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Mehr Hilfe nach Vergewaltigung ‒ So will München die Opfer sexueller Gewalt besser unterstützen

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Von: Jonas Hönle

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Ein 15-jähriges Mädchen wurde in München von einem Mann in eine Nische gedrängt und begrapscht.
Mehr Hilfe und Informationen für Opfer von Vergewaltigung und sexueller Gewalt in München. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte/dpa (Symbolbild)

Mehr Hilfe und Information: München will Opfer einer Vergewaltigung und sexueller Gewalt besser unterstützen und weist auch auf bestehende Angebote hin...

München ‒ Die Landeshauptstadt München will Opfer von sexueller Gewalt besser unterstützen - mit einer Aufklärungskampagne und einer Notfallsprechstunde auch am Wochenende und in der Nacht. Zudem soll auf Hilfsangebote aufmerksam gemacht werden.

Ziel der Kampagne ist, dass jede*r in München über die Möglichkeit der medizinischen Soforthilfe und vertraulichen Spurensicherung nach einer Vergewaltigung informiert wird. Vergewaltigungsopfer sollen wissen, wohin sie sich wenden können. 

Bürgermeisterin Verena Dietl

Mehr Hilfe Opfer sexueller Gewalt und Vergewaltigung in München

Es sei wichtig, dass Opfer von Vergewaltigung sich trauen, schnell Hilfe zu holen, führt Dietl weiter aus. Eine Aufklärungskampagne über medizinische Versorgung und professionelle Dokumentation nach sexualisierter Gewalt sei dringend erforderlich, damit Hilfsmöglichkeiten in München bekannter werden.

Die medizinische Akutversorgung umfasst u.a.: Körperliche Untersuchung, Versorgung etwaiger Verletzungen, Testung auf sexuell übertragbare Krankheiten und Einleitung einer Postexpositionsprophylaxe nach Abschätzung des Infektionsrisikos, Untersuchung auf möglichen Einfluss von Sucht- oder Betäubungsmitteln, Beratung zur Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft.

Medizinische Versorgung und Beratung für Opfer einer Vergewaltigung in München

Darüber hinaus soll auf weitergehende Hilfs- und Schutzangebote hingewiesen und medizinische Folgetermine angeboten werden.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil kann die rechtssichere Spurensicherung sein, die nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Opfers durchgeführt wird.

Diese kann auch vertraulich erfolgen, das heißt dass das Opfer nicht sofort entscheiden muss, ob es eine Anzeige erstellen möchte oder nicht.

Die Spuren und Verletzungen werden sichergestellt bzw. dokumentiert und können eine Anzeige zu einem späteren Zeitpunkt unterstützen. Viele Betroffene seien unmittelbar nach der Tat traumatisiert und nicht in der Lage, eine Entscheidung für oder gegen eine Anzeige zu treffen, vor allem wenn es sich um einen Täter aus dem eigenen Umfeld handelt.

300 Vergewaltigungen in München im Jahr - Polizei geht von hoher Dunkelziffer aus

Laut Sicherheitsreport des Polizeipräsidiums werden in München zirka 300 Vergewaltigungen im Jahr registriert.

Dabei geht man davon aus, dass die Dunkelziffer weit über den gemeldeten Zahlen liegt: Dunkelfeldstudien zufolge stellen nur zwischen 1 Prozent und 15 Prozent der Opfer von Sexualstraftaten eine Anzeige.

Zudem würden Opfer sexueller Gewalt oft keine professionelle medizinische oder psychosoziale Hilfe in der Akutphase nach einem sexuellen Übergriff in Anspruch nehmen. Besonders selten erreichten gefährdete Gruppen wie Frauen mit Behinderung oder geflüchtete Frauen Hilfsangebote.

Häufig verhindere Angst, Scham oder Nicht-Wissen um die Hilfen die Inanspruchnahme von medizinischen oder psychosozialen Hilfen.

Das Gesundheitsreferat plant die Kampagne zusammen mit der Gleichstellungsstelle für Frauen, der Beratungsstelle Frauennotruf, der Initiative für Münchner Mädchen (IMMA e.V.), dem Behindertenbeirat und dem Paritätischen Landesverband Bayern.

„Aufgrund der Schließung der Frauenklinik in der Maistraße sowie der beschränkten Personalbesetzung der anderen Kliniken nachts und am Wochenende ist aus unserer Sicht eine qualitativ hochwertige Akutversorgung von Opfern sexueller Gewalt außerhalb der Kernarbeitszeiten schwierig. Die München Klinik stellt diese Versorgung nun sicher,“ erklärt Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek.

Die Vollversammlung des Stadtrats muss diesen Beschluss des Gesundheitsausschusses noch bestätigen.

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