Nach Impfgipfel

Impf-Angebot, aber keine Pflicht: Corona-Impfung von Kindern soll nach den Pfingstferien möglich sein

Bundeskanzlerin Angela Merkel (M, CDU) nimmt an einer Pressekonferenz mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (r, CSU) und dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), nach einem Impfgipfel von Bund und Ländern zur Coronavirus-Erkrankung (COVID-19) im Kanzleramt teil.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (M, CDU) nimmt an einer Pressekonferenz mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (r, CSU) und dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), nach einem Impfgipfel von Bund und Ländern zur Coronavirus-Erkrankung (COVID-19) im Kanzleramt teil.

Beim Impfgipfel beschlossen Bund und Länder, dass Kinder ab 12 Jahren gegen Corona impfen lassen können. Voraussetzung ist eine Freigabe der EMA für Biontech für die Altersgruppe.

  • Bund und Länder beraten beim Impfgipfel über die Corona-Impfung von Kindern.
  • Voraussetzung ist, dass die EMA den Impfstoff von Biontech & Pfizer für die Altersgruppe zulässt.
  • Bayerns Ministerpräsident Söder schließt eine Impf-Pflicht aus.

Update: 28. Mai 2021

Corona-Impfung von Kindern ab 12 Jahren soll ab 7. Juni möglich sein

Kinder ab 12 Jahren sollen sich in Deutschland vom 7. Juni an generell gegen Corona impfen lassen können. Das beschlossen Bund und Länder auf einem Impfgipfel am Donnerstag in Berlin.

Voraussetzung ist, dass die EU-Arzneimittelbehörde EMA den bisher ab 16 Jahren freigegebenen Impfstoff von Biontech/Pfizer auch für diese Altersgruppe zulässt. Die EMA will darüber an diesem Freitag beraten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte das Ziel, „dass bis zum Ende des Sommers jeder Bürgerin und jedem Bürger ein Impfangebot gemacht wird“. Das solle auch die 12- bis 16-Jährigen einschließen.

In ihrem Beschluss legen Bund und Länder fest, dass sich Kinder und Jugendliche ab 12 nach einer Zulassung „ab dem Ende der Priorisierung, also in der Regel ab dem 7.6.2021, in vergleichbarer Weise wie bei anderen Impfwilligen, die keiner Priorisierung unterliegen, um einen Impftermin insbesondere bei den niedergelassenen Ärzten bemühen“ können.

Merkel sagte zu, Kinder mit Vorerkrankungen würden vorrangig geimpft würden - wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) dies in ihrer erwarteten Empfehlung rät. Das gelte dann ähnlich wie für Erwachsene.

Söder spricht von einem Impf-Angebot, schließt eine Pflicht für die Corona-Impfung für Kinder aus

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat versichert, dass es keine Corona-Impfpflicht für Kinder und Jugendliche geben soll. „Keiner muss geimpft werden“, sagte Söder, der aus Nürnberg zugeschaltet war, am Donnerstag nach Beratungen von Bund und Ländern. „Wir wollen Impfangebote machen, aber es gibt keine Impfpflicht.“ Schule werde trotzdem möglich sein, betonte er.

Insgesamt zeigte sich Söder zuversichtlich, was die Corona-Lage und den Stand der Impfkampagne angeht - auch wenn man noch nicht über dem „Impf-Berg“ sei. Insgesamt werde die Lage jeden Tag besser. Aber es gebe keinen Anlass für Übermut und Euphorie, es gebe noch viel Arbeit.

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Erstmeldung: 27. Mai 2021

Bund und Länder beraten über Corona-Impfungen für Kinder ‒ Bayern ist bei dem Thema noch zurückhaltend

Vor dem Impfgipfel von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder an diesem Donnerstag gibt es weiter Diskussionen über Corona-Impfungen von Kindern und Jugendlichen.

Während sich andeutet, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) keine allgemeine Impf-Empfehlung für alle Kinder abgeben könnte, gab es auf der anderen Seite Forderungen nach einem schnellen Impfangebot.

Kanzlerin Merkel und Ministerpräsidenten beraten bei Impfgipfel über Corona-Impfung für Kinder

Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten wollen am Donnerstag (14.00 Uhr) unter anderem über Corona-Impfungen für Kinder beraten. Angestrebt wird, bis Ende August allen Kindern ab zwölf Jahren ein Impfangebot zu machen.

Zuvor muss jedoch die EU-Arzneimittelbehörde EMA voraussichtlich an diesem Freitag über eine entsprechende Zulassung für den bisher ab 16 Jahren zugelassenen Impfstoff von Biontech und Pfizer entscheiden.

Zu klären ist dann etwa auch die konkrete Organisation von Impfungen für Jugendliche beispielsweise über Schulen oder Arztpraxen sowie zusätzlicher Impfstoff dafür.

