Münchner Kunstverein protestiert 

MUCA München: Grafitti-Streit am Gesundheitshaus 

Dunkle Wolken ziehen auf: Bis zur vergangenen Woche war „The Greed Depression“ an der Dachauer Straße 90 zu sehen.
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Dunkle Wolken ziehen auf: Bis zur vergangenen Woche war „The Greed Depression“ an der Dachauer Straße 90 zu sehen.

Wandbild überraschend übermalt: Kunstverein kritisiert neues Graffito an der Dachauer Straße 90

Maxvorstadt - „The Greed Depression“ hieß das Mural des Street Art Künstlers „No Name“, das in den vergangenen Jahren am ehemaligen Gesundheitshaus an der Dachauer Straße 90 zu sehen war. Jetzt wurde es überraschend übermalt. Für den Kunstverein „Positive Propaganda“ ein großer Schock. Dessen Gründer Sebastian Pohl ist fassungslos: „Ein hochkarätiges Kunstwerk ist einfach verschwunden.“ Der Kunstverein setzt sich für die Etablierung unabhängiger avantgardistischer Kunst im öffentlichen Raum ein. Woran sich Pohl ebenfalls stört: Auf Instagram hat der Likörhersteller Jägermeister ein Bild veröffentlicht, wie das Mural gerade entsteht. Für ihn ist deshalb klar: Bei der neuen Fassadengestaltung handele es sich lediglich um ein kommerzielles Werbegraffito – wie man sie vor allem in Berlin mittlerweile an jeder Ecke findet. „Hier täuscht Werbung Kunst vor. Gegen genau so etwas kämpfen wir.“

MUCA München: Grafitti-Streit am Gesundheitshaus 

Auslöser für die Aufregung ist das Museum für Urban & Contemporary Art (MUCA). Dessen Betreiber haben das Gebäude kürzlich in Erbpacht übernommen und planen noch im Sommer das „Kunstlabor II“ zu eröffnen. In dem Zuge haben der Street-Art-Pionier Case Maclaim und der Tattoo-Künstler Pepe die Fassade neu gestaltet. „Ziel des Projekts ist es, mit etablierten Künstlern talentierten Newcomern aus der Kunst- und Musikszene eine einmalige Plattform zu bieten“, erklärt MUCA-Mitbegründerin Stephanie Utz. Geplant sei künftig, die Hausfassade in regelmäßigen Abständen zur Gestaltung an Künstler freizugeben. Die Vorwürfe des Kunstvereins könne man nicht nachvollziehen. „Positive Propaganda hatte ganz offiziell zum 30. Juni 2020 eine Kündigung für den Nutzungs- und Überlassungsvertrag der Fassade durch die Stadt München erhalten“, erklärt Utz gegenüber Hallo. „Abgesehen von der eindeutigen Rechtslage, ist es völlig Usus, dass bei kuratierten Außenflächen im Sinne der Gleichberechtigung und Fairness auch andere Künstler zum Zuge kommen.“

So sieht die neue Wandgestaltung an der Dachauer Straße 90 aus.

„Das Übermalen von Arbeiten aus der Street Art Bewegung gilt als absolutes Tabu“

Pohl sieht das anders: „Das Übermalen von Arbeiten aus der Street Art Bewegung gilt als absolutes Tabu“. Für ihn steht außerdem fest: „Ein Nutzungs- und Überlassungsvertrag definiert die Dauer der Umsetzung, nicht wie lange ein Kunstwerk bleibt.“ Außerdem seien die Kunstwerke entlang der Dachauer Straße 90 von städtischer Seite als schützenswert eingestuft worden, so Pohl. Auf Hallo-Nachfrage erklärt eine Sprecherin des Kulturreferats: „Im Dezember 2020 haben das Kultur- und Kommunalreferat gemeinsam an MUCA appelliert, dass die Kunstwerke an der Außenfassade bestehen bleiben sollen.“ Dass das Mural vergangene Woche übermalt wurde, habe das Referat nicht gewusst.

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