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Altstadtring-Tunnel, Augustenstraße und wichtige Erinnerungen ‒ Die Jahresvorschau 2023 für Münchens Mitte

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Von: Gabriele Winter

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Dieses Jahr geht der 
Altstadtringtunnel (ART) 
in seine letzte große 
 Bauphase.
Im Jahr 2023 geht der Altstadtringtunnel (ART) in München in seine letzte große Bauphase. © Gabriele Winter

Endspurt für den Altstadtring, Erinnerung an jüdische Bewohner und die Umgestaltung der Augustenstraße - Das bringt das Jahr 2023 für Münchens Mitte...

München – Noch sieht der Altstadtringtunnel nach Baustelle aus. An seiner Oberfläche ist grau die vorherrschende Farbe. Daran soll sich bald einiges ändern. Erste Baumpflanzungen und Grünstreifen werden schon heuer an vielen Stellen die Oberfläche verschönern.

Die Jahresvorschau 2023 für Münchens Mitte - Endspurt für den Altstadtring

Die Bezirksausschussvorsitzende für die Maxvorstadt, Svenja Jarchow-Pongratz (Grüne), freut sich schon auf den Moment, wenn der Tunnel fertig ist: „Endlich nicht mehr diese riesige, lärmintensive Baustelle und der sich ständig ändernde Verkehrsfluss!“

Vor allem letzteres bot für Autofahrer, aber auch für Radfahrer und Fußgänger zahlreiche Gefahrenpotenziale. „Es kam vor, dass man vom Radweg direkt in den fließenden Verkehr geleitet wurde“, berichtet Jarchow-Pongratz.

Die Baustelle am Altstadttunnel.
Die Baustelle am Altstadttunnel. © Gabriele Winter

Seit über fünf Jahren wird an der etwa 600 Meter langen Unterführung zwischen dem Lehel und der Altstadt gebaut. Vor allem der Brandschutz in dem 50 Jahre alten Tunnel musste überholt werden, sonst hätte man ihn schließen müssen.

Dafür wurde in der Mitte des Tunnels eine Trennwand eingezogen, damit im Brandfall wenigstens eine Röhre rauchfrei bleibt und von Rettungskräften befahren werden kann. Auch sonst war der Tunnel sicherheitstechnisch nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Er hat seinen Betrieb bereits 1972 zu den Olympischen Spielen in München aufgenommen und ist seitdem Bestandteil des innerstädtischen Ringstraßen-Systems.

Seit Juli 2018 laufen nun die Sanierungsarbeiten. Dabei entstehen neue Spuren und zum Teil werden die Einfahrten verkürzt und verändert, damit der Verkehr in der Innenstadt entlastet wird. Im Zuge dessen kann zum Beispiel die Brienner Straße autofrei werden.

Noch in diesem Jahr sollen die Fußgänger den Tunnel auch oberirdisch überqueren können und die Radwege werden befestigt. Im kommenden Jahr wird er dann komplett fertiggestellt.

Insgesamt wird das Projekt die Stadt vermutlich knapp 85 Millionen Euro kosten.

München 2023: Erinnerung an jüdische Bewohner in der Altstadt und Schwabing

In der Regel kennt man als Mieter oder Eigentümer einer Wohnung bestenfalls die Vorbesitzer. Wenn das eigene Haus vor dem Krieg jüdische Bewohner hatte, weiß das heute kaum noch jemand. Der jüdische Journalist Terry Swartzberg will das ändern und 2023 in Münchens Mitte „eine neue Art des Gedenkens schaffen“.

Bereits vergangenes Jahr hat er mit seiner Aktion „Faces for the Names“ Aufsehen erregt. Dabei wurden die Gesichter ehemaliger jüdischer Bewohner auf die Häuser projiziert, in denen sie einst gelebt hatten. „Viele dieser Menschen waren Gelehrte, Ärzte oder Geschäftsleute“, weiß Swartzberg. Durch seine Aktion bekommen sie einen Namen und ein Gesicht. Im Frühjahr soll das Projekt in der Altstadt und in Schwabing weitergehen.

