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Community Kitchen in Neuperlach hat eröffnet

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Von: Roman Wintz

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Hinter einer Theke ist eine bunt bemalte Wand zu sehen
Die Community Kitchen in Neuperlach versteht sich als ein Ort der Begegnung. Jeder ist herzlich willkommen im ehemaligen Allianz-Gebäude. © Community Kitchen

In der Neuperlacher Community Kitchen werden aussortierte Lebensmittel zubereitet. Nachhaltig und alles frisch, so das Konzept. Daneben gibt es noch weitere spannende Angebote.

„Lebensmittel sollten nicht mehr verschwendet werden“ – so lautet das banale aber tiefgreifende Motte der am 1. Februar eröffneten Community Kitchen in Neuperlach an der Fritz-Schäffer-Straße 9. Angelegt ist das Projekt um Initiatorin Günes Seyfarth als Zwischennutzung im ehemaligen Allianz-Gebäude auf drei bis fünf Jahre – oberstes Gebot: „Nicht wegschmeißen, sondern wiederverwerten“. „Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren aufhören müssen, denn das würde bedeuten, dass man uns nicht mehr braucht und alle übriggebliebenen Lebensmittel sinnvoll weiterverwendet werden“, sagt Seyfarth augenzwinkernd.

Seit Anfang Februar hat die Community Kitchen immer von Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet. Dort gibt es den sogenannten „Mittagstisch“ bei dem übriggebliebenes Essen von Großmärkten – palettenweise angeliefert – zubereitet wird. „Jeder ist bei uns herzlich eingeladen. Es gibt keine Zielgruppe. Wer Lust und Laune hat, kommt vorbei und hilft mit oder nicht. Wir achten auf eine ausgewogene und frische Zubereitung und mit 5,50 Euro pro Essen schaffen wir ein faires Angebot.

Auch ausgefallenere Angebote wie beispielsweise Radieschenpesto gehören zu unseren Ideen“, erzählt Günes Seyfarth. Momentan würde das Team durch eine Schulklasse unterstützt, was aus sozialer Sicht natürlich sinnvoll sei und sie hätten darüber hinaus eine wertvolle Aufgabe. Für Schüler gibt es außerdem die Möglichkeit, sich jeden Morgen zwischen sieben und acht Uhr ein Schulbrot mit Frischekomponente abzuholen.

Seyfarth selbst ist seit zehn Jahren in diesem Bereich tätig und führte zum Beispiel mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eine Foodtruck-Aktion durch. In der Community Kitchen arbeiten zehn feste Mitarbeiter und einige ehrenamtliche Helfer mit. Sie sind auch dringend nötig bei 150 Leuten, die täglich ein und aus gehen – Tendenz steigend. Als Seyfarth mit der Idee um die Ecke kam, waren die Eigentümer der 6000 Quadratmeter großen Nutzungsfläche begeistert. Im vergangenen Jahr wurden die Vorbereitungen abgeschlossen, dass einem schwungvollen Start in diesem Jahr nichts mehr im Weg stand.

Das Konzept sei aber sehr viel weiter gedacht als nur die Community Kitchen, erklärt Seyfarth. „Es gibt auch Angebote wie die Kreativwerkstatt, ein Fotostudio, einen Schmuckraum, außerdem soll demnächst ein Kino entstehen – wir arbeiten bildungsengagiert.“ Des Weiteren gibt es die Aktion „Momo hört zu“. Es sitzen dabei Personen am Tisch, zu denen sich Einsame, Bedrückte oder einfach nur Redselige setzten können, um ihren Ballast abzuwerfen.

Das weitere Projekt „Shaere“ von Günes Seyfarth gliedert sich an die Community Kitchen an und befindet sich noch im Aufbau, ein Stockwerk höher. „Es ist ein ebenso intensives Konzept wie die Community Kitchen, in das wir viel Herzblut stecken“, so Seyfarth. Interessierte können bereits besichtigen, wo Bereiche wie Bildung, Nachhaltigkeit, Soziales und Kunst und Kultur ergänzend entstehen sollen.

Finanziert wird alles, was im ehemaligen Allianz-Gebäude entsteht, privatwirtschaftlich. Es gibt keine öffentlichen Fördermittel, denn wie Seyfarth sagt „sind wir denen zu schnell. Die, also Staat, Stadt und Land, würden uns nur ausbremsen. Und da unser Konzept auf fünf Jahre angelegt ist, geben wir Gas, Vollgas.“ Abschließend erzählt Günes Seyfarth, dass für Mai eine Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut geplant sei, bei der es – wie sollte es anders sein – um Foodwaste-Reduzierung gehe.

Roman Wintz

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