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Ein ehrlicher und besonderer Mensch

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Von: Thomas Fischer

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Mit Fahnenabordnungen erwiesen auch die Truderinger Vereine dem verstorbenen ehemaligen Stadtrat Helmut Schmid die letzte Ehre.
Mit Fahnenabordnungen erwiesen auch die Truderinger Vereine dem verstorbenen ehemaligen Stadtrat Helmut Schmid die letzte Ehre. © fit

Mit einem bewegenden Ehrenbegräbnis haben Trudering und die Landeshauptstadt München Abschied genommen vom ehemaligen Stadtrat Helmut Schmid. 36 Jahre vertrat der Verstorbene im Münchner Parlament die Interessen des Stadtviertels.

„Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit“ seien herausragende Charaktereigenschaften von Schmid gewesen, betont Geistlicher Rat Pfarrer Herbert Kellermann in seiner Traueran­sprache. Kellermann würdigte privates wie berufliches Wirken des Verstorbenen, der über Jahrzehnte hinweg ein treuer Weggefährte gewesen sei.

Betroffen zeigte sich auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter. „Der Tod von Helmut Schmid macht mich persönlich sehr traurig. Zuallererst sind meine Gedanken bei seiner lieben Frau Hedi, seinen Kindern und der ganzen Familie. Ich wünsche Ihnen die Kraft diese schwere Zeit zu überstehen und werde ihnen dabei jederzeit zur Seite stehen.“ Helmut Schmid sei über viele Jahrzehnte Mitglied des Münchner Stadtrates gewesen, zehn Jahre davon als Vorsitzender der SPD-Fraktion. Er habe sich immer für alle Bürger der Stadt eingesetzt und München habe ihm viel zu verdanken.

„Ich kannte Helmut Schmid seit über 50 Jahren, er war nicht nur ein guter Freund, er war für mich der wichtigste Wegbereiter für meine politische Laufbahn“, erklärte Münchens Stadtoberhaupt. Von ihm habe er über viele Jahre gelernt, wie politische Arbeit funktioniere. Zu Beginn seiner Stadtratstätigkeit habe sich Helmut Schmid, der sich eigentlich gerne kulturellen Themen gewidmet hätte, vorwiegend um Rechts- und Finanzangelegenheiten gekümmert und später dafür gesorgt, dass bei der Umwandlung der Stadtwerke in eine städtische GmbH die Interessen der Beschäftigten gewahrt blieben. Überhaupt habe er ökonomischen Themen eine große Bedeutung zugemessen und sich für die Schaffung des heutigen Referates für Arbeit und Wirtschaft eingesetzt.

Dass er als ehemaliger Wiesn-Stadtrat seinen Geburtstag regelmäßig während des Oktoberfestes feiern konnte, habe in unvergleichlicher Weise zu ihm und seiner beinahe schon sprichwörtlichen Leutseligkeit gepasst, die ihn zu einem der Sympathieträger des Stadtrates machte. Von sich selbst habe er gesagt, er sei ein „Linker, aber ein realistischer“ und das charakterisiere ihn und seine Arbeitsweise wohl aufs Allerbeste. „Unermüdlich versuchte er, die Interessen der Wirtschaft mit denen der Beschäftigten in Einklang zu bringen. Für dieses beispiellose Engagement hat ihn die Landeshauptstadt München mit der Medaille ,München leuchtet – Den Freundinnen und Freunden Münchens‘ in Gold, mit der Jubiläumsmedaille in Gold sowie der Goldenen Bürgermedaille geehrt“, so Reiter weiter.

Er habe sich im letzten Jahr nach 36 Jahren zwar aus dem Stadtrat verabschiedet, nicht aber aus seinen zahlreichen Mitgliedschaften in unzähligen Vereinen und Organisationen, denen er mit seinen sozialen Verbindungen gerne noch von Nutzen sein wollte. Leider sei ihm hierfür viel zu wenig Zeit verblieben.

„Was der Verlust dieses besonderen Menschen, der so vieles bewegt hat, für Dich, liebe Hedi, bedeuten mag, können wohl auch die, die ihn gut gekannt haben, nur erahnen. Ich wünsche Dir für die kommende Zeit viel Kraft und den Beistand Deiner Familie und Freunde. Die Landeshauptstadt München und auch ich ganz persönlich werden Helmut Schmid immer ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren“, betonte der OB.

Auch die SPD Trudering-Riem trauert um ihren langjährigen Stadtrat Helmut Schmid. Das Wohnquartier an der Felicitas-Füss- und Hugo-Weiß-Straße, die Festwiese an der Wasserburger Landstraße – das Wirken des Truderinger Sozialdemokraten Helmut Schmid sei an vielen Orten im Stadtteil sichtbar. Seinen besonderen Bezug zum Münchner Osten habe der SPD-Stadtrat, der als Fraktionsvorsitzender und DGB-Vorsitzender für München die Geschicke der Landeshauptstadt über Jahrzehnte mitprägt habe, nie verloren.

Für die SPD-Bundestagsabgeordnete Claudia Tausend war er „ein väterlicher Freund und Ratgeber“. Auch für den Vizepräsidenten im Bayerischen Landtag und Truderinger Abgeordneten Markus Rinderspacher war Helmut Schmid weitaus mehr als ein politischer Weggefährte. „Er war ein enger Vertrauter und ein besonderer Mensch. Seine Klugheit, seine Bodenständigkeit und sein Humor haben jedes Zusammensein mit ihm interessant und liebenswürdig gemacht.“

Die Karriere des sozialdemokratischen Urgesteins begann in klassischer Tradition mit einer Ausbildung. Der gebürtige Neuhausener, der die meiste Zeit seines Lebens in Trudering wohnte, erlernte zunächst den Beruf des Großhandelskaufmanns. Weiterer Abschluss: Diplomverwaltungswirt. Nach einigen Jahren als Angestellter im Kreisverwaltungsreferat und in der Lokalbaukommission setzte er sich ab 1981 als Geschäftsführer der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) für die Belange der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ein. Ab 1993 war Helmut Schmid DGB-Vorsitzender für München und die Region – ein Amt, das er bis 2009 ausübte. 

Für den Münchner Stadtrat kandidierte Helmut Schmid das erste Mal 1984 und behielt sein Mandat insgesamt 36 Jahre, von 1998 bis 2008 als SPD-Fraktionsvorsitzender. „Sein immenser Einsatz für die Münchner Wirtschaftspolitik, das bayrische Brauchtum und das Ehrenamt hat das Zusammenleben in unserer Stadt nachhaltig bereichert“, erinnert sich Rinderspacher. Von 2002 bis 2014 hielt Helmut Schmid als Wiesn-Stadtrat bayerischen Traditionen hoch und vermittelte zwischen Wirten sowie Schaustellern und der Stadtverwaltung. Für sein politisches Lebenswerk erhielt er 2017 die Rothemund-Medaille, eine der höchsten Auszeichnungen der Bayern-SPD.

Doch nicht nur in der Kommunalpolitik hat Helmut Schmid Akzente gesetzt, auch im Truderinger Vereinsleben war er fest verankert. Vor allem der Festring Truderinger Buam, dessen Ehrenmitglied er war, lag ihm besonders am Herzen. Traditionell eröffnete er immer die Truderinger Festwoche und zapfte mit nur wenigen Schlägen das erste Fass Bier an. Auch die legendären Straßenfeste am Moosfeld und das Steckerl­fischessen der Trudering-Riemer SPD an Ascherdonnerstag wären ohne ihn nicht zustande gekommen. Trotz seines vielfältigen politischen und gesellschaftlichen Engagements sei er stets ein Familienmensch und vor allem in den letzten Jahren immer für Frau und Enkelkinder da gewesen.

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