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Metallzacken gegen Obdachlose? Münchner Sparkasse steht in der Kritik

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Von: Kristina Beck

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Metallzacken in einer Münchner Sparkasse - dieses Bild hat auf Twitter für Diskussionen gesorgt.
Metallzacken in einer Münchner Sparkasse - dieses Bild hat auf Twitter für Diskussionen gesorgt. © Peter Kneffel/dpa

Herzlosigkeit oder notwendiger Schutz? In der Sparkasse am Münchner Max-Weber-Platz wurden Metallzacken angebracht. Das Haus verteidigt sich.

Metallzacken am Boden einer Münchner Sparkassenfiliale haben für Diskussionen gesorgt. Sie sollen Obdachlose vom Übernachten abhalten.

Der Hintergrund: Ein Münchner Journalist hatte ein Foto vom Vorraum der Filiale am Max-Weber-Platz auf Twitter veröffentlicht und dazu geschrieben: „Shame on you, @sparkasse München, für diese nachträglich angebrachten Zacken. Wenn ein Obdachloser nachts in eurem Schalterraum schlafen möchte, dann nicht, weil es ihm zu gut geht.“

Ein Sprecher der Stadtsparkasse erklärt der dpa, die Zacken seien vor längerer Zeit im Rahmen eines Umbaus angebracht worden: „Denn an diesem Standort kam es in der Vergangenheit immer wieder zu größeren Kundenbeschwerden, nachdem der Geldautomatenraum von Obdachlosen und auch anderen Gruppen als Aufenthaltsort genutzt wurde.“

Metallzacken in Münchner Sparkasse: Schutz vor Obdachlosen?

Kunden hätten sich unsicher gefühlt, wenn sie etwa spät abends in Anwesenheit Obdachloser Geld abhoben. Außerdem habe der Raum weder Toiletten noch Müllbehälter.

Weiter teilt der Sparkassensprecher mit: „Wir haben vollstes Verständnis für die Situation der Menschen, die in diesen Tagen keine warme Unterkunft haben.“ Allerdings böten die Stadt München sowie Hilfsorganisationen zahlreiche Unterkünfte für Menschen, die auf der Straße lebten. Die Münchner Stadtsparkasse spende häufig an Vereine und Organisationen, die Obdachlose unterstützten.

„Defensive Architektur“: Gab es einen anderen Ausweg?

Verena Zillig, Geschäftsführerin der Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern, meint zu der Baumaßnahme: „Diese Art von sogenannter ,defensiver Architektur’ ist nichts Neues und kommt häufiger vor, zum Beispiel bei Sitzbänken im öffentlichen Raum. Bei diesen werden die einzelnen Plätze mit Armlehnen getrennt, sodass man sich dort nicht ausgestreckt hinlegen kann.“

Zillig findet es bedauerlich, dass sich die Sparkasse dazu gezwungen sah: „In Bayern sind die Kommunen für die Notunterbringung von obdachlosen Menschen zuständig. Nach allgemeinen Informationen gibt es zumindest in München wohl genügend Plätze.“

Allerdings kämen nicht alle Bedürftigen in den Noteinrichtungen unter ‒ aus Unwissenheit, Angst vor Diebstahl oder Gewalt, aber auch weil sie dort ihre Tiere nicht mitbringen dürften.

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