Weitere Themen der Beratungen sollen unter anderem mögliche Auffrischungsimpfungen und der digitale Impfpass sein.

Kritiker erwarten keine allgemeine Empfehlung der Stiko für Corona-Impfung für Kinder

Auch für den Fall einer EMA-Zulassung behält sich die Stiko eigene Klärungen für eine mögliche Impf-Empfehlung vor. Ihr Mitglied Rüdiger von Kries erwartet derzeit nicht, dass es eine allgemeine Impf-Empfehlung für alle Kinder geben werde. Er hatte am Dienstagabend gesagt, momentan wisse man kaum etwas über die Nebenwirkungen von Corona-Impfungen bei Kindern. „Bei unklarem Risiko kann ich zurzeit noch nicht vorhersehen, dass es eine Impfempfehlung für eine generelle Impfung geben wird.“

Stiko-Mitglied Martin Terhardt sagte dem RBB-Sender radioeins, man erwarte noch Daten aus den USA. „Aber das wird sicherlich noch nicht bis nächste Woche vorliegen.“

Der Chef des Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, begrüßte die Signale der Stiko. Auf die Frage, ob er eine solche Entscheidung für richtig halte, sagte er dem „Handelsblatt“: „Ja. Es wäre durchaus nachvollziehbar, wenn die Stiko keine Impfempfehlung aussprechen würde. Die Studienlage zum Infektionsrisiko von Kindern ist bislang sehr dünn.“

Auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt sieht noch Klärungsbedarf. „Die Datenlage zu Risiken und Nutzen einer möglichen Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen ist derzeit noch so unzureichend, dass man keine Empfehlung abgeben kann“, sagte der Chef der Bundesärztekammer. Natürlich wäre es hilfreich, möglichst vielen noch vor Beginn des nächsten Schuljahres ein Impfangebot machen zu können. „Aber wir haben uns immer für eine Impfstrategie ausgesprochen, die wissenschaftliche Sorgfalt vor Geschwindigkeit setzt.“

Kritik an Stiko - Befürworter drängen auf Corona-Impfung für Kinder

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte Kritik an den Stiko-Überlegungen, den Biontech-Impfstoff nach seiner erwarteten Zulassung für 12- bis 15-Jährige nur für Jugendliche mit Vorerkrankungen zu empfehlen. Dem „Spiegel“ sagte er, er fände es „enttäuschend“, wenn die Stiko keine grundsätzliche Empfehlung zur Impfung der Kinder ausspräche und die Verantwortung damit auf die Eltern und die Ärzte abschöbe.

Auch SPD-Chefin Saskia Esken drängt auf ein schnelles Impfangebot für Minderjährige. „Kinder und Jugendliche haben jetzt weit über ein Jahr auf vieles verzichten müssen und leiden besonders unter den Einschränkungen in der Pandemie“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wenn sichergestellt ist, dass die Impfstoffe ausreichende Wirksamkeit haben und keine schweren Nebenwirkungen auftreten, plädiere ich deshalb dafür, Kindern über zwölf Jahren und allen Eltern zügig ein Impfangebot zu machen.“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) reagierte mit Unverständnis auf die Signale der Ständigen Impfkommission (Stiko). „Kinder und Jugendliche können sich infizieren und das Virus weitergeben, deshalb müssen sie ein Impfangebot bekommen - sofern eine Zulassung vorliegt, bei der Nutzen und Risiken abgewogen wurden“, sagte Weil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Dass die ständige Impfkommission nun plötzlich den Sinn einer flächendeckenden Impfung von Schülerinnen und Schülern grundsätzlich in Frage stellt, irritiert mich und auch viele andere Menschen.“

Bayern ist bei Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche zurückhaltend

Für Bayern erklärte ein Ministeriumssprecher: „Wir erarbeiten aktuell ein Konzept, um diese Impfungen so schnell wie möglich nach Zulassung zu starten.“ Es seien verschiedene Modelle denkbar, bei denen sowohl die Ärzte als auch die Impfzentren eingebunden werden.

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hat sich aber zurückhaltend zum Thema Impfungen für Kinder und Jugendliche geäußert. Man höre aus der Ständigen Impfkommission (Stiko), dass es wohl keine einhellige Empfehlung geben werde, „Kinder und Jugendliche zu impfen - und das nehme ich schon ernst und das muss man auch abwägen“, sagte er am Mittwochabend im Bayerischen Fernsehen.

Zudem betonte Holetschek, er wolle nicht, dass der Impfstoff „dann wieder bei anderen abgezogen wird“, um ihn umzuverteilen. Wenn es aber zusätzlichen Impfstoff gebe und Kinder und Jugendärzte einbezogen würden, dann müsse man über das Thema diskutieren.

Die Diskussion um Impfungen für Kinder und Jugendliche sei wichtig und richtig, betonte der Minister. Sie seien eine der Gruppen, die in der Pandemie am meisten gelitten habe.


dpa/lby/jh

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