1. tz
  2. München
  3. Stadt
  4. Hallo München

Überbelegung, lange Wartezeiten, aggressive Eltern: Kinderkliniken in München & Bayern noch immer am Limit

Erstellt:

Von: Marco Litzlbauer

Kommentare

Kinderklinik
Ein Patient liegt auf einer Kinderstation. (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Lange Wartezeiten in den Notaufnahmen, keine freien Betten, viele kranke Kinder: In den bayerischen Kinderkliniken herrscht immer noch Ausnahmezustand.

München - Von Entwarnung kann leider keine Rede sein: Noch immer ist die Situation in den Kinderkliniken des Freistaats äußerst angespannt.

Lage an Kinderklinik in München: Noch immer müssen Kinder verlegt werden

„Die Wartezeiten sind weiterhin lang und wir müssen auch immer noch kranke Kinder in näher und weiter entfernt gelegene Kinderkliniken verlegen“, sagte Johannes Hübner, Leiter der Pädiatrischen Infektiologie des Dr. von Haunersches Kinderspital am Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität.

„Unsere Klinik ist im Moment voll, wir müssen Kinder entlassen oder verlegen, um neue aufzunehmen. Gleichwohl wird bisher kein Kind, das eine stationäre Betreuung benötigt, weggeschickt.“

Grund für die überfüllten Kliniken sind schwere Atemwegserkrankungen. Die betroffenen Kinder haben sich häufig mit dem RS-Virus angesteckt, der vor allem für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich werden kann, die dann in der Klinik beispielsweise eine Sauerstoffzufuhr oder Flüssigkeit per Infusion brauchen. Auch Influenza und Lungenentzündung sind häufig.

Lage an Kinderkliniken in Bayern: „sehr angespannt“ und noch „kein Abflauen der Infektwelle“

Matthias Keller, Leiter der Kinderklinik Dritter Orden in Passau und Vorsitzender der süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, sagte der dpa: „Die Teams leisten hervorragende Arbeit, jeder Patient wird versorgt.“ Gleichwohl sei die Situation sehr angespannt. Er erkenne noch kein Abflauen der Infektwelle.

Die jetzige Lage zeige „wie im Brennglas“ auf, welche Defizite es seit Jahren gebe, betonte Keller. Gerade in Ballungsräumen drohten immer häufiger Bettensperrungen, weil es keine Pflegekräfte gebe, die die Betten betreuen könnten.

Auslastung der Kinderkliniken: In Augsburg zeitweise „120 Prozent“ erreicht

In die Notaufnahme des Uniklinikums Augsburg kämen jeden Tag 80 bis 90 Kinder, erläuterte eine Sprecherin. 30 Prozent davon würden stationär aufgenommen: „Insgesamt haben wir inklusive Kinderchirurgie 148 belegbare Betten. Die sind aktuell alle belegt.“ Eine Kinderklinik gelte bei 80 Prozent Belegung aus voll ausgelastet. In Augsburg habe man in den vergangenen Wochen auch zeitweise 120 Prozent erreicht.

Auf der Kinderintensivstation gebe es 16 Betten, 4 davon seien aber so gut wie durchgehend gesperrt, weil Personal fehle. „In den nächsten Monaten drohen weitere Bettensperrungen aufgrund von Personalengpässen“, warnte die Sprecherin.

Die Klinik sei voll belegt, sagte ein Sprecher des Uniklinikums Würzburg. Jedoch: „Die Notfallversorgung ist weiterhin sichergestellt durch extra vorgehaltene Notfallbetten.“ Geplante Aufnahmen würden jedoch, wenn es medizinisch vertretbar sei, aktuell noch verschoben. Er wies darauf hin, dass auch immer noch Kinder mit positivem Corona-Test versorgt werden: „Auch dies ist nach wie vor Alltag in unserer Kinderklinik.“

+++ Die aktuelle Corona-Inzidenz in München und Bayern am Sonntag, 11. Dezember +++

Lage an den Kinderkliniken in Bayern: Immer mehr Eltern zeigen aggressives Verhalten

Aus dem Klinikum Bayreuth heißt es, man habe aktuell nur noch Notfallbetten zur Verfügung. RSV- als auch Influenza-Infektionen bei Kindern treten häufiger, aber auch deutlich früher auf als in den Vorwintern. „Die Notaufnahme unserer Kinderklinik arbeitet unter Hochdruck. Dennoch sind Wartezeiten von mehreren Stunden derzeit leider im Bereich des Möglichen“, betonte eine Sprecherin des oberfränkischen Krankenhauses.

Der Passauer Chefarzt Keller sagte, man beobachte in den vergangenen Tagen jedoch auch zunehmend aggressives Verhalten von Eltern in den Notaufnahmen. Hierfür habe er kein Verständnis. Die Teams aus Ärzten und Pflegekräften würden ihr Möglichstes geben, „aggressives Verhalten ist aber inakzeptabel“.

Mit dem Hallo München-Newsletter täglich zum Feierabend über die wichtigsten Geschichten aus der Isar-Metropole informiert.

Auch interessant

Kommentare