Streit beim ESV Neuaubing

Exodus der Fußballer beim ESV Neuaubing

Das Fußballerhaus des ESV Neuaubing ist in keinem guten Zustand.
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Das Fußballerhaus des ESV Neuaubing ist in keinem guten Zustand.

Großteil der Fußballspieler verlässt wegen schlechter Zustände und neuer Vorgaben den ESV Neuaubing. Kurzzeitig war kein Spielbetrieb mehr möglich. Wie der Verein reagiert...

Neuaubing - Ein Großteil der Fußballspieler des ESV Neuaubing hat den Verein zum 1. Juli verlassen. Der Grund: „Die Fußballabteilung wird komplett ignoriert“, so der Vorwurf von Michael Grünen.

Fußballer des ESV Neuaubing kritisieren Zustände im Verein

Er und viele seiner Teamkameraden wechselten zur DJK Pasing. Seit Jahren investiere der Verein nichts in die Abteilung. „Wir haben für Bälle und Trainingsmaterial privat zusammengelegt und Spenden für neue Trikots sammeln müssen.“ Der Asche-Platz stehe wegen einer maroden Entwässerungsanlage bei Regen unter Wasser und sei in einem desolaten Zustand. Auf der gesamten Anlage seien viele Tornetze zerrissen oder fehlten komplett, kritisiert Grünen weiter.

Auch das Fußballhaus des ESV Neuaubing sei in einem miserablen Zustand. „Es ist zur Olympiade gebaut worden und seitdem steht es dort unverändert. Dementsprechend schaut es inzwischen auch aus“, so Grünen. Zuletzt mussten die Duschen wegen Schadstoffen in den Leitungen abgestellt werden. „Es gibt die Möglichkeit, im benachbarten Haupthaus zu duschen, aber man muss bei Wind und Wetter von den Kabinen hinüberlaufen. Für mich ist das kein Problem, aber ich kann nachvollziehen, dass es für viele eine Zumutung ist“, sagt Abteilungsleiter Alexander Hänsel.

Geschäftsführer des ESV Neuaubing verweist auf hohe Ausgaben und sinkende Einnahmen

Der Geschäftsführer des ESV Neuaubing, Markus Maucher, versichert, dass der Verein die Duschen „mittelfristig“ wieder instand setzen will. „Da wir jedoch ein besitzender Verein sind, entstehen bei unserer großen Anlage regelmäßig erhebliche Aufwendungen für Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen. Aktuell stehen hier Maßnahmen im Hauptgebäude im Vordergrund, da hiervon deutlich mehr Mitglieder profitieren im Rahmen des täglichen Sportbetriebs.“ Dazu seien wegen Corona und eines damit verbundenen Mitgliederrückgangs die Einnahmen gesunken.

In dieser Lage entschied der Verein, dass alle Spieler Mitgliedsbeiträge zahlen müssen. In den Mannschaften des ESV Neuaubing spielen jedoch seit 2015 viele Geflüchtete, die bisher kostenlos trainieren und spielen konnten. „Für sie ist es häufig nicht einfach, das Geld aufzubringen, weil sie noch keine feste Anstellung haben oder in Ausbildung sind“, sagt Hänsel.

Spenden für den ESV Neuaubing bleiben aus

Geschäftsführer Maucher verweist darauf, dass die fehlenden Mitgliedsbeiträge anfangs durch Spenden aufgefangen wurden. Diese blieben seit einiger Zeit aber aus. Zudem habe es Unmut anderer Mitglieder des ESV Neuaubing über die Beitragsbefreiung gegeben.

Der Verein habe daher ein mehrstufiges Beitragssystem eingeführt: Geflüchtete müssen im ersten Jahr gar keinen und im zweiten sowie dritten Jahr einen reduzierten Beitrag bezahlen. „Hier steht nach wie vor der Integrations- und Unterstützungsgedanke an oberster Stelle“, so Maucher.  

ESV Neuaubing: Ärger über Trainerschein-Pflicht

Für Ärger sorgte auch, dass künftig jeder Coach des ESV Neuaubing einen Übungsleiter- oder Trainerschein haben muss. Maucher erklärt, dass dadurch die Qualität des Trainings gesteigert werden soll.  Zudem seien die Scheine wegen der Zuschüsse des Fußballbundes eine zusätzliche Einnahmequelle. Der Verein fordere das seit Jahren.

Die Spieler sahen das nicht ein und verließen den ESV Neuaubing. „Es ist schade, weil ich lange im Verein war, aber irgendwann reicht es“, sagt Grünen. Abteilungsleiter Hänsel steht ein wenig zwischen den Stühlen. Er versteht die Spieler, kann aber auch nachvollziehen, dass der Verein haushalten muss und die finanzielle Situation derzeit schwierig ist.

Weggang eines Großteils der Spieler gefährdet Spielbetrieb beim ESV Neuaubing

Das Ergebnis war jedoch, dass von zwei gut aufgestellten Herren-Mannschaften des ESV Neuaubing nur noch wenige Spieler zurückblieben. Sie reichten nicht einmal, um ein Team zu bilden. Der weitere Spielbetrieb war stark gefährdet. Hänsel gelang es jedoch, Hobbykicker für den Verein gewinnen.

Der Vorstand des Vereins habe sich klar zum Fußball bekannt und einige Zugeständnisse gemacht, so Hänsel. So gebe die Pflicht zum Trainerschein nur noch im Herrenbereich. Geschäftsführer Maucher verspricht zudem, Geld für notwendige Investitionen bereitzustellen. Hänsel sagt daher: „Ich blicke positiv in die Zukunft. Wir werden derzeit im Jugendbereich überrannt.“ Dennoch zeiht auch er seine Konsequenzen und wird als Abteilungsleiter zurücktreten.

Die Tennisabteilung des ESV Neuaubing ärgert sich dagegen über Lastwagenfahrer.

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