„Faces for the Names“ am Nordbad in Schwabing.
Im Sommer geht die Aktion „Faces for the Names“ weiter. © Terry Swartzberg

Allein in Schwabing-West lebten 1933 noch 2000 Juden. Die meisten wurden vertrieben oder in Konzentrationslagern ermordet. Neben der Römerstraße und der Tengstraße, deren Häuser bereits vergangenes Jahr vereinzelt Projektionsfläche für Gesichter ehemaliger jüdischer Bewohner waren, kommen in Schwabing-West in diesem Jahr vermutlich die Agnes-, die Elisabeth-, die Franz-Joseph-Straße und noch drei weitere dazu.

Die Vorsitzende des Bezirksausschusses Schwabing-West, Gesa Tiedemann (Grüne), geht davon aus, dass die Resonanz auch in diesem Jahr wieder groß sein wird und denkt, dass „nur Erzählen oft nicht reicht.“

Zusätzlich zur „Faces for the Names“- Aktion fährt der Organisator und Wahlmünchner Terry Swartzberg mit einem Lastenrad durch die entsprechenden Straßen, baut eine Infobox auf und spricht mit Passanten über die Shoa – den Völkermord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden. Durch seine mobile Erinnerungswerkstatt möchte der fast 70-jährige Journalist und Chronist „mit den jetzigen Bewohnern ins Gespräch kommen“ und tagsüber die Infos für die nächtlichen Projektionen liefern.

Umgesetzt wird „Faces for the Names“ vom Motion-Designer (visuellen Gestalter, Anm. d. Red.) Julian Giebelen. Swartzberg und Giebelen haben sich in der Vergangenheit zusätzlich wiederholt für die Verlegung von Stolpersteinen in München eingesetzt und sorgen seit Jahren dafür, dass auch 77 Jahre nach dem Holocaust, die antisemitischen Gräueltaten und die Ermordung der europäischen Juden nicht in Vergessenheit gerät.

Als ergänzendes Angebot zu Erinnerungszeichen startet das Projekt „Jüdisches Leben in der Ohmstraße“ mit Biographien und Kontexten in Schwabing.

Umgestaltung der Augustenstraße in München-Maxvorstadt

Ein Essenslieferant schiebt sich an einem „normalen“ Radfahrer vorbei, ein E-Scooter blockiert den Bürgersteig — so sieht der Alltag in der Augustenstraße aus. Alle kämpfen auf der lebendigen Geschäftsstraße zwischen Josephsplatz und Dachauer Straße um jeden Millimeter. Deshalb wurde nach einer Lösung gesucht. Mehr Platz für Räder und Fußgänger — weniger für Autos. So lassen sich die geplanten Umbaumaßnahmen an der Augustenstraße kurz zusammenfassen.

Die Augustenstraße in München.
Auf der Augustenstraße in München fehlt es an Platz. © Gabriele Winter

Das passt vor allem manchen Händlern gar nicht, weil ihre Kunden dann noch schwerer einen Parkplatz finden. „Die Konflikte sind gigantisch“, sagt Svenja Jarchow-Pongratz (Grüne) vom Bezirksausschuss Maxvorstadt.

Einig sind sich aber fast alle, dass etwas passieren muss, weil weder Radfahrer noch Fußgänger wirklich Platz auf den engen Gehsteigen haben. Darum dürfen die Radler bald auf der Straße fahren. Auf den Bürgersteigen bleibt dann auch den Gewerbetreibenden mehr Platz, um beispielsweise Tische oder Gemüseständer nach draußen zu verfrachten.

Gleichzeitig wird die Straße in eine 30er-Zone umgewidmet, Parkplätze werden in Fahrradstellplätze umgewandelt und Bäume gepflanzt. So wird es auch gemütlicher in den neuen Schanigärten.

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