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Misshandlung in Münchner Kinderheimen: Stadt erhöht Soforthilfen für Missbrauchsopfer

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Von: Kristina Beck

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Rathaus in München.
München will Missbrauch von Kindern aufklären und stockt Soforthilfen für Betroffene auf. (Symbolbild) © Matthias Balk/dpa

Die Stadt München will Opfer von Missbrauch in Kinderheimen weiterhin entschädigen und stockt die Mittel für Soforthilfen auf. Wie Betroffene Hilfe bekommen

München ‒ Die Stadt München hat sich als erste große Kommune entschieden, die Missstände und Gewalterfahrungen ehemaliger Heim-, Pflege- und Adoptivkinder auf kommunaler Ebene umfassend aufzuarbeiten und im November 2021 eine unabhängige Expertenkommission eingesetzt.

Ziel der Untersuchung der Kommission ist die Aufarbeitung der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Heimen, Pflege- und Adoptivfamilien im Zeitraum von 1945 bis 1999 und der Missstände, unter denen die Betroffenen dort gelitten haben.

Mehr Geld für Missbrauchsopfer in München: Betroffene von Gewalterfahrungen in Kinderheimen sollen entschädigt werden

Nun erhält die Expertenkommission zur Aufarbeitung der Geschehnisse in den Heimen, Pflege- und Adoptivfamilien vom Stadtrat zusätzlich Mittel in Höhe von insgesamt einer Million Euro, um Betroffene schnell mit Soforthilfen unterstützen zu können.

Die Soforthilfen sollen unkompliziert an Betroffene ausgezahlt werden, „die sich in einem schlechten gesundheitlichen Zustand befinden und bereits vorgerückten Alters sind“, teilt die Stadt München mit.

Schon im Mai 2022 hat das Gremium Mittel in Höhe von 800.000 Euro für Soforthilfen bekommen. Betroffene, die sich in besonders schwierigen Lebenssituationen befinden, konnten die Soforthilfen seit Juli beantragen ‒ und zwar über eine externe Anlaufstelle, die beim Kinderschutz München angesiedelt ist.

Finanzielle Unterstützung für Betroffene von Missbrauch in München: Erster Geldtopf fast aufgebraucht

Bis Ende 2022 hätten 48 Personen finanzielle Hilfen und Anerkennungsleistungen erhalten, berichtet Ignaz Raab, Vorsitzender der Expertenkommission. Dennoch seien die 800.000 Euro fast vollständig aufgebraucht, die Kommission habe die Stadt daher um Aufstockung der Mittel gebeten.

Die Soforthilfen sind als Vorgriff auf Anerkennungsleistungen zu verstehen, die an Betroffene ausgezahlt werden soll. Die Kriterien, auf deren Grundlage diese Leistungen gezahlt werden sollen, müssen nach Angaben des Sozialreferates noch ausgearbeitet werden.

Stadträtin Marion Lüttig von der Stadtratsfraktion Die Grünen ‒ Rosa Liste begrüßt den Schritt: „Den Mitgliedern der Kommission gebührt Dank. Denn ihre Arbeit ermöglicht es, Menschen angemessen zu entschädigen, denen im Namen der Stadt schweres Unrecht widerfahren ist. Vor dieser Verantwortung darf der Stadtrat sich nicht wegducken. Selbstverständlich wollen wir, dass diese Arbeit weitergeführt wird, bis alle Berechtigten eine Entschädigung erhalten haben.“

Im November wurde als zweites unabhängiges Gremium ein Betroffenenbeirat installiert, der gemeinsam mit der Expertenkommission den Aufarbeitungsprozess steuern soll.

Wo bekomme ich Hilfe?

Betroffene können Anträge auf Soforthilfen bei der Anlaufstelle einreichen per E-Mail an anlaufstelle@kinderschutz.de, telefonisch unter 231716-9170 oder unter www.kinderschutz.de/anlaufstelle.

Kontakt zur Unabhängigen Expertenkommission per E-Mail an kommission@muenchen.de.

Aktuell sucht die Expertenkommission nach einem Institut, das die wissenschaftliche Aufarbeitung der Missstände übernimmt und der Kommission zuarbeitet. Hierzu läuft aktuell eine öffentliche Ausschreibung unter https://vergabe.muenchen.de/NetServer. 

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