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Dieses Buch soll aufrütteln: Inklusion muss auch in Corona-Zeiten Thema bleiben

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Im Buch kommen Betroffene genauso zu Wort wie die Macher des Buches (v. li.): Shirin Madadkar, Grafikerin Tine Hellwig, Autorin Sibylle Madadkar und Ralf Göbel.
Im Buch kommen Betroffene genauso zu Wort wie die Macher des Buches (v. li.): Shirin Madadkar, Grafikerin Tine Hellwig, Autorin Sibylle Madadkar und Ralf Göbel. © Traumwerker

Mit seinem kürzlich veröffentlichten Buch macht der Gräfelfinger Verein „Traumwerker“ auf die Herausforderungen für Inklusion in Corona-Zeiten aufmerksam.

*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Gräfelfing - „Corona hat der Inklusion wirklich ein Bein gestellt. Plötzlich war vieles nicht mehr möglich, was vorher gut geklappt hat“, sagt Sibylle Madadkar. Die Gräfelfingerin aus der Heitmeiersiedlung weiß, wovon sie spricht. Sie ist nicht nur Vorsitzende des Inklusionsvereins „Traumwerker“, sondern hat die Probleme im Zuge der Pandemie mit ihrer Familie selbst erlebt.

Inklusion während der Corona-Pandemie: Verein macht mit Buch auf Herausforderungen aufmerksam

Shirin, ihre Tochter, arbeitet in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und lebt in einer inklusiven Wohngemeinschaft. Während sie ihre Arbeitsstelle in Pasing im ersten Jahr der Pandemie nur wenige Wochen gesehen hat, kam sie aus ihrer WG zeitweise gar nicht raus. „Zuerst konnte ich nur mit den Betreuern spazieren gehen“, erzählt die 27-Jährige in einem Interview.

Das wiederum hat ihre Mutter mit ihr geführt – für ein Buch der „Traumwerker“. In „Beschränkt, befreit. Corona ist doof“ machen diese auf die unterschiedlichen Herausforderungen von Menschen mit und ohne Handicap im Zuge der Corona-Pandemie aufmerksam. Unterstützt wurde das von der „Aktion Mensch“.

Buch zum Thema Inklusion: Betroffene, Landrat und Experten kommen zu Wort

In dem 190 Seiten starken Schmöker kommt aber längst nicht nur Shirin Madadkar zu Wort. Alle Vereinsmitglieder wurden zu ihrer Sicht auf die Krise interviewt, genauso wie der aus Lochham stammende Pater Anselm Grün oder Landrat Christoph Göbel. Um die Situation noch besser einzuordnen, hat Sibylle Madadkar zudem mit vielen Inklusions-Experten gesprochen.

Wie mit Tom Heilmann, Leiter der Pasinger Monsignore-Bleyer-Werkstatt. „Während des harten Lockdowns bestand für alle ein Beschäftigungsverbot“, erzählt dieser. Trotz enormen Auftragsrückgangs habe man weiter den vollen Lohn ausbezahlt. „Das hat riesige finanzielle Löcher gerissen. Bis jetzt haben wir für 2020 nur 28.500 Euro Lohnkostenzuschuss bei bestehenden Lohnkosten von fast 300.000 Euro bekommen.“

Verein „Traumwerker“ appelliert an Politik: Inklusion muss größeres Thema werden

Für die Autorin hat die Pandemie ganz klar Eines gezeigt: „Da, wo Menschen sortiert werden – gesonderte Werkstätten, Wohnheime, Schulen – gibt es mehr Probleme.“ Das Buch des Vereins appelliert daher an die Politik. „Inklusions-Versprechen müssen endlich konkret umgesetzt werden.“

Das Buch selbst geht mit gutem Beispiel voran. Der Clou: Alle Texte wurden professionell in „Einfache Sprache“ übersetzt, sind also auch für Menschen mit geistigen Einschränkungen greifbar. Dazu kommen unzählige grafische Elemente, die wiederum eine eigene, bildliche, Sprache sprechen. „Jeder kann das Buch lesen, wie er will“, sagt Madadkar.

„Beschränkt, befreit. Corona ist doof“

Erhältlich ist das Buch für 38,95 Euro in folgenden Buchhandlungen: Kohler, Bahnhofstraße 110 in Gräfelfing und Bahnhofstraße 41 in Planegg; Wort.Schatz Gräfelfing, Bahnhofstraße 95 und Kirchheim, Bahnhofstraße 30, in Gauting sowie online unter www.traum-werker.de.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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