutschland über sechs Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren an Analphabetismus. Heruntergebrochen bedeutet das: Allein in München können etwa 119.000 Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben.

„Es gibt verschiedene Formen, wobei der primäre Analphabetismus, bei dem die Menschen keinerlei Lese- und Schreibkenntnisse haben, in Deutschland fast gar nicht vorkommt“, erklärt Eppel, dessen Verband mit dem „ALFA-Telefon“ auch ein Beratungsangebot organisiert.

Was steckt hinter Analphabetismus?

Die hierzulande geläufigere Form ist der funktionale Analphabetismus. Dieser wird in drei Stufen unterteilt: Während einige Betroffene nur ein paar Buchstaben erkennen, können andere einzelne Sätze lesen und schreiben, scheitern aber an zusammenhängenden Texten.

Für alle Stufen gibt es in der Landeshauptstadt Hilfsangebote – zum Beispiel bei der Münchner Volkshochschule (MVHS). Diese bietet seit 2008 sowohl offene Lernwerkstätten als auch spezielle Alphabetisierungs-Kurse an.

„Die Nachfrage ist besonders nach Corona wieder angestiegen“, sagt Christiane Sarrazin, Ansprechpartnerin für Alphabetisierung bei der MVHS. 2020 sei die Zahl der Besuche um 50 Prozent zurückgegangen. „Jetzt sind wir aber wieder auf der ursprünglichen Höhe von circa 70 Kursen im Jahr.“

VHS München: Diese Kurse können besucht werden

Aktuell gibt es 16 sogenannte Alpha-Kurse, die im Schnitt acht Lernende besuchen. Dazu kommen neun Lernwerkstätten, bei denen circa 15 Personen zweimal wöchentlich das Lesen und Schreiben üben.

„Diese Lernwerkstätten – unter anderem am Hauptbahnhof, im Hasenbergl, in Neuaubing und auf der Schwanthalerhöhe – können ohne Anmeldung und kostenfrei besucht werden“, erklärt Sarrazin. In der zentralen Einrichtung an der Landwehrstraße 32a könne man sich auch beraten lassen, welches Angebot am besten zu einem passt.

Wer sich für einen Kurs bei der MVHS entscheidet, lerne ohne Druck und in seinem eigenen Tempo. „In Stufe 1 entdeckt man Buchstabe für Buchstabe und fügt diese zu Wörtern und kurzen Sätze zusammen“, erklärt Sarrazin.

Beim Lehrgang für Geübte will man das Textverständnis verbessern und den Teilnehmenden langsam die Grundregeln der Grammatik beibringen. „Alle Angebote sind fortlaufend konzipiert, das heißt ein Einstieg ist jederzeit möglich.“

Lese- und Schreibkurse sind kostenlos

Zudem sollen die Kurse und Werkstätten möglichst niederschwellig sein. Darum sind diese für die Teilnehmenden auch kostenlos. Finanziert werden die Angebote stattdessen von der MVHS, den Bildungslokalen in den Vierteln und dem Förderprogramm des Freistaats Bayern „Alpha+“.

Lese-Events in München

Seit 18 Jahren werden in ganz Deutschland Aktionen zum Vorlesetag organisiert. In München gibt es heuer am Freitag, 18. November, 15 öffentliche Veranstaltungen – beispielsweise bei den Stadtbibliotheken, in der Münchner Google-Zentrale oder der Volkssternwarte.

Für deren Angebote kann man sich jeweils online anmelden. Aber auch Münchner Schulen und Kindergärten haben an diesem Tag intern Aktionen geplant. Teilweise lesen dort auch Prominente wie Schauspielerin Bianca Hein oder Kinderbuchautoren vor.

Alle Veranstaltungen in München sind auf der Homepage des „Bundesweiten Vorlesetag“ zu finden. www.vorlesetag.de/mitmachen/vorleseaktion-finden.

Patricia Stücher

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