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Schwerer Corona-Winter steht bevor ‒ Kliniken in Bayern in großer Sorge vor Überlastung der Intensivstationen

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Pflegerin auf einer Covid-Intensivstation.
In vielen Krankenhäusern in Bayern herrscht wegen den vielen Corona-Patienten ein Mangel an Intensivbetten. (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa

Der Mangel an Intensivbetten in den Krankenhäusern bereitet Sorgen. In mehrere Landkreisen und Städten in Bayern stehe die Überlastung im Winter wegen Corona bevor.

Auf den Intensivstationen vieler bayerischer Krankenhäuser nimmt die Bedrängnis wegen schnell steigender Zahlen von Corona-Patienten zu.

Im zweiten Corona-Winter steht Bayerns Kliniken nach Angaben der Krankenhausgesellschaft eine schwere Belastungsprobe bevor. „Wir haben die große Sorge, dass wir in eine Situation kommen, die mindestens so schlimm und bedrohlich ist wie im letzten Winter“, sagte Roland Engehausen, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „Der aktuell rapide Anstieg der Infektionszahlen wird die Krankenhäuser in etwa zwei Wochen erreichen.“

Am Dienstag lagen laut Divi-Intensivregister 455 Covid-Patienten auf den bayerischen Intensivstationen, fast 200 mehr als vor zwei Wochen. Da vom Zeitpunkt einer Ansteckung bis zu einer tatsächlichen Erkrankung Zeit vergeht, spiegelt diese Zahl aber nicht das aktuelle Infektionsgeschehen wider.

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Am Dienstag meldeten bereits 40 der 96 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte, weniger als zehn Prozent freie Intensivbetten zur Verfügung zu haben. In 23 Kommunen war kein einziges Intensivbett mehr frei, wie aus dem täglich aktualisierten Intensivregister hervorgeht. „Normalerweise haben wir auf den Intensivstationen gut zehn Prozent freie Betten“, sagte Engehausen.

Wenn keine Intensivbetten frei sind, müssen Akutpatienten nach Un- und Notfällen in andere Krankenhäuser weitergeschickt werden. Außerdem müssen Chirurgen diejenigen Operationen verschieben, nach denen die Patienten zur Beobachtung auf eine Intensivstation kommen.

Als Beispiel nannte Engehausen Tumoroperationen bei Krebspatienten: „Das bedeutet für die Krankenhäuser ein großes ethisches Dilemma, wenn sie gezwungen sind, die Behandlung eines geimpften Onkologie-Patienten zu verschieben, weil ein ungeimpfter Covid-Patient auf der Intensivstation liegt.“

Auch in den bayerischen Kinderkliniken gibt es kaum noch freie Betten.

Der BKG-Chef forderte den Bund auf, der Entwicklung nicht tatenlos zuzusehen: „Wir werden im Winter einen noch stärkeren Engpass beim Pflegepersonal spüren“, sagte Engehausen. „Deswegen würden wir es begrüßen, die vorgeschriebenen Pflegepersonal-Untergrenzen flexibler für die Pflegedienstleistungen in den Kliniken vor Ort zu handhaben. Das wäre aber kein Allheilmittel.“

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Einen neuerlichen Lockdown fordern die Kliniken nicht. „Wir müssen die Pandemie genauso ernst nehmen wie im vergangenen Winter, ohne die Freiheitsrechte der Geimpften zu sehr zu beeinträchtigen“, sagte Engehausen. „Das ist die große Herausforderung.“

Die BKG plädiert für wieder verstärkte Hygieneschutzmaßnahmen. „Wir halten es auch für sinnvoll, das Maskentragen wieder stärker zu verpflichten und in Freizeitbetrieben auf die Einhaltung der Regeln zu achten“, sagte Engehausen. „Wir sind auch offen für eine Impfpflicht im Gesundheitswesen, wenn der Ethikrat dies empfehlen würde.“

Die für den 25. November geplante Aufhebung der Feststellung der epidemischen Lage nationaler Tragweite „wäre zumindest aus bayerischer Sicht eher skurril“.

Engehausen beklagte mangelnde Vorbereitung der Politik auf die neuerliche Verschärfung:

Man muss leider feststellen, dass wir abgesehen von den Impfmöglichkeiten relativ wenig aus dem vergangenen Winter gelernt haben. Im Sommer wird die Lage auf die leichte Schulter genommen, es wird politisch über Lockerungen gesprochen anstelle einer systematischen Vorbereitung für die Verschlechterung der Lage im Herbst und Winter.

Roland Engehausen

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dpa/lby/jh

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