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Einsamkeit, erhöhtes Sucht-Risiko und psychische Erkrankungen ‒ Krisendienste bieten auch an Feiertagen Hilfe

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Von: Jonas Hönle

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Eine Person am Telefon bei einer Hotline. (Symbolbild)
Die Krisendienste in Bayern sind auch an Weihnachten und an den Feiertagen rund um die Uhr zu erreichen. (Symbolbild) © Armin Weigel/dpa

Gerade an Weihnachten und den Feiertagen holt Menschen die Einsamkeit ein, auch das Sucht-Risiko ist erhöht. Ein offener Umgang und Hilfe bei psychischen Erkrankungen ist daher wichtig.

München ‒ Weihnachten, das Fest der Familie und der Liebe - doch mancher bleibt an Heiligabend einsam oder gerät aus anderen Gründen in eine Krise. Menschen in psychischen Notlagen oder mit psychischen Erkrankungen könnten sich in Bayern auch an den Feiertagen rund um die Uhr an die Krisendienste wenden, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU).

Krise und Gewalt an Feiertagen - Einsamkeit als Gesundheitsgefahr

„Eine Krise hält sich nicht an Büroöffnungszeiten. Psychische Krisen sind existenzielle Notfälle. Die Menschen brauchen im Bedarfsfall unmittelbar Unterstützung. Und dafür sorgen die Krisendienste, die mit großem Engagement in Leitstellen und mobilen Teams kompetent Hilfe leisten - und das auch an den Feiertagen.“

Über die Feiertage hinaus stehen die gesundheitlichen Gefahren von Einsamkeit im kommenden Jahr in der bayerischen Gesundheitspolitik weit oben auf der Agenda.

„Viele Menschen fühlen sich einsam, egal ob jung oder alt. Die Corona-Pandemie hat dieses Phänomen durch Kontaktbeschränkungen, geschlossene Schulen, Sport- und Freizeiteinrichtungen oder auch Homeoffice noch verstärkt“, sagte Holetschek.

Einsamkeit könne jeden treffen und chronische Einsamkeit krank machen. „Deshalb werden wir uns diesem Risikofaktor im kommenden Jahr verstärkt widmen.“

Plaudertelefone und Treffplattformen bieten Hilfe bei Einsamkeit

Vorgesehen seien Informationsangebote und Maßnahmen gegen Einsamkeit, wie Plaudertelefone und Treffplattformen für ältere Menschen, Gesundheitstage der Gesundheitsämter zum Thema und ein Fachtag mit Experten, so Holetschek.

Hinzu kämen Social Media-Beiträge mit Influencern, um auch jüngere Menschen zu erreichen. Zudem solle ein bayerischer Einsamkeitsbericht erstellt werden, der im Frühjahr 2023 vorgestellt werden soll.

„Die gesundheitlichen Folgen von Einsamkeit sind gravierend. Wer länger einsam ist, kann körperlich und seelisch krank werden“, betonte Holetschek.

Wer sich einsam fühle, neigt zu ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel. Fachleuten zufolge könnten gerade einsame Menschen verstärkt an Angstzuständen, Depressionen oder Schlafproblemen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Schlaganfall erkranken.

Alkohol, Tabak oder Drogen - Sucht-Risiko bei einsamen Menschen erhöht

Auch das Risiko, Suchtverhalten zu entwickeln und insbesondere verstärkt Alkohol, Tabak oder Drogen zu konsumieren, sei bei einsamen Menschen erhöht. „Bei älteren Menschen kann Einsamkeit sogar die Entstehung einer Demenz begünstigen“, warnte Holetschek.

Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und des Deutschen Alterssurveys (DEAS) zeigten, dass vor der Corona-Pandemie etwa ein Drittel der Menschen in Bayern angab, zumindest manchmal einsam zu sein, zwei bis drei Prozent sind häufig bzw. sehr häufig einsam. Während der Corona-Pandemie sei die Zahl der einsamen Menschen Experten zufolge deutlich gestiegen.

Offener Umgang mit psychischen Erkrankungen

Holetschek warb darüber hinaus für einen offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen. „Stigmatisierung schadet Betroffenen und Angehörigen ganz erheblich. Eine psychische Krise kann jeden treffen.“

Wer Hilfe brauche, solle keine Scheu haben, diese auch zu suchen. Die Krisendienste können auch von Angehörigen, Bezugspersonen und anderen Menschen aus dem Umfeld Betroffener kontaktiert werden.

Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) verwies auf das Frauenhilfesystem, das anonym und kostenlos ebenfalls über die Feiertage rund um die Uhr zur Verfügung stehe. Polizei wie auch Helfer für Frauen verzeichneten jedes Jahr einen Anstieg häuslicher Gewalt just über die Feiertage. Betroffen seien meist Frauen. „Gewalt in der Familie ist keine Privatsache, sondern eine Straftat. Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie von Gewalt betroffen sind. Sie sind nicht allein.“

Auch bei der Telefonseelsorge der evangelischen und katholischen Kirche leisten Ehrenamtliche an den Feiertagen wie stets rund um die Uhr Dienst.

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