1. tz
  2. München
  3. Stadt
  4. Hallo München

Rollt mit der U-Bahn in Martinsried der Verkehrskollaps an? Anwohner erheben Einwände

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Romy Ebert-Adeikis

Kommentare

Martin Mühlbauer (li.) und Klaus Volk zeigen am U-Bahn-Plan, wo aus ihrer Sicht die Busse halten sollten: südlich des gerade im Bau befindlichen Parkdecks (gelb eingezeichnet). Momentan ist er im Westen (blau schraffiert) angedacht.
Martin Mühlbauer und Klaus Volk finden, dass die Busse nicht dort halten sollten, wo es von der Gemeinde Planegg aktuell geplant ist. © Romy Ebert-Adeikis

Bürger aus Martinsried fürchten ein Verkehrschaos in den Straßen nahe des geplanten U-Bahnhofs und fordern eine Änderung der Pläne. Jetzt werden ihre Sorgen angehört

Martinsried - Die U-Bahn-Verlängerung von Großhadern nach Martinsried nimmt Gestalt an. Das Parkdeck am neuen U-Bahnhof ist fast fertiggestellt. Für dessen Aussehen im Untergrund gibt es seit Mai einen Plan, zu dem Behörden und Bürger ihre Einwendungen abgeben konnten. Darunter: die Bedenken einer fünfköpfigen Anwohnergruppe um Martin Mühlbauer und Klaus Volk.

Sie befürchten, dass die Wohnviertel im Osten Martinsrieds mit der U-Bahn-Anbindung von Verkehr überrollt werden. „Mit dem vorliegenden Plan werden vollendete Tatsachen geschaffen. Das wollen wir nicht hinnehmen“, sagt Volk.

U-Bahnhof Martinsried: Anwohner fordern zweiten Aufzug

Konkret geht es der Gruppe um die Anordnung des derzeit einzigen Aufzugs für den U-Bahnhof. Dieser ist im Westen des Bahnsteigs angedacht. Mit der Folge, dass auch Bushaltestellen dort geplant sind, „um kurze Umsteigebeziehungen zur U-Bahn zu gewährleisten und damit Attraktivität und Fahrgastaufkommen zu steigern“, wie es im Antwortschreiben der Gemeinde zu der Einwendung heißt.

Das heißt: Der Busbahnhof müsste auch von Westen angefahren werden – in dem Fall über die Martinsrieder Lena-Christ-Straße. „Zwischen 18 und 25 Busse sind dann in der Stunde dort unterwegs“, hat Mühlbauer ausgerechnet. Dazu kämen Taxis sowie Autos, die Personen absetzen und einsammeln wollen oder einen Parkplatz suchen. „Es ist erbärmlich, dass es bisher kein Konzept dafür gibt, wie mit diesem Verkehr umgegangen werden soll“, ärgert sich Volk.

Fraktion PP&M im Gemeinderat Planegg beantragt Verkehrskonzept

Unterstützung bekommen die Anwohner von der Fraktion Pro Planegg & Martinsried (PP&M): „Es braucht ein ganzheitliches Konzept für den Ort von einem Verkehrsplaner“, sagt Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour. Einen entsprechenden Antrag hat PP&M daher nun bei der Gemeinde gestellt.

Aus Sicht der Gemeindeverwaltung ist ein Konzept nicht nötig. Zwar sei in den Anliegerstraßen kurzzeitig mit einem erhöhten Aufkommen an Parksuchverkehr zu rechnen. „Da aber bereits heute keine Parkplätze in den Anliegerstraßen verfügbar sind, wird sich an der Situation auch mit Inbetriebnahme der U-Bahn nichts ändern. Damit wird dieses Phänomen auch schnell wieder aufhören“, teilt diese auf Hallo-Anfrage mit. „Darüber hinaus stünden der Gemeinde immer noch Steuerungsmöglichkeiten in Form von Parkraum-Bewirtschaftung zur Verfügung.“

U-Bahn Martinsried: Anwohner machen Vorschlag für Verlagerung von Busbahnhof

Die Anwohner kämpfen stattdessen für einen Aufzug im Osten des Bahnsteigs und eine damit mögliche Verlagerung des Busbahnhofs an den Klopferspitz. Dieser wäre so auch näher am Parkdeck oder dem Innovationszentrum Biotechnologie (IZB) samt eigener Kita. „Zwischen den Tierhäusern der Universität und dem IZB wäre für die Busse genug Platz“, erklärt Volk. Die Fläche dort gehöre dem Freistaat. Warum über diese bisher nicht gesprochen wurde, erschließt sich den Martinsriedern nicht. „Der Anlass zur Verlängerung der U6 war ja nicht vorrangig, Martinsried anzubinden, sondern den Biocampus.“

Hier könnten sich Mühlbauer und Volk die Bushaltestellen besser vorstellen, sodass es zu weniger Verkehrschaos kommen würde.
Hier könnten sich Mühlbauer und Volk die Bushaltestellen besser vorstellen, sodass es zu weniger Verkehrschaos kommen würde. © Romy Ebert-Adeikis

Auf Nachfrage erklärt das Bayerische Bauministerium, dass es bisher keine Anfragen für das Grundstück gegeben habe. Die Gemeinde Planegg begründet das mit dem noch laufenden Planfeststellungsverfahren für den Tiefbau. „Erst dann kann die Oberfläche final geplant und mit den Grundstückseigentümern über mögliche Flächen verhandelt werden.“

Anwohner hoffen jetzt auf die Regierung von Oberbayern

Die Martinsrieder befürchten, dass es dann zu spät ist. Sie hoffen nun auf die Regierung von Oberbayern. Zwar hat diese ihre schriftliche Einwendung – gestützt auf das Schreiben der Gemeinde Planegg – abgelehnt. Am Montag, 22. November, können die Anwohner ihr Anliegen aber bei einer Anhörung vortragen. „Da ist noch Bewegung möglich“, hofft Mühlbauer. „Schließlich muss muss sich die Regierung aus fachlicher Sicht zu dem Thema äußern.“

Unterdessen wird das Projekt U-Bahn immer teurer. Planeggs Kämmerer geht inzwischen von 168 Millionen Euro aus. 2020 waren es noch 130 Millonen.

Auch interessant

Kommentare