Einstimmiger Beschluss

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche in Deutschland beschlossen ‒ Debatte um Empfehlung der Stiko

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU).
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Kinder und Jugendliche in Deutschland sollen Corona-Impfung in Impfzentren erhalten können. (Symbolbild)

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beschließen ein Corona-Impf-Angebot für Kinder und Jugendliche, sowie eine Auffrisch-Impfung für Risikogruppen.

  • Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche in Impfzentren möglich.
  • Auffrisch-Impfung für Risikogruppen ab Herbst.
  • Debatte um die Empfehlung der Stiko.

Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren sollen sich auch in den regionalen Impfzentren in Deutschland gegen das Corona-Virus immunisieren lassen können. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben diesen Schritt am Montag einstimmig beschlossen, um den Kampf gegen die Pandemie voran zu treiben. In Arztpraxen war dies bereits vorher möglich. Außerdem sollen Risikogruppen wie Alte und Pflegebedürftige ab Herbst eine Auffrisch-Impfung bekommen können.

Die geplante Ausweitung des Impfangebots stieß auf ein geteiltes Echo.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche in Deutschland

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat sowohl den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer als auch den von Moderna für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen.

Die unabhängige Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland empfiehlt die Corona-Impfung für Kinder bisher nicht allgemein. Die Empfehlung gilt bei einem höheren Risiko für schwere Verläufe, wie etwa eine Diabetes-Erkrankung. Eine Immunisierung ist jedoch mit ärztlicher Beratung möglich. Die Stiko begründete ihre Position unter anderem mit der Datenlage, die aus ihrer Sicht bislang nicht ausreichte, um mögliche Folgeschäden auszuschließen.

In anderen Ländern wie Israel laufen hingegen bereits Impfkampagnen von Kindern und Jugendlichen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hielt der Stiko im Deutschlandfunk zuletzt eine „Außenseiterposition“ vor.

Im Beschluss der Minister vom Montag wurde betont, dass bei Impfungen von Kindern und Jugendlichen ärztliche Aufklärung und gegebenenfalls das Ja der Sorgeberechtigten nötig sei. Die Angebote seien so auszugestalten, dass die „Freiwilligkeit der Annahme“ nicht in Frage gestellt werde. Die Umsetzung liegt jeweils bei den Ländern.

Das Impftempo in Deutschland ging zuletzt zurück, die Infektionszahlen stiegen.

Ist die Entscheidung zum Impf-Angebot für Kinder und Jugendliche ein Widerspruch zur Stiko-Empfehlung?

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek bekräftigte, er sehe in dem geplanten Angebot keinen Widerspruch zur Stiko. Eine individuelle Risikoabschätzung sei sehr wichtig, betonte der CSU-Politiker und Vorsitzende der Länder-Gesundheitsminister am Abend im ZDF-„heute journal“.

Einen Konflikt mit der Stiko könne er aber nicht erkennen, „weil wir ja einen Weg gehen, den die Stiko durchaus für möglich hält. Und auf dieser Basis unterbreiten wir jetzt dieses Impfangebot.“

Bundesminister Jens Spahn (CDU) hatte erklärt, ein solches Angebot zur individuellen Entscheidung von Eltern und Kindern stehe im Einklang mit den Stiko-Empfehlungen. Seinem Ministerium zufolge wurden bereits 900 000 Kinder zwischen 12 und 17 geimpft.

Stiko-Chef Thomas Mertens sagte dem „Spiegel“ mit Blick auf eine neue Empfehlung: „Ich hoffe, dass wir das in den nächsten zehn Tagen schaffen.“ Den Inhalt könne er aber nicht vorausnehmen.

Debatte um Stiko-Empfehlung zur Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, wünschte sich eine rasche Neubewertung der Stiko-Position. „Bereits heute dürfen Ärztinnen und Ärzte entsprechend der aktuell gültigen Stiko-Empfehlung nach intensiver Aufklärung Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren impfen“, sagte Fischbach der „Rheinischen Post“ (Dienstag).

Das Risiko von Nebenwirkungen durch die Impfung ist extrem gering, das zeigen alle Daten aus anderen Ländern.

Thomas Fischbach

Der Deutsche Hausärzteverband kritisierte hingegen, dass die Stiko außen vor gelassen wurde. „Diese Diskussion unter Missachtung der Kompetenz der Ständigen Impfkommission kann eher zur Verunsicherung führen, als dass sie der Impfkampagne hilft“, sagte dessen Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag).

Warum eine Empfehlung der Stiko dazu zunächst nicht abgewartet werden kann, die sich auf Basis von fundierten Studien zeitnah äußern will, ist mir schleierhaft. Das Ganze klingt ein wenig nach Wahlkampfgetöse.

Ulrich Weigeldt

Corona-Auffrisch-Impfung für Risikogruppen ab Herbst

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte derweil die ab September vorgesehenen Auffrisch-Impfungen für Risikogruppen. „Insbesondere bei den 900 000 Pflegeheimbewohnern liegt die zweite Impfung bereits ein halbes Jahr zurück“, sagte Vorstand Eugen Brysch der dpa.

Es sei gut, dort erneut auf aufsuchende Impfungen zu setzen, es fehle aber noch ein verbindlicher Zeitplan. Anders als zu Jahresbeginn dürften die mobilen Impfteams auch die fast 200 000 Menschen im betreuten Wohnen von Anfang an nicht vergessen. Zudem wäre es fatal, das erneute Impfangebot für Heimbewohner nicht mit einem Angebot für Pflegekräfte zu kombinieren.

Fachleute erwarten, dass eine Schutz-Auffrischung zuerst bei Menschen fällig werden dürfte, deren Immunsystem nicht so gut auf eine Impfung anspricht - etwa wegen Alters oder Erkrankungen. Und bei solchen Risikogruppen liegen die Impfungen seit Jahresbeginn schon am längsten zurück. Sie sollen daher nun ab September auch zuerst eine weitere Spritze angeboten bekommen.

dpa/jh

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