Ernüchterung anstatt Entlastung

Todesstoß für die Umfahrung Martinsried? Gutachten zeigt: Nur für wenige Straßen ist das Projekt sinnvoll

Wegen der großen Verkehrsbelastung in der Röntgenstraße hatten Anwohner bei der Gemeinde beantragt, eine seit 2013 beschlossene Umfahrung endlich umzusetzen.
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Wegen der großen Verkehrsbelastung in der Röntgenstraße hatten Anwohner bei der Gemeinde beantragt, eine seit 2013 beschlossene Umfahrung endlich umzusetzen.

Laut einem neuen Gutachten würden nur zwei Straßen von der seit 40 Jahren geplanten Westumfahrung Martinsried profitieren. Auch die Kosten spielen eine Rolle.

Ein Gutachten könnte der Todesstoß für die seit 40 Jahren angedachte Westumfahrung Martinsried sein. Nachdem im Juni ein Bürgerantrag zur Umsetzung des Projekts bei der Gemeinde Planegg eingegangen war, stellte Verkehrsexperte Helmut Ammerl im Gemeinderat nun Daten zu den Folgen einer Entlastungsstraße vor.

Das Ergebnis: Zwar würden die von Auto- und Lkw-Lärm besonders betroffenen Anwohner der Röntgen- und Einsteinstraße immens profitieren – allerdings auch nur sie (siehe Kasten). „Das Modell bestätigt, dass es Potenzial für mehr Durchgangsverkehr gibt. Mit dem Bau einer Entlastungsstraße rechnen wir mit 2000 bis 2500 Fahrzeugen pro Tag mehr im Ort“, erklärte Ammerl.

Aus für die Westumfahrung Martinsried? Neue Gutachten könnte der Todesstoß für das Projekt sein

Dazu kommt: Die Kosten lägen mit mindestens 5,6 Millionen Euro – für eine kleine Version der Straße – über denen, die Planegg in den kommenden Jahren für die Verlängerung der U-Bahn zahlen muss (circa fünf Millionen). Was wiederum einen potenziellen Baubeginn in weite Ferne rückt. „Die Gemeinde wird nicht die Möglichkeit haben, zwei Großprojekte zeitgleich zu stemmen“, so Andreas Löbe vom Bauamt. Dafür ist Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) auch nicht bereit, Schulden zu machen.

„Ich sehe eine absolute Dilemma-Situation“, sagte Gemeinderätin Angelika Lawo (Grüne-Gruppe 21). Peter von Schall-Riaucour (PP&M) forderte, auch die Belastung für die Umwelt durch eine Umfahrung noch zu untersuchen. Einstimmig wurde im Gemeinderat beschlossen, eine Entscheidung über den Bürgerantrag erstmal zu vertagen und erstmal in den Fraktionen zu diskutieren.

Allerdings: Auch die Antragsteller – von denen einige bei der Sitzung dabei waren – glauben nicht mehr recht an einen Erfolg. „Wir sind alle frustriert“, sagt Evelyn Wolff aus der Röntgenstraße. „So wie es aussieht, verschiebt man das Problem nur, die Umfahrung kostet Geld und schadet der Umwelt. Wäre ich nicht selbst betroffen, würde ich auch ablehnen.“ Immerhin seien nun Fakten auf den Tisch gekommen. „Hätte es das vor zehn Jahren gegeben, wäre die Diskussion um die Entlastung wohl bald beendet gewesen“, so Wolff.

Ihre Mitstreiterin Bettina Kempkes sieht das anders: „Die Verkehrsströme durch die Ortsmitte und in oder aus den östlichen Teilen von Martinsried wurden für diese Prognosen leider gar nicht berücksichtigt.“ Sie hoffe aber, dass „der Gemeinderat jetzt beginnt, wirklich alle Optionen zu prüfen, das Nadelöhr Röntgenstraße nachhaltig und schnell zu entlasten“.

Unabhängig davon sollte zudem ein Lärmschutz geplant und Bürger dazu befragt werden, wünscht sich Kempkes. Schutzwände hatte das Bauamt ebenfalls als eine mögliche Option in der Gemeinderatssitzung angeregt.

Öffnung der Neurieder Straße als alternative Lösung?

Auch Wolff setzt auf alternative Lösungen zur Entlastung der Anwohner. Etwa neue Zufahrten zum Ort: „Man könnte die Neurieder Straße nicht nur für Bus und Forstverkehr öffnen.“ Gesperrt wurde diese für Durchgangsverkehr 1980. Seitdem habe es laut Gemeindesprecherin Kiki Xander mehrfach Gespräche gegeben, ob man die Straße wieder öffnen könne.

Dies sei aber „nur mit einer Lichtzeichenanlage und dem Umbau des Einmündungsbereiches zu bewerkstelligen“, was wiederum im Berufsverkehr zu Stau auf der Kreisstraße führen würde.

So entwickelt sich der Verkehr

In seinem Modell gibt Helmut Ammerl die Verkehrsbelastung in Fahrzeuge pro Tag an.

  • Vergleichs-Zahlen 2019: Röntgenstraße 7000; Einsteinstraße 2500; Lochhamer Straße 12 700; Münchner Straße West 20 200; Pasinger Straße 15 600.
  • Verkehrsprognose 2035 ohne Umfahrung: Röntgenstraße 7300; Einsteinstraße 2300; Lochhamer Straße 13 500; Münchner Straße West 21 400; Pasinger Straße 18 000.
  • Verkehrsprognose 2035 mit kleiner Umfahrung: Röntgenstraße 1000; Einsteinstraße 1800; Lochhamer Straße 15 700; Münchner Straße West 23 000; Pasinger Straße 17 500; Umfahrung 10 100.
  • Verkehrsprognose 2035 bei Umfahrung bis zur Würmtalstraße: Röntgenstraße 1000; Einsteinstraße 1800; Lochhamer Straße 11 200; Münchner Straße West 23 200; Pasinger Straße 14 800; Umfahrung 11 000.

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