Berufungsprozess um den Unfall vor vier Jahren auf der Wasserburger Landstraße in Trudering

Hoffnung auf ein „Maß an fairer Behandlung“

Unfallverursacher Nestor P. fuhr im September 2017 mit mehr als 120 Stundenkilometern in den Kleinwagen.
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Unfallverursacher Nestor P. fuhr im September 2017 mit mehr als 120 Stundenkilometern in den Kleinwagen.

Am 16. September 2017 raste auf der Wasserburger Landstraße in Trudering ein damals 60-Jähriger mit mehr als 120km/h in ein gerade an der Ampel anfahrendes Auto. Drei junge Menschen kamen ums Leben. Derzeit findet das Berufungsverfahren statt.

Vier Jahre ist es nun her, dass der damals 60-jährige Nestor P. ungebremst in den Opel Corsa raste, in dem vier Menschen saßen. Die Geschwister Sophie L. und Julien L., waren mit ihrer Mutter Danielle sowie der Freund der Tochter, Baptiste, waren auf dem Weg zu dem Geburtstag ihrer Schwägerin, Katharina Roudil, in Haar. Mit ihrem Pkw waren sie gerade im Anfahren, die Ampel an der Jagdfeldstraße schaltete für sie auf Grün, als Nestor P. mit 128 km/h von hinten in ihren Kleinwagen knallt. Die drei jungen Menschen starben, Danielle L. überlebte schwer verletzt. Im Dezember 2019 wurde Nestor P. wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Brandstiftung und fahrlässiger Körperverletzung zu vier Jahren Haft verurteilt. Nestor P. legte Berufung ein und forderte ein neurologisches Gutachten an. Auch die Nebenkläger legten Berufung ein.

Nun im September, vier Jahre nach dem Unfall, findet das Berufungsverfahren statt. Die Angehörigen hören technische und medizinische Gutachten, die Aussagen von Augenzeugen und Polizisten. Ein Wolkenbild der TU zeigt die Lichtverhältnisse am Unfalltag. Es dämmerte leicht, die Sicht war aber gut, die Fahrbahn trocken. Und wieder müssen sich die Angehörigen anhören, wie Nestor P. ohne Reaktion in das Heck des Kleinwagens gerast ist. „Er hatte keinen epileptischen Anfall, keinen Blackout, es gab kein technisches Versagen“, fasst Katharina Roudil, die Schwägerin der Getöteten, zusammen. „Für uns ist es endlich an der Zeit, dass die Staatsanwaltschaft den mutigen Schritt geht und von Vorsatz spricht.“ Die Angehörigen fordern die Verweisung des Falls ans Landgericht. Der Angeklagte dagegen möchte einen Freispruch erreichen oder Bewährung bekommen.

Nach zwei Prozesstagen im September wurde bisher kein Urteil gesprochen. Der nächste Termin ist für Mittwoch, 13. Oktober, um 13 Uhr angesetzt. Die Hoffnung sei da, so Roudil, dass die Instanz nun endlich zu einer Entscheidung komme. „Der Richter wird am kommenden Mittwoch darüber entscheiden, ob er einer der beiden Berufungen folgt oder das ursprüngliche Urteil zumindest bestätigt. Was für uns einen schalen Beigeschmack hätte, da der Vorsatz seit vier Jahren kaum geprüft wurde“, erklärt Roudil. Im Gerichtssaal müsse die Familie zudem ständig an Nestor P. vorbei. „Er schaut uns nicht an, sein Blick ist stur geradeaus gerichtet, es ist für uns alle kaum zu ertragen“, so die Angehörige. „Nur als Bilder von seinem zerstörten Auto zu sehen war, schaute er auf.“

„Wir als Opfer fühlten uns von der Justiz nicht vertreten. Es war für uns haarsträubend, dass der Fall ein Jahr nach dem Unfall beim Amtsgericht gelandet war. Bestimmte Untersuchungen wurden so lange nicht angeregt, Begleitumstände und Zeugen nicht berücksichtigt“, fährt Roudil fort. „Das macht es für uns alles nicht leichter.“ Für sie sei es schlicht nicht entschuldbar, dass einer mit dieser Geschwindigkeit auf der Wasserburger Landstraße unterwegs war. „Es hätte noch viel mehr passieren können, es saßen ja Leute in der Bushaltestelle, es hätte ja auch eine Gruppe an Menschen an der Ampel stehen können.“

Nach den zwei Verhandlungstagen der Berufung schaut Roudil mit ihrer Familie dem 13. Oktober entgegen. „Wir erhoffen uns zumindest ein Maß an fairer Behandlung, das Gefühl, dass die Justiz auf unserer Seite ist“.

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