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Energiekrise: Die Sparmaßnahmen im Würmtal-Gemeinden im Überblick - Rollschuhbahn statt „Eiswunder“?

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Am „Eiswunder“ Planegg trainieren Jugendliche das Eishockeyspielen.
Die Zukunft der Eislauffläche am Sportpark Planegg steht wegen der Energiekrise derzeit infrage. © rea

Um Energie zu sparen, sollen Schulen und Schwimmbäder im Würmtal kälter werden. In Planegg steht sogar die Zukunft der Eislauf-Fläche am Sportpark infrage

Update 11. August, 8 Uhr: Alternativen für „Eiswunder“ im Gespräch

Würmtal - Wie kann das „Eiswunder“ in Planegg weniger Energie verbrauchen? Nachdem Ende Juli eine erste Diskussion des Gemeinderats zu dem Thema vertagt wurde, sprechen die Lokalpolitiker nun in einer Ferienausschuss-Sitzung am Donnerstag, 18. August, erneut darüber.

Dann könnte auch über eine neue Alternative für die Eislauf-Fläche am Planegger Sportpark debattiert werden. In einem offenen Brief an Planeggs Bürgermeister und Gemeinderäte haben Dorit Zimmermann und Hildburg Krämer von der Würmtaler Gruppierung „Plastikpaten“ angeregt, statt der Kunsteisbahn eine Fläche fürs Rollschuhlaufen oder artistische Inline-Skaten zu schaffen.

„Wir wollen einen Anstoß dafür geben, kreativer über Lösungen zu denken. Wir können nicht nur an alten Mustern festhalten“, erklärte Zimmermann gegenüber Hallo. Es stelle sich die Frage, wie viel Winterspaß man in der Region angesichts des sich verändernden Klimas noch haben könne.

CSU schlägt Synthetik-Eisfläche vor - Sorge um Mikroplastik

Im Gemeinderat wurde bisher vor allem ein Vorschlag der CSU diskutiert. Diese schlägt vor, das „Eiswunder“ zeitnah mit Synthetik-Eis zu betreiben, um Energiekosten zu sparen. Der Eislauf an sich solle aber erhalten bleiben.

Gegen diese Idee wehren sich die „Plastikpaten“. Der Grund: Durch das Fahren auf dem Synthetik-Eis werde eine Vielzahl von Mikroplastik abgerieben. Laut Zimmermann bestünde ein erhebliches Risiko, dass kleinste Plastikteile in die Umwelt gelangen, „selbst, wenn die feinen Plastikfäden mehrfach täglich abgekehrt und entsorgt würden, was vermutlich nicht durchführbar ist“.

Für eine Allwetter-Laufbahn müsste die Gemeinde nur eine glatte Fläche - zum Beispiel aus Recyclingbeton - schaffen, argumentiert die „Plastikpatin“. Das könne relativ schnell und kostengünstig geschehen.

Der Abrieb durch Inline-Skates und Rollschuhe sei auch deutlich geringer als mit Schlittschuhkufen. Aus den Reihen des Gemeinderats habe es bisher immerhin eine wohlwollende Reaktion gegeben, berichtet Zimmermann.

Originalartikel vom 28. Juli, 8 Uhr

Ob bei der Straßenbeleuchtung, beim Sommerbad Gauting oder dem „Eiswunder“ Planegg: Die Gemeinden wollen Energie einsparen.
Ob bei der Straßenbeleuchtung, beim Sommerbad Gauting oder dem „Eiswunder“ Planegg: Die Gemeinden wollen Energie einsparen. © dpa/Fabian Sommer

Würmtal - „Was macht die Gemeinde, um Energie zu sparen?“: Mehrfach sei diese Frage an die Verwaltung in Gräfelfing herangetragen worden, woraufhin die Gemeinde eine Erklärung zu ihren Sparmaßnahmen veröffentlicht hat. Hallo hat auch bei den anderen Würmtal-Kommunen nachgefragt, was deren Pläne sind. Die kurz- und mittelfristigen Maßnahmen im Überblick:

Energiesparen im Würmtal: Das sind die Maßnahmen der Gemeinden

Gräfelfing: Zurzeit ermitteln Gemeindemitarbeiter, in welchen Schul-, Kita-, Wohn- und Bürogebäuden der Gemeinde die Heizanlagen noch technisch optimiert werden können. Das Rathaus wird derzeit energetisch saniert. Ein großer Energieverbraucher ist das Schwimmbad an der Volksschule Lochham. Dort wird die Wassertemperatur etwas reduziert – pro Grad weniger werden etwa zehn Prozent der für die Wassertemperatur aufgewendeten Energie einsgespart. Derzeit soll – außer in den Ferien (siehe Kasten) – das Hallenbad geöffnet bleiben. „Sollte es allerdings im Herbst oder Winter zu gravierenden Engpässen kommen, wird möglicherweise auch eine temporäre Schließung erforderlich.“

+++ Ab 1. August: SWM schalten alle Saunen in ihren Bädern ab +++

Gauting: Auch das Gautinger Sommerbad schraubt an den Temperaturen. Statt 34 Grad hat das Warmwasserbecken jetzt nur noch 32, im Schwimmbecken sind es circa 22 anstatt 24 Grad. Sollte sich die Situation weiter zuspitzen, könnten weitere Maßnahmen ergriffen werden, sagt Gemeinde-Sprecher Andreas Röming. „Dazu zählt etwa, das Warmwasser in kommunalen Sportanlagen abzuschalten sowie in großen gemeindlichen Gebäuden (Feuerwehren, Schulen) die Temperaturen leicht zu senken.“ Zudem werde überlegt, das Sommerbad in diesem Fall gar nicht mehr zu heizen.

Planegg: Die Nahwärmeversorgung durch ein Blockheizkraftwerk (BHKW) soll erweitert werden. Auf dem Areal von Gymnasium und Kupferhaus werde „noch in diesem Jahr“ ein zweites BHKW errichtet, teilt die Gemeinde mit. Das spare 50 Prozent C0² im Vergleich zu Gasheizungen. Desweiteren verweist Sprecherin Kiki Xander auf bereits Umgesetzes: die seit 2010 sukzessive Umrüstung von Straßenbeleuchtungen auf LED, energetische Sanierungen kommunaler Gebäude – etwa des Archivs – oder das Förderprogramm der Gemeinde, um Energieeinsparungen in privaten Haushalten zu unterstützen.

Am Donnerstag, 28. Juli, debattiert der Gemeinderat zudem über die Zukunft eines der größten Energiefresser Planeggs: die Eislauffläche am Sportpark. Die Gemeinde will aufgrund der immer wärmeren Winter eine Grundsatzentscheidung über den weiteren Betrieb treffen. Die CSU-Fraktion hat einen Vorschlag eingereicht, um das „Eiswunder“ trotzdem zu erhalten: die Fläche soll künftig mit Kunsteis betrieben werden, das ohne den Einsatz größerer Mengen von Wasser und Strom aufgebaut und erhalten werden könnte.

Neuried: Auch Neuried setzt auf Einsparungen bei der Straßenbeleuchtung: „Ende des Jahres werden in vier Gemeindebereichen die Straßenlaternen auf LED umgestellt“, teilt Sprecherin Inke Franzen mit. Im Gemeinderat soll weiterhin debattiert werden, die Beleuchtung nachts abzuschalten. Außerdem nimmt die Gemeinde ihre Verwaltung in die Pflicht: „Generell sind natürlich alle Mitarbeiter dazu angehalten, Klimageräte und Heizungen sparsam zu nutzen.“

Krailling: Eine Stellungnahme der Gemeinde zu der eine Woche im Voraus versendeten Anfrage von Hallo ging bis Redaktionsschluss nicht ein.

Nach Informationen der Kraillinger FDP-Fraktion will die Gemeinde allerdings ebenfalls Sparmaßnahmen umsetzen. So soll der Brunnen vor dem Rathaus abgeschaltet und die Beleuchtung in dem Gebäude reduziert werden. Generell soll die Straßenbeleuchtung auf 50 Prozent Leistung gedimmt werden.

Für 2023 sollen zudem zusätzliche Mittel im Haushalt eingeplant werden, um weitere Photovoltaik-Anlagen auf Dächern kommunaler Gebäude zu errichten.

Die Gewerbetreibenden in der Kraillinger Innovationsmeile würden ebenfalls gebeten, eigene Einsparmöglichkeiten zu suchen.

Schwimmbad in den Ferien zu

Das Hallenbad auf dem Schulcampus Lochham ist in den Sommerferien für die Öffentlichkeit von Montag, 15. August, bis einschließlich Sonntag, 11. September, geschlossen. Ab Mittwoch, 14. September, (montags und dienstags ist das Schwimmbad ohnehin geschlossen) ist es zu den üblichen Zeiten wieder geöffnet.

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