Münchner im Himmel?

100 Jahre Ludwig Thoma: Wie München mit dem Erbe des einst gefeierten Schriftstellers umgeht

Ludwig Thomas starb 1921 an Magenkrebs am Tegernsee.
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Ludwig Thomas starb 1921 an Magenkrebs am Tegernsee.

Zwischen Kulturgut und Hetzschriften: Am 26. August ist der 100. Todestag des Schriftstellers Ludwig Thoma. Wird eine nach ihm benannte Straße und Schule bald umbenannt?

Ein grantiges „Hosianna“ würde der Engel Aloisius derzeit vermutlich im Himmel von sich geben. Also quasi ein Flehruf an Gott, wie man mit Aloisius’ eigentlichem Schöpfer, dem Schriftsteller Ludwig Thoma, denn nun umgehen soll. Denn zu dessen 100. Todestag am Donnerstag, 26. August, ist die Diskussion um den Heimatdichter mit den zwei Gesichtern noch nicht abgeschlossen.

Thoma, 1867 in Oberammergau geboren, lernte, studierte und arbeitete lange Zeit in München. Seine humoristische Kurzgeschichte „Münchner im Himmel“ oder die „Lausbubengeschichten“, sie gelten heute als bayerisches Kulturgut. Doch gegen Ende seines Lebens radikalisierte sich Thoma zunehmend und hetzte massiv, vor allem gegen Juden.

Weil er die Texte anonym verfasste, kam seine Gesinnung erst Jahrzehnte später ans Licht. Eine Büste zu seinen Ehren steht heute in der Ruhmeshalle, eine Straße in Pasing und eine Realschule in Berg am Laim tragen seinen Namen. Ist das noch angebracht?

Das Stadtarchiv hat in den vergangenen Jahren historisch belastete Straßennamen untersucht, darunter besagte in Pasing. Auf Hallo-Nachfrage erklärt Stefan Hauf vom Direktorium der Stadt, dass die Liste der 40 Straßennamen mit „erhöhtem Diskussionsbedarf“ nach Information der Bezirks­ausschüsse Ende September veröffentlicht werde.

Der frohlockende Aloisius, hier im Hofbräuzelt, ist eine der bekanntesten Figuren Ludwig Thomas.

Außerdem sei eine Veranstaltung geplant, auf der man über Verfahren, Sachstand und Perspektiven des Projekts informieren werde. Auf die Frage, ob eine mögliche Umbenennung der Straße Auswirkungen auf den Namen der Städtischen Ludwig-Thoma-Realschule habe, gibt es aus dem Referat für Bildung und Sport keine eindeutige Antwort.

„Grundsätzlich gilt: Soll einer Schule neben der amtlichen Bezeichnung ein (neuer) Name verliehen werden, geschieht dies immer im Einvernehmen mit der Schulfamilie“, so Sprecherin Ursula Oberhuber. Die Schule selbst war aufgrund der Sommerferien nicht zu erreichen.

Eine klare Meinung vertritt Karlheinz Thomas. Der 84-Jährige ist Gründungs- und ältestes Mitglied des Ensembles des Münchner Ludwig-Thoma-Theaters. Inzwischen handle es sich um ein Gastspiel-Theater, feste Räume in München gibt es nicht mehr, seit zwei Jahren herrscht Corona-bedingter Stillstand.

Für den Schauspieler ist Thoma „ein wunderbarer Schreiber mit einer riesigen Begabung“. Er findet es gerechtfertigt, dass eine Straße nach ihm benannt ist. Man müsse die Kunst und das Politische trennen.

Ludwig Thomas Geschichte nach sollte Aloisius göttliche Ratschläge der Bayerischen Regierung überbringen. Weil der aber Bier trinkend im Hofbräuhaus versumpft ist, wartet diese bis heute auf Eingebungen.

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