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Bau des Konzerthauses in Berg am Laim fraglich

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Von: Roman Wintz

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Vor einem animierten Konzerthaus laufen Menschen über einen Platz
Im Jahr 2023 muss die Entscheidung zum Konzerthaus im Werksviertel fallen. Nach derzeitiger Lage sieht es nicht gut aus für das Projekt. © Cukrowicz Nachbaur Architekten/dpa

Ein hinreißendes Bauwerk soll es werden. Dass die Umsetzung des Konzerthauses im Werksviertel allerdings zustande kommt, wird immer unwahrscheinlicher.

Mit dem Konzerthaus im Werksviertel hat der Freistaat Bayern einen herausragenden Kulturbau geplant. „Als offenes, lebendiges und überraschendes Haus soll es mit Musik von Klassik bis Jazz, von Weltmusik bis zu völlig neuen experimentellen Formen begeistern und berühren“, so heißt es seitens des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Der spektakuläre Bau mit einzigartiger Akustik „in einem coolen Viertel“ sollte dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eine neue Heimat geben ebenso wie Bereichen der Hochschule für Musik und Tanz.

Die Ideen zum Konzerthaus klingen wie Musik in den Ohren: „Vorreiterrolle in Sachen Digitalität“, „für alle Bedürfnisse neuer experimenteller und hybrider Kunstformate gerüstet“, „Kulturlabor“ oder „Ort musikalischer Exzellenz“, wie es das Staatsministerium bezeichnet. Dieses wuchtig wohlklingende Vorhaben, das einem den Atem raubt, wird laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aber nur schwer bis gar nicht umsetzbar sein, wie er kürzlich erklärte. Schuld daran sei wieder einmal das Geld. Von ihm als „Leuchtturmprojekt“ tituliert, müssten alternative Wege in Erwägung gezogen werden. Zu schlecht stehe es um die Staatsfinanzen wegen der Pandemie und des Ukraine-Kriegs.

Die Kosten für das Konzerthaus sollen etwa eine Milliarde Euro betragen, Anfangs wurde noch mit 400 Millionen Euro kalkuliert. Doch damit nicht genug. Im Jahr 2016 wurde ein Erbpachtvertrag mit Pfanni-Erbe Werner Eckart abgeschlossen. Demnach muss der Freistaat Bayern jährlich knapp 600.000 Euro an Eckart zahlen – und das die nächsten 44 Jahre. Erst dann besteht die Möglichkeit, ohne Angabe von Gründen zu kündigen. Nun gibt es vorerst eine von Söder angestoßene Denkpause. Die finale Entscheidung, ob für oder wider, muss bis 2023 gefällt werden.

Eigentlich schade, wenn man bedenkt, dass „der leuchtende Klangspeicher mit seiner einzigartigen Bauform und spektakulären Lichtkunstfassade drei Säle umhüllt“, so das Staatsministerium, „und alle Sinne berührt“. Alles an diesem Projekt, wie auch zum Beispiel ein Bewegungsraum oder die Experimental- und Educationflächen haben den Anschein eines Märchens – ob es irgendwann der Realität entspricht, bleibt weiterhin offen.

Ausgeschlossen ist es allerdings nicht, dass der bayerische Ministerpräsident Markus Söder seine Meinung noch ändert und dass er im nächsten Jahr sein „Go“ für das Projekt gibt. Und bis dahin pendeln die Münchner Bürger in die zirka 40 Millionen teure provisorische Isarphilharmonie, denn der Gasteig wird derzeit für veranschlagte 450 Millionen Euro saniert.

Roman Wintz